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Bittere Salah-Premiere: Gibt es doch ein unschönes Ende?

Wird es nun doch nochmal hässlich?

Mohamed Salah sitzt bei Liverpools Niederlage gegen PSG 90 Minuten nur auf der Bank. Läuft es nach dieser bitteren Premiere auf ein unschönes Ende seiner Zeit bei den Reds hinaus?
Mohamed Salah nahm gegen PSG nur auf der Bank Platz
Mohamed Salah nahm gegen PSG nur auf der Bank Platz
© IMAGO/Propaganda Photo
Mohamed Salah sitzt bei Liverpools Niederlage gegen PSG 90 Minuten nur auf der Bank. Läuft es nach dieser bitteren Premiere auf ein unschönes Ende seiner Zeit bei den Reds hinaus?

Mohamed Salah „feierte“ am Mittwochabend eine Premiere für den FC Liverpool – eine, auf die er wohl gerne verzichtet hätte. Bei der 0:2-Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain saß der Ägypter für die Reds erstmals in der Königsklasse über 90 Minuten auf der Bank.

In allen 82 vorherigen Auftritten mit dem FC Liverpool hatte Salah immer auf dem Platz gestanden – mindestens als Einwechselspieler. Dabei gelangen ihm 47 Tore und 20 Assists.

Das letzte Mal, dass der 33-Jährige in der Königsklasse über 90 Minuten auf der Bank Platz nehmen musste, war am 5. November 2014. Damals stand er noch im Dienst des FC Chelsea und beobachtete – noch im alten Modus mit Gruppenspielen – ein 1:1 beim NK Maribor in Slowenien.

Doch wie konnte Arne Slot gegen PSG auf einen der besten Angreifer der Welt und den drittbesten Torschützen der Vereinsgeschichte verzichten? Schließlich lagen die Reds ab der 65. Minute mit 0:2 hinten, frischer Wind, um noch einmal offensive Kraft zu entwickeln, hätte mit Sicherheit nicht geschadet.

Der Niederländer erklärte sich nach dem Spiel: „Ich glaube, in der Schlussphase ging es für uns eher ums Überleben, als dass wir jemals eine Chance gehabt hätten, ein Tor zu erzielen. Das waren 20 bis 25 Minuten, in denen wir nur verteidigt haben, und dann ist es besser, seine Energie für die kommenden Spiele zu sparen.“

Champions League: Salah hat „allen Grund, eine schlechte Einstellung zu haben“

So sah Salah von draußen zu, wie rund zehn Minuten vor Schluss auf einen Schlag Andy Robertson, Cody Gakpo, Curtis Jones und Alexander Isak den Platz betraten. Der Ägypter musste sich weiter mit Aufwärmübungen vergnügen.

„Er hat allen Grund, eine schlechte Einstellung zu haben, und trotzdem rennt er da draußen mit der Mannschaft mit. Dafür muss man ihn loben“, meinte Ex-Profi Stuart Pearce bei talkSPORT.

Mit der Einwechslung des 18-jährigen Trey Nyoni in der Nachspielzeit stand fest: Salah würde an diesem Abend nicht mehr den Rasen betreten.

Gerrard über Salah: „Er wird frustriert sein“

Liverpool-Legende Steven Gerrard versuchte, die Gedanken Salahs einzufangen: „Er wird frustriert sein. Er wird da sitzen und denken, dass er sich selbst zugetraut hätte, dieses Spiel zu beeinflussen.“ Doch das konnte er nicht mehr.

Während Slot den Verzicht von Salah erklärte, wollte dieser seine Gedanken selbst nicht mehr preisgeben. Nachdem er noch das Auslaufen absolviert hatte, wurde er vom Team des übertragenden Senders TNT angesprochen.

„Hallo Mo, wie geht es dir?“, fragte Moderatorin Laura Woods, um ein mögliches Interview zu initiieren. Doch statt einer Antwort winkte Salah nur ab, schüttelte mit einem leichten Lächeln direkt den Experten Gerrard und Steve McManaman sowie anschließend Woods die Hand und verschwand in den Katakomben.

Reds-Anhänger vermuten Zurückhaltung bei Salah

Einige Anhänger der Reds vermuteten daraufhin, der 33-Jährige hätte seinem Trainer eigentlich gerne etwas gesagt, sich aber dann zurückgehalten. „Er wollte bei TNT wirklich seine Meinung sagen, aber er weiß, dass es jetzt keinen Sinn mehr hat“, vermutete ein Fan bei X. „Salah wollte Gerrard und McManaman dort offensichtlich nicht sagen, was er von Slot hielt“, schrieb ein weiterer. Ein Dritter kommentierte: „Eine traurige Gestalt … Slot hat es geschafft, alle bei Liverpool zu demoralisieren.“

Der Hintergrund: Das Verhältnis von Trainer Slot und Salah soll nicht das beste sein. Erst im Dezember hatte es großen Krach gegeben, als sich der Ägypter öffentlich über seinen Bankplatz echauffiert hatte.

Er fühlte sich damals „unter den Bus geworfen“ und äußerte „das Gefühl, dass der Verein mich fallen lässt“. Das eigentlich gute Verhältnis zu Slot sei „plötzlich kein Verhältnis mehr“, auch er wisse nicht, warum.

Die Wogen schienen geglättet

Der Niederländer strich Salah als Konsequenz aus dem Kader des Champions-League-Spiels gegen Inter Mailand (1:0). Salah entschuldigte sich anschließend intern und kehrte auch in das Aufgebot zurück, die Wogen zwischen beiden Parteien schienen geglättet.

Ende März gab der „Egyptian King“ dann bekannt, den FC Liverpool nach neun Jahren im Sommer zu verlassen. Nach dem geklärten Zoff im Dezember stand ein einigermaßen selbstbestimmter und gemeinsam orchestrierter Abschied in Aussicht. Die Ereignisse am Mittwochabend wecken jedoch die Sorge, dass es nun, etwa anderthalb Monate vor