Champions League>

FC Bayern: Der wahre Königstransfer

Bayerns wahrer Königstransfer

Viele sprechen von Luis Díaz, wenn es um den bayerischen Top-Transfer des Sommers geht. Doch viel wichtiger für den Erfolg der Mannschaft ist ein anderer.
Vincent Kompany darf vor dem finalen Spiel in der Ligaphase der Champions League wieder einige Stars im Training zurück begrüßen. Ein Star wiederum konnte nur Laufrunden drehen.
Viele sprechen von Luis Díaz, wenn es um den bayerischen Top-Transfer des Sommers geht. Doch viel wichtiger für den Erfolg der Mannschaft ist ein anderer.

Jonathan Tah ist kein Mann der großen Worte – oder er weiß, dass in Fernsehsendungen am liebsten Zitate mit circa 40 Sekunden Länge verwendet werden.

Auf der Pressekonferenz in Eindhoven, einen Tag vor dem letzten Spiel in der Ligaphase der Champions League gegen die PSV (Mittwoch ab 21.00 Uhr im LIVETICKER), stellte das der Innenverteidiger des FC Bayern erneut unter Beweis, indem er bescheiden blieb.

Leistung auf dem Platz, wenige Sprüche daneben – es ist eine Marschroute, die viele Stars verfolgen wollen, doch beides gleichzeitig hinzubekommen, macht Tah zu einem seltenen Exemplar.

Tah beim FC Bayern der Abwehrboss

„Ich versuche, Verantwortung zu übernehmen und viel zu kommunizieren. Aber wie ich das mache und ob ich das gut mache, lasse ich andere beurteilen“, sagte der 29-Jährige auf Nachfrage von SPORT1.

Damit wandelt er auf den Spuren seines Trainers. Vincent Kompany konnte als Aktiver verbal ungemütlich werden und strotzte vor Selbstbewusstsein. Doch eigentlich ist er ein ruhiger Charakter, ja fast ein Intellektueller. Kein Wunder, dass Schalkes Edin Dzeko jüngst verriet, dass sie Kompany bei Manchester City gerne „Professor“ nannten – weil er im Mannschaftsbus ständig Bücher las.

Über Tah und seine Führungsqualitäten sagte der Belgier: „Verteidigung ist zu 50 Prozent Kommunikation. Er muss mit seiner Stimme seiner Mannschaft helfen. Das ist eine Stärke, die Jona hat. Das hat er von Anfang an gezeigt.“

Kein Hype um Tah

Es ist eine Entwicklung, die im hektischen München nicht unbedingt zu erwarten war. Zwar wurde die Verpflichtung Tahs bei den Fans positiv wahrgenommen, doch große Euphorie brach nicht aus.

Und der Nationalspieler tat auch wenig dafür, um einen Hype um seine eigene Person zu entfachen. Als er während der Klub-WM von SPORT1 gefragt wurde, wie er die ihm zugedachte Führungsrolle angehen wolle, machte Tah Folgendes klar: „Ich mag das Wort Abwehrchef nicht gerne. In den Gesprächen mit Max Eberl und Christoph Freund wurde mir diese Rolle aufgezeigt, aber die muss man sich erarbeiten.“

Schon damals klang der Innenverteidiger wie sein Coach. Tah hat eindeutig das Kompany-Gen! Der Trainer hatte vor Monaten über sich selbst gesagt, dass er in seiner Karriere nie um die Rolle des Chefs gekämpft habe, sondern irgendwann sei das eben durch gute Leistungen klar gewesen.

Tahs größtes Pfund: Er wurde früh in den Mannschaftsrat gewählt und gilt als Musterprofi. „Ich bin den Rhythmus gewohnt. Ich versuche alles in meinem Privatleben darauf zu fokussieren, dass ich regenerieren und abschalten kann, um für die Spiele fit zu sein. Das mache ich bereits seit Jahren“, sagt der 29-Jährige.

Tah und Upamecano als perfektes Duo

Und: Er hat die Bayern-Abwehr stärker gemacht, zieht vor allem Dayot Upamecano mit, mit dem er in dessen Muttersprache spricht. Der Franzose präsentierte sich in den vergangenen Monaten ebenfalls stabil – so stabil, dass die Bayern ihm ein fürstliches Vertragsangebot gemacht haben.

In der vergangenen Saison herrschte hinter den Kulissen die Meinung vor, dass man Upamecano mit dem richtigen Partner mehr Sicherheit verleihen könne. Dass der 27-Jährige selbst kein großes Interesse an der absoluten Führungsrolle hatte, war allen Beteiligten klar. Die hat jetzt Tah inne – und „Upa“ profitiert.

Zudem bearbeitet der Abwehrboss seinen Kollegen in Sachen Vertrag: „Dayot ist jemand, den ich sehr gerne mag – auch neben dem Platz. […] Ich wünsche mir, dass er bleibt und verlängert – das sage ich ihm, glaube ich, 100-mal am Tag.“ Das klingt so, als könnte Tah ein weiterer Pluspunkt für die Bayern im Upa-Poker sein.

Die Spekulation, die unter vielen Beobachtern die Runde macht, sei also erlaubt: Was wäre nur gewesen, wenn Tah zwölf Monate eher an die Säbener Straße gekommen wäre?

Nicht wenige glauben, dass die bayerische Abwehr gerade in den großen Spielen wie im Viertelfinale der Champions League gegen Inter Mailand deutlich sicherer gestanden hätte.

Zur Erinnerung: Minjae Kim leistete sich im Rückspiel bei den Italienern zwei folgenschwere Fehler. Der Traum vom „Finale dahoam 2.0“ war jäh geplatzt.

Das soll diesmal nicht passieren. Das erste Ziel auf dem Weg ins Finale ist ein Sieg in Eindhoven, der den zweiten Platz in der Tabelle sichern und die beste Ausgangslage in den K.o.-Spielen garantieren würde.