Bayer 04 Leverkusen muss sich nach einer verdienten Niederlage gegen den FC Arsenal im Achtelfinal-Rückspiel aus der Champions League verabschieden. Trotz der herausragenden Leistung von Keeper Janis Blaswich, musste sich die Werkself gegen die dominierenden Londoner geschlagen geben.
Champions League: Einer wuchs über sich hinaus - Leverkusen-Einzelkritik
Einer wuchs über sich hinaus
Während der Mann zwischen den Pfosten zehn Schüsse der Gunners-Offensive abwehrte, fehlte dem Team von Bayer-Trainer Kasper Hjulmand mit nur zwei Torschüssen über weite Strecken die nötige Torgefahr. Die SPORT1-Einzelkritik.
Bayer Leverkusen: Blaswich wächst über sich hinaus
JANIS BLASWICH: Wuchs in der ersten Halbzeit über sich hinaus und schien lange Zeit unüberwindbar zu sein. Rettete mehrmals in allerhöchster Not: Fischte einen Schuss von Leandro Trossard aus 16 Metern aus dem Winkel (16.), faustete den direkten Freistoß von Declan Rice aus der Gefahrenzone (23.), parierte gegen Bukayo Saka (28.), begeisterte mit einem blitzschnellen Reflex gegen Trossard (29.) – Monsterparade! Wenige Zeigerumdrehungen später blieb er gegen den Belgier erneut Sieger und packte im Getümmel sicher zu (31.). Dann passierte aber doch, was passieren musste: Beim Sonntags-Schuss von Eberechi Eze ohne Abwehrchance (36.). Genauso wie beim Distanzschuss von Rice (63.). Ohne ihn wäre die Partie schon deutlich früher entschieden gewesen. SPORT1-Note: 1,5
JARELL QUANSAH: Leistete sich unnötige und leichte Fehler im Spielaufbau (18., 35.). Sein Handspiel führte zu einem gefährlichen Freistoß (22.) Nicht ganz so abgezockt wie im Hinspiel – ein Spiegelbild der Leverkusener-Mannschaft. In der zweiten Hälfte schmiss er seine 1,90 Meter in einige gefährliche Kontersituationen der Gunners - wie in der 68. Minute - und verhinderte so einen noch höheren Rückstand. SPORT1-Note: 3,5
Andrich gefeiert - Garcia mit zwei Gesichtern
ROBERT ANDRICH (bis 83.): Ließ Viktor Gyökeres keine Zeit zum Atmen und stand ihm ständig auf den Füßen. Musste er aber auch, denn wenn er ihm zu viel Platz ließ, setzte der Schwede seine Mitspieler brandgefährlich in Szene - Trossards Schuss lenkte Blaswich gerade noch so zur Ecke ab (29.) – oder schloss selbst ab (62.). Sendete mit seinem Distanzschuss ein Zeichen an seine Kollegen (58.). Der Versuch war allerdings zu harmlos. Nach der Pause rollten immer wieder Arsenal-Angriffe auf ihn zu. Im Verbund mit seinen Kollegen gelang es ihm immer wieder, im letzten Moment die aussichtsreichen Gegenstöße abzuwehren – mal mit Können, oft mit Glück. Wurde bei seiner Auswechslung mit Sprechchören abgefeiert (83.). SPORT1-Note: 3
EDMOND TAPSOBA: Unglaubliche Ruhe im Spielaufbau, ließ sich auch von der hoch anlaufenden Arsenal-Offensive nicht beirren. Aufmerksam, wenn die Londoner schnell umschalteten (20.). Sein Kopfball war kein Problem für David Raya (33.). Bei der sehenswerten Arsenal-Führung hätte er einen Schritt schneller aus der Kette rücken müssen (36.). Seine langen Bälle glichen mehr Befreiungsschlägen als gezielte Zuspielen. SPORT1-Note: 4
ALEIX GARCIA: Zeigte in den Halbzeiten zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Zu Beginn ging ihm genau das ab, was ihn im Hinspiel noch auszeichnete: die richtige Balance. Agierte ungewohnt fahrig, war gedanklich meist den einen Schritt zu langsam und leistete sich unnötige Ballverluste, wie in der 31. Spielminute. Sinnbildlich war das Missverständnis mit Alejandro Grimaldo, das folgenlos blieb: Blaswich entschärfte Sakas gefährlichen Abschluss (27.). Seine verunglückte Flanke wurde noch gefährlich, landete kurz vor der Pause allerdings nur auf dem Tornetz (45.). Steigerte sich im Spielverlauf deutlich, war plötzlich wieder der verlässliche Faktor, der er auch im Hinspiel war. SPORT1-Note: 4
Bayer-Mittelfeld wird überrannt
