Eine gute halbe Stunde brauchte Khvicha Kvaratskhelia, um dieses Champions-League-Spiel zu seinem ganz eigenen zu machen. In der 62. Minute hatte PSG-Coach Luis Enrique den Georgier aufs Feld geschickt, da stand es zwischen Paris und Chelsea 2:2. Knapp 30 Minuten später stand es 5:2 für die Hausherren: Kvaratskhelia hatte zwei Tore und eine Vorlage zum Sieg im spektakulären Achtelfinalhinspiel beigesteuert.
Der spiegelverkehrte Michael Olise verändert alles!
Der spiegelverkehrte Michael Olise
„Ich glaube, wir haben gewonnen, weil wir es so sehr wollten und bis zum Schluss gekämpft haben. Ich bin sehr glücklich, dass wir heute Abend so eine großartige Leistung gezeigt haben“, sagte Kvaratskhelia nach Abpfiff.
„Kvaradona“ kopiert Bayern-Star
Eine Leistung, an welcher der 25-Jährige mit seinen beiden Toren gehörigen Anteil hatte, vor allem das zwischenzeitliche 4:2 war eine Augenweide: Kvaradona, wie er in Anlehnung an die argentinische Legende Maradona genannt wird, gab den spiegelverkehrten Michael Olise, zog von links nach innen und jagte den Ball mit rechts unhaltbar ins lange Eck (86.). Das Spiel war entschieden.
In Frankreich wird Kvaratskhelia für seinen Auftritt gegen Chelsea gefeiert: „Kvaratskhelia veränderte alles“, titelt L‘Équipe und meint, die bisherige Saison der Pariser könnte durch den Sieg „auf den Kopf gestellt worden sein“.
Zuletzt hatte sich PSG in der Liga immer wieder schwer getan, aus dem Pokal ist man bereits ausgeschieden und auch in den CL-Playoffs mühten sich die Rot-Blauen gegen AS Monaco mit Ach und Krach in die nächste Runde.
Ärger um Kvaratskhelia? „Der Wind hat sich vielleicht gedreht“
Die Stimmung im Prinzenpark wirkte durchaus gedrückt, wozu neben dem sportlichen Abschneiden angeblich auch die Personalie Kvaratskhelia beitrug.
Die Mannschaft sei „müde und ideenlos”, hatte Ex-PSG-Torwart Bernard Lama im Gespräch mit SPORT1 beklagt. Auch Weltfußballer Ousmane Dembélé hatte zuletzt öffentlich angeprangert: „Wir müssen für den Verein spielen, bevor wir für uns selbst spielen.“
Wie L‘Équipe behauptet, sei mit dieser Kritik wohl auch Kvaratskhelia gemeint gewesen, der mit seinem eigensinnigen Spiel vermehrt den Ärger der PSG-Kabine auf sich gezogen habe. Doch dieser Ärger um „Kvara“, der vor einem Jahr für 80 Millionen Euro aus Neapel in die französische Hauptstadt gewechselt war, scheint nach der Champions-League-Gala verflogen.
Der emotionale 5:2-Sieg gegen die Londoner könnte ein Wendepunkt in der Saison des aktuellen CL-Siegers gewesen sein. „Der Wind hat sich vielleicht gedreht“, bilanziert L‘Équipe.
Stark in der Königsklasse, blass in der Liga
The Guardian richtet sogar eine poetische Lobeshymne an Doppelpacker Kvaratskhelia: „Er ist ein Fußballer, dem man gerne zusieht”, heißt es. Der Georgier wirke wie „ein Besucher aus einem anderen Jahrzehnt, ein zotteliger, hypertalentierter Zeitreisender, der ein großes Sandwich in den Armen hält und von einem Comic-Hund verfolgt wird.“
Kvara steht nun in der Champions League bei sechs Toren und vier Assists in neun Partien - auf der großen Bühne findet sich der „zottelige Zeitreisende“ also offenbar sehr gut zurecht. In der Ligue 1 kommt Kvaratskhelia hingegen in 21 Partien auf gerade einmal vier Treffer. Vielleicht wird ihm der Abend gegen Chelsea ja helfen, auch diese Quote fortan wieder hochzuschrauben.