Die Suche nach einem Nachfolger von Philipp Lahm ist beim DFB-Team bereits seit seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach der WM 2014 ein leidiges Thema. Während die Position des Rechtsverteidigers in Deutschland weiter umstritten bleibt, scheint sich „der neue Philipp Lahm“ jedoch in Spanien aufzutun.
Champions League: Barca-Juwel überzeugt! Ihn vergleicht Flick schon mit Philipp Lahm
Ihn vergleicht Flick schon mit Lahm
Die Rede ist vom erst 18 Jahre alten Xavi Espart. Das Juwel des FC Barcelona könnte die nächste große Entdeckung von Trainer Hansi Flick werden und weckt beim ehemaligen Bundestrainer bereits einen großen Vergleich.
„Ich mag sein Selbstvertrauen am Ball sehr, das ist ein bisschen ähnlich zu Philipp Lahm“, lobte Flick den Youngster vor dem Pokal-Halbfinale gegen Atlético Madrid und sagte: „Lahm konnte als Sechser und als Rechtsverteidiger spielen. Und er kann das auch. Es ist großartig zu sehen, wie er mit, aber auch gegen den Ball spielt, wie er sich verhält.“
FC Barcelona: Espart feiert „Traumdebüt“ in der Champions League
Am Dienstagabend ließ Flick seinen Worten schließlich Taten folgen. Espart feierte bei seiner achten Berufung für den Profikader ein unvergessliches Debüt. Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Newcastle United wurde der Spanier in der 88. Minute eingewechselt und begleitete damit den Weg zum 1:1-Ausgleich in letzter Minute. Ein klarer Vertrauensbeweis von Flick.
„Xavi Espart erlebte mit dem FC Barcelona ein Traumdebüt in der Champions League“, schrieb im Anschluss die katalanische Zeitung Sport und merkte an, dass sein Debüt das „zugleich schwierigste denkbare“ war.
Nur wenige Augenblicke zuvor waren die Katalanen durch den Treffer von Harvey Barnes (86.) in Rückstand geraten und drohten vor berauschender Kulisse im St. James‘ Park mit einem Patzer in die K.o.-Phase zu starten.
„Es waren die heikelsten Momente, denn Barca hätte sich die Qualifikation erschweren können. Doch das Eigengewächs zeigte beeindruckende Ruhe, eroberte Bälle und schaltete sich sogar in die Offensive ein“, analysierte Sport.
Auch Mundo Deportivo urteilte: „Trotz der Spielsituation und des Drucks, in diesem europäischen Szenario zu debütieren, hinterließ Espart in den acht Minuten und 24 Sekunden, die er auf dem Platz stand, einen soliden und effizienten ersten Eindruck. Das Eigengewächs betrat den Platz hochkonzentriert, mit kühlem Kopf und erfüllte seine Aufgabe auf der rechten Abwehrseite mit großer Souveränität.“
Wie Lahm? Barca-Star schließt sich Vergleich von Flick an
Sinnbildlich für den abgeklärten Auftritt war eine mutige Grätsche im eigenen Strafraum. In der dritten Minute der Nachspielzeit marschierte Newcastle in Richtung Grundlinie und drängte auf das zweite Tor. Doch Espart entschärfte die Situation ohne ein Foulspiel und ermöglichte somit den Ausgleich in der sechsten Minute der Nachspielzeit.
„Ich bin sehr glücklich, mir diesen Traum erfüllen zu können. Vielen Dank an alle, die mir auf diesem Weg geholfen haben. Es lebe Barca!“, schrieb das Talent nach dem Abpfiff bei Instagram und wurde in den Kommentaren von zahlreichen Mitspielern gefeiert. Der ebenfalls erst 18 Jahre alte Marc Bernal schloss sich dabei Flick und seinem Vergleich an und kommentierte mit einem Wort: „Philipp“.
Espart könnte das nächste Talent aus dem sensationellen 2007er-Jahrgang von La Masia sein, dem der Durchbruch bei den Profis gelingt. Mit Lamine Yamal, Pau Cubarsí und Bernal konnte sich ein Trio bereits fest auf Spitzenniveau beweisen. Und auch mit Espart verfolgt Barcelona wohl bereits seit geraumer Zeit einen klaren Plan.
Xavi Espart - Bei Barcelona fast aussortiert
In Barcelona geboren, wechselte Espart bereits im Alter von acht Jahren von der UE Vilassar de Mar zu den Katalanen. Laut Mundo Deportivo gab es jedoch schon in seinem zweiten Jahr Zweifel daran, ob sich der Spanier beim Klub durchsetzen könne.
In der Folge zeigte sich Espart als „Musterbeispiel für Anpassungsfähigkeit“ und erfüllte jede Rolle, die von ihm verlangt wurde. So stellte er sich erfolgreich vom Mittelfeldspieler zum Rechtsverteidiger um, glänzt jedoch bis heute durch seine Variabilität - wie einst auch Philipp Lahm.
In der Jugendakademie entwickelte sich Espart zunehmend zu einem Führungsspieler und ist inzwischen längst im Reserveteam und Profitraining etabliert. Einen ersten Schritt in Richtung seines endgültigen Durchbruchs ging er bereits im Oktober, als er sechsmal in Serie im Profikader stand - allerdings ohne einen Einsatz.
Eine Knieverletzung zwang Espart anschließend zu einer wochenlangen Pause, von der er im Februar besser denn je zurückkehrte. In der Zwischenzeit rückte Barca auch nicht von der klaren Perspektive für Espart ab.
Wie Mundo Deportivo berichtete, lehnte Barca im Winter eine Leihe zu Racing Santander ab. Trotz einer attraktiven Entwicklungsmöglichkeit in Spaniens zweiter Liga begründete der Klub, dass die Entwicklung des Spielers im vertrauten Umfeld am besten gefördert werden kann, da die Fortschritte so unmittelbar überwacht werden.
Verletzungssorgen bei Barca: Espart nutzt seine Chance
Eine Entscheidung, die sich inzwischen wohl auszahlt. Mit Jules Koundé und Alejandro Balde fehlen dem Klub aktuell gleich zwei Außenverteidiger. Eine Chance für Espart, die er auf der größten europäischen Bühne in nur wenigen Minuten nutzen konnte.
„Ich rannte los, um meine Sachen fertig zu machen, damit ich eingewechselt werden konnte. Ich konnte es kaum glauben. Als ich dann auf dem Platz war, hatte ich richtig Spaß“, beschrieb Espart sein Debüt und wurde im Anschluss auch von seinen Kollegen gelobt.
„Er hat mit einer sehr guten Defensivaktion direkt ein Tor verhindert. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, sind wie eine große Familie“, sagte Cubarsí bei Movistar. Hansi Flick blieb hingegen nüchtern und erklärte, Espart habe es „gut gemacht“.
Für weitere Einsätze in naher Zukunft dürfte sich das Juwel allemal empfohlen haben. Die Fußstapfen von Lahm bleiben hingegen vorerst riesig.