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Lobeshymnen, die ein ganzes Volk "mit Stolz erfüllen"

Sternstunde mit unrühmlichem Ende

Arda Güler zeigt beim Spiel in München vor allem im ersten Durchgang eine Glanzleistung. Der Youngster erntet viel Lob, doch sein Abend endet unrühmlich.
Real Madrid verlor die Partie gegen Bayern mit 3:4 in Unterzahl. Nach der Partie beschwerte sich Trainer Álvaro Arbeloa über die Gelb-Rote Karte für Eduardo Camavinga.
Arda Güler zeigt beim Spiel in München vor allem im ersten Durchgang eine Glanzleistung. Der Youngster erntet viel Lob, doch sein Abend endet unrühmlich.

Als Schiedsrichter Slavko Vincic mit seinem Schlusspfiff das Viertelfinal-Aus von Real Madrid in der Champions League besiegelte, rannte Arda Güler los. Von der Ersatzbank setzte der in der Nachspielzeit ausgewechselte Real-Mittelfeldspieler zum Sprint in Richtung Schiri an.

Beim Unparteiischen angekommen, redete Güler wütend auf ihn ein. Vincic zückte umgehend Gelb, doch der aufgebrachte Jungstar war kaum zu beruhigen. Selbst als Teamkollegen und Staffmitglieder ihn mehrmals wegzerrten, bahnte sich Güler wieder seinen Weg zum Schiri.

Unmittelbar vor dem Gang in die Katakomben wurde es dem Referee endgültig zu bunt: Er zeigte Güler die zweite Gelbe Karte – und damit Gelb-Rot.

Güler nach Real-Aus: „Es tut uns sehr leid“

Der Unmut der Königlichen bezog sich vor allem auf den umstrittenen Platzverweis gegen Eduardo Camavinga in der 86. Minute. Kurz darauf drehte der FC Bayern die Partie durch die Treffer von Luis Díaz und Michael Olise – und stürzte Real damit ins Tal der Tränen.

Allen voran Güler. „Das ist nicht das, wie es hätte sein sollen. Es tut uns sehr leid. Wir werden zurückkommen. Hala Madrid“, schrieb er bei Instagram und postete ein Schwarz-Weiß-Bild der Enttäuschung dazu.

Es war vor allem der 21-Jährige, der mit seinen beiden Toren die Halbfinal-Hoffnungen der Mannschaft von Álvaro Arbeloa befeuert hatte.

Doppelt historischer Paukenschlag von Güler

Schon nach 35 Sekunden sorgte er mit dem frühesten Tor für Real Madrid und dem frühesten Gegentor für die Bayern in der Champions League für einen in doppelter Hinsicht historischen Paukenschlag. Münchens im Hinspiel überragender Manuel Neuer hatte den Treffer mit einem „Schweineball“ eingeleitet, wie er hinterher einräumte.

Zugleich lobte Neuer aber auch Güler für dessen Handlungsschnelligkeit. „Er nimmt ihn dann direkt mit seinem top linken Fuß. Das hat man beim Freistoß auch gesehen, da hat er Wucht hinter. Das zeichnet ihn aus“, sagte Neuer bei DAZN.

Besagter Freistoß zum zwischenzeitlichen 2:1 für die Gäste nach knapp einer halben Stunde war der nächste Geniestreich des türkischen Nationalspielers. „Die Qualität des Freistoßes war sehr gut“, urteilte Peter Schmeichel bei CBS.

Neuer schuld am Gegentor?

Der frühere Weltklasse-Keeper nahm zugleich Neuer etwas aus der Verantwortung: „Wenn er ihn gehalten hätte, wäre es eine unglaubliche Parade gewesen. Anstatt den Torwart zu kritisieren, sollte man die Qualität des Freistoßes loben.“

Güler knackte damit die nächsten Rekorde. Mit seinen 21 Jahren und 49 Tagen ist er nun der jüngste Spieler, der in der K.o.-Phase der Königsklasse ein direktes Freistoßtor erzielt hat. Über 30 Jahre hielt diese Bestmarke ein gewisser Alessandro Del Piero, der 1996 mit 21 Jahren und 132 Tagen im Viertelfinale für Juventus gegen Real getroffen hatte.

Und Güler ist nun auch der jüngste Freistoßschütze für die Madrilenen in der Champions League. Diesen Rekord hielt seit 2010 Mesut Özil, dem vier Tage nach seinem 22. Geburtstag ein Freistoßtor gegen die AC Mailand gelang.

Presse schwärmt: „Nacht, die er nie vergessen wird“

Die Marca würdigte Gülers „goldenen linken Fuß“ und schrieb: „Es war eine Nacht, die er nie vergessen wird. Die Nacht, in der er sich als Spieler von Real Madrid und als Weltstar einen Namen machte.“

Im dritten Jahr seit seinem Wechsel für 28 Millionen Euro von Fenerbahce zu Real scheint Güler nun den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu machen. In La Liga hat er in der laufenden Saison mit vier Toren und acht Assists in 31 Spielen schon jetzt mehr Scorerpunkte gesammelt als in seinen beiden vorherigen Spielzeiten.

„Arda Güler spielt nicht nur Fußball. Er übernimmt Verantwortung. Er ist zweifellos weltklasse“, schwärmte auch CBS-Experte Thierry Henry. „Wenn sich ein junger Spieler auf diese Weise hervorhebt, spricht man nicht mehr von seinem ‚Potenzial‘, sondern davon, dass er nun die Bühne der Großen erreicht hat. Meiner Meinung nach bekommt er nicht das Lob, das er verdient, und wird nicht ausreichend gewürdigt. Er ist ein Spitzenspieler.“

Angesichts der internationalen Lobeshymnen schrieb das türkische Portal Fanatik von Worten, „die das türkische Volk mit Stolz erfüllen“. Das soll Güler möglichst auch im Sommer bei der WM im Trikot der türkischen Nationalmannschaft leisten.

Und bis dahin sollte dann auch der Ärger über das Aus in der Champions League verraucht sein.