EXEQUIEL PALACIOS (bis 70.): Wurde genauso wie Garcia von der Wucht der Arsenal-Offensive überrannt. Schaffte es nicht, Kontrolle im Mittelfeld zu bekommen und musste ein ums andere Mal die Gunners-Angriffe über sich ergehen lassen, ohne eingreifen zu können. Sein Stockfehler im Mittelfeld wurde von Trossard nicht bestraft (15.). Nach dem Seitenwechsel versuchte er mehr für die Offensive zu tun, richtig zündende Ideen hatte er aber nicht. Auffällig war seine starke Passquote: 98 Prozent seiner Zuspiele kamen an. Machte später Platz für Patrik Schick (70.). SPORT1-Note: 4
ALEJANDRO GRIMALDO: Immer, wenn Saka auf seiner Seite den Ball bekam, wurde es gefährlich. Hatte große Probleme mit dem Arsenal-Kapitän. Einmal rückte er in der ersten Halbzeit mit Wucht nach vorne auf, wurde dabei im letzten Moment von Ex-Kollege Piero Hincapié geblockt (26.). Das Missverständnis mit Garcia blieb unbestraft (27.). In Hälfte zwei mit deutlich mehr Offensivbemühungen. Aber was wollte er mit der Außenrist-Bogenlampe vor dem 0:2 bezwecken? SPORT1-Note: 4
ERNEST POKU (bis 60.): Versuchte immer wieder, über seine rechte Seite Druck zu machen und schlug einige Flanken. Komisch, dass er nach einem erfolgreichen Dribbling gegen zwei Gunners keinen Freistoß zugesprochen bekam (13.). Spielte Gyökeres den Ball direkt in den Fuß – der Distanzschuss stellte kein Problem für Blaswich (53.) dar. Sonst blieb er weitestgehend blass und machte folgerichtig nach einer Stunde Platz für Youngster Montrell Culbreath. SPORT1-Note: 5
Terrier taucht ab, Maza ohne Durchschlagskraft
MARTIN TERRIER (bis 60.): In den Anfangsminuten mit einigen guten Pässen und Umschaltmomenten, tauchte dann aber nahezu komplett ab. Hatte bis zu seiner Auswechslung die wenigsten Ballkontakte aller Spieler (17). Immerhin: 14 seiner 15 Pässe kamen bei einem Mitspieler an. Auf allerhöchstem Niveau geht es ihm häufig zu schnell. Er musste in der 60. Minute runter, für ihn kam Malik Tillman. SPORT1-Note: 5
IBRAHIM MAZA: Umtriebig, aber meist ohne Durchschlagskraft. Verpasste den vielversprechenden Steckpass auf den durchstartenden Christian Kofane (5.). Ihm gelang es gerade in der ersten Hälfte viel zu selten, für Entlastung zu sorgen. Biss sich immer wieder an seinen Gegenspielern die Zähne aus. Sein Versuch nach schöner Kombination über Palacios und Kofane wurde geblockt (54.). Auch in der zweiten Halbzeit rannte er immer wieder an. Mehr als Eckstöße sprang dabei aber nicht heraus. SPORT1-Note: 3,5
Kofane ackert und hilft hinten aus
CHRISTIAN KOFANE: Wie im Hinspiel hatte die Arsenal-Defensive mit ihm alle Hände voll zu tun. Er ließ Bälle gut klatschen, versuchte sie immer wieder zu behaupten und bot auch mal den Lauf in die Tiefe an. Bei einem vielversprechenden Sprint verpasste Maza das Zuspiel (5.). Ackerte auch gegen den Ball extrem viel. Bei den gefährlichen gegnerischen Ecken half er immer hinten aus. Gleich mehrmals gelang ihm das erfolgreich (11., 28.). Hatte die beste Bayer-Möglichkeit. Seinen direkten Abschluss nach einer Culbreath-Flanke entschärfte Raya sehenswert (87.). Die Partie wäre dadurch fast noch spannend geworden. SPORT1-Note: 3
Ab 60. MALIK TILLMAN: Kam nach einer Stunde für den blassen Terrier ins Spiel. Richtig auffällig wurde er allerdings nicht. In den entscheidenden Duellen fehlt ihm häufig der letzte Biss. SPORT1-Note: 4,5
Ab 60. MONTRELL CULBREATH: Der Youngster ersetzte den glücklosen Poku. Wenige Zeigerumdrehungen nach seiner Einwechslung wurde dem 18-Jährigen aufgezeigt, was es heißt, wenn man in der Champions League seinem Mitspieler nur hinterherläuft, ohne beherzt einzugreifen: Rice zog davon und erhöhte auf 2:0 (63.). Schlug eine starke Flanke auf Kofane – Raya rettete mit seiner besten Aktion des Spiels (87.). SPORT1-Note: 4
Schick kaum am Ball
Ab 70. PATRIK SCHICK: Der Tscheche sollte in der Schlussphase nochmal alles versuchen, um den Zwei-Tore-Vorsprung zu verringern. Eine Möglichkeit dazu bekam er allerdings nicht. Hatte in den 20 Minuten gerade einmal sechs Ballkontakte. SPORT1-Note: Ohne Bewertung.
Ab 83. EZEQUIÉL FERNÁNDEZ: Kam in den Schlussminuten für Andrich ins Spiel. Ausrichten konnte er nichts mehr. SPORT1-Note: Ohne Bewertung.