Nach Schlusspfiff waren sich alle einig: Es war ein ungleiches Duell am Dienstagabend im Londoner Emirates. Bayer 04 Leverkusen hatte gegen den FC Arsenal nicht den Hauch einer Chance. Und doch hätte es die Werkself in Person von Christian Kofane kurz vor Schluss noch einmal spannend machen können – verdient wäre es nicht gewesen.
Die Angst geht um
Die Angst geht um
Dennoch überwog der Stolz über die durchaus vorzeigbare Saison auf europäischer Bühne. Die mitgereisten Anhänger feierten ihre Mannschaft nach Schlusspfiff ab.
Dennoch heißt die Leverkusener Endstation in dieser Champions-League-Saison: Emirates. Und die Sorge, dass der Verein derartige Abende in der kommenden Spielzeit nicht erleben wird, ist groß.
Bayer 04 hinkt in der Bundesliga hinterher
Mit 45 Zählern nach 26 Spieltagen steht die Werkself in der Bundesliga auf Rang sechs. Aktuell würde das die Teilnahme an der finanziell weitaus unlukrativeren Conference League bedeuten.
Ein Szenario, dem die Leverkusener unbedingt entgehen wollen.
„Wir wollen in die Champions League. Das ist von allen Spielern und von uns die Ambition dafür alles zu geben. Diese Zielsetzung müssen wir mit 100-prozentiger Energie angehen“, so Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes beim Abflug aus London.
Leverkusen nur in der Rolle des Jägers
Fünf Punkte beträgt bereits der Abstand auf den sicheren Champions-League-Rang vier, auf dem aktuell der VfB Stuttgart steht. Die fünftplatzierten Leipziger stehen zwei Zähler vor Leverkusen. Auch dieser Rang könnte unter Umständen für das ausgerufene Ziel reichen.
Und genau deshalb dürfte Leverkusen den Bayern, aber vor allem auch Mainz 05 und dem SC Freiburg mehr denn je die Daumen drücken. Denn das Rennen um den fünften Champions-League-Rang ist eng. Aktuell liegt Spanien recht klar vor Deutschland.
Ganz aussichtslos ist ein Vorbeiziehen zumindest nicht. Punkte der verbleibenden drei deutschen Mannschaften im europäischen Geschäft könnten für die Werkself also noch ganz wichtig werden.
Ein Verpassen der Champions League hätte schwere Folgen
Finanziell ist die Königsklasse mit Abstand der lukrativste Wettbewerb. Selbst ein Sieg in der Europa League würde nicht so viel einbringen wie eine lose Teilnahme an der Gruppenphase der Königsklasse. Die damit verbundenen ausbleibenden Einnahmen und könnte auch Auswirkungen auf die Transferaktivitäten im Sommer.
Auch wenn Bayer vorausschauend plant und sich beispielsweise nach der Saison über einen weiteren Geldregen aus dem Transfer von Piero Hincapie freuen darf, dürfte Geld für einen weiteren großen Transfer in einer Größenordnung von 30-40 Millionen Euro fehlen. Und was noch viel folgenschwerer wäre: Eine direkte Qualifikation im nächsten Jahr wäre damit keinesfalls garantiert und wohl noch schwerer zu erreichen.
Leistungsträger könnten Bayer Leverkusen verlassen
Dazu kommt die schwindende Reputation bei potenziellen Neuzugängen.
Bisher konnte Leverkusen in Verhandlungen immer mit dem schlagfertigen Argument „Champions-League-Teilnahme“ punkten und Spieler von einem Wechsel überzeugen. Ein Verpassen der Königsklasse könnte künftige Gespräche deutlich erschweren.
Und auch bestehende Bayer-Spieler dürften sich in diesem Szenario mit einem Wechsel beschäftigen. Abwanderungswillige Leistungsträger dürften hier mit Sicherheit Alejandro Grimaldo oder auch Edmond Tapsoba sein. Auch wenn Rolfes diese Gefahr nicht sieht: „Diese Stärke haben wir schon.“
„Jedes Spiel ist ein Finale“
Trotzdem weiß der 44-Jährige nur zu gut um die Brisanz: „Es gibt noch acht Spiele und jedes Spiel ist ein Finale. (…) Es ist klar: Wir müssen den Druck hochalten. Wenn wir diese Momente und Spiele erleben wollen, mit diesen Emotionen, die wir in diesem Jahr in der Champions League hatten, dann müssen wir diesen unbändigen Siegeswillen am Samstag in Heidenheim zeigen.“
Nach drei Highlight-Spielen gegen Arsenal und gegen die Bayern gilt der Fokus nun dem nicht immer ganz so schillernden Liga-Alltag.
Den Auftakt der acht Endspiele macht die Partie am Samstagnachmittag an der Ostalb. Größer könnte der Unterschied kaum sein.