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Der Beste der Welt? Spanien feiert diesen Ersatz-Torhüter

„Der beste Ersatzkeeper der Welt“

Beim Halbfinaleinzug gegen Barcelona glänzt Atlético-Keeper Juan Musso erneut - und das, obwohl er in Madrid eigentlich nur die zweite Wahl ist. Die spanische Presse greift bereits zu Superlativen. Sogar eine undenkbare Wachablösung steht plötzlich im Raum.
Atlético-Torwart Juan Musso weist Raphinhas Vorwürfe zurück, Barcelona sei beim CL-Aus benachteiligt worden, und betont, dass Atlético das Duell fair gewonnen hat.
Beim Halbfinaleinzug gegen Barcelona glänzt Atlético-Keeper Juan Musso erneut - und das, obwohl er in Madrid eigentlich nur die zweite Wahl ist. Die spanische Presse greift bereits zu Superlativen. Sogar eine undenkbare Wachablösung steht plötzlich im Raum.

Das Spiel war exakt 30 Sekunden jung, als Juan Musso bereits das erste Mal eingreifen musste: Barca-Star Lamine Yamal hatte sich direkt nach Anpfiff durch den Beine-Wald der Abwehr von Atlético Madrid gewuselt und schlenzte den Ball aufs lange Eck – doch Musso tauchte ab, lenkte den Schuss um den Pfosten und riss die Arme nach oben.

Ziemlich genau zwei Stunden später stand der Torhüter der „Rojiblancos“ wieder am selben Ort, die Arme noch immer nach oben gestreckt – diesmal als Jubel in Richtung der eigenen Fans. Atlético Madrid hatte den FC Barcelona gerade trotz einer 1:2-Heimniederlage aus der Champions League geworfen und darf somit weiter vom Henkelpott träumen. Daran hatte Musso mit seiner Leistung im Estadio Metropolitano einen großen Anteil.

Gefährdet Musso eine Atlético-Legende?

In der ersten Halbzeit glänzte der argentinische Schlussmann mehrfach und bewahrte seine Mannschaft davor, ein drittes Gegentor zu bekommen. Vor allem seine Großtat gegen Fermin Lopez (25.) war pure Weltklasse: Musso lenkte dabei dessen freien Kopfball aus kürzester Distanz am Tor vorbei und verhinderte so das zwischenzeitliche 0:3.

Die Lobeshymnen der spanischen Presselandschaft ließen nicht lange auf sich warten: Marca bezeichnete den 31-Jährigen als den „besten Ersatztorwart der Welt“, Mundo Deportivo attestierte ihm eine „heroische Aura, die bis dahin nur Jan Oblak besessen hatte.“

Und hier liegt die Besonderheit der Erzählung von Juan Musso: Denn der Argentinier ist eigentlich die klare Nummer zwei im Team von Diego Simeone, hinter dem ewigen Oblak, der slowenischen Vereinslegende, die seit 2014 bei Atlético spielt und seit Jahren einen nahezu unantastbaren Status besitzt.

Musso: Bisher nur wenig im Rampenlicht

Oblak fehlte jedoch zuletzt wegen einer Muskelverletzung. So sprang Musso, der normalerweise nur in der Copa del Rey zum Einsatz kommt, für den Slowenen ein – und offenbarte dabei ungeahnte Qualitäten.

Doch woher kommt dieser 31-Jährige, der „der beste Ersatzkeeper der Welt“ sein soll, so plötzlich? Der Name Juan Musso war bisher schließlich keiner, der durch die Fußballkneipen dieser Welt geisterte, wenn es um Torhütergrößen der Moderne ging.

2019 wechselte Musso aus Argentinien vom Racing Club nach Europa und etablierte sich als guter Torhüter der italienischen Serie A. Von Udinese folgte 2021 der Wechsel zu Atalanta Bergamo, wo er 2024 gegen Bayer Leverkusen die Europa League gewann.

Wird aus dem Ersatzmann ein Thronfolger?

Musso galt nie als extrovertierter Lautsprecher, machte seine Sache unaufgeregt und gut. Im Sommer 2024 lieh Atlético den Argentinier aus, im Folgejahr verpflichtete man Musso fest, um einen verlässlichen Ersatzmann für Oblak zu finden.

Und das gelang. Musso gab sich als sichere, aber zumeist unauffällige Nummer 2, absolvierte in seiner ersten Saison neun Spiele. Ändert sich das nun?

Seine jüngsten Leistungen könnten dazu führen, dass es zu einer Wachablösung im Atlético-Kasten kommt: Oblaks „Hegemonie“ sei „bedroht“, schrieb Mundo Deportivo nach Mussos Glanzvorstellung gegen Barcelona. Insgesamt sieben Paraden zeigte er gegen die Katalanen.

Oblak saß nach überstandener Verletzung zwar wieder auf der Bank, könnte nun jedoch seinen Stammplatz nach über zehn Jahren verlieren. In der aktuellen Saison kommt Musso auf 14 Einsätze und blieb dabei sechs mal ohne Gegentreffer.

Zwickmühle: Simeone vor schwerer Entscheidung

Coach Simeone befindet sich mit den beiden Keepern nun in einer Zwickmühle: Setzt er auf die Vereinslegende Oblak oder den formstarken Musso?

„Wir sind ständig (mit beiden) im Gespräch, wir brauchen beide in Topform. Es ist eine sehr wichtige Phase für den Verein und die Mannschaft“, kommentierte Simeone die Situation nach dem Spiel gegen Barca.

Der Keeper selbst gab sich indes demütig. „Wir haben lange von Großem geträumt“, lenkte Musso eher den Fokus auf die ganze Mannschaft: „Wir haben versucht, unser Bestes zu geben. Wir haben großes Vertrauen in unsere Mannschaft und in unseren Traum.“

Sowohl in der Champions League als auch in der Copa del Rey haben die Hauptstädter noch Titelchancen: Am Samstag steht das Pokalfinale gegen Real Sociedad an – Juan Musso wird auch dort aller Voraussicht nach wieder im Tor stehen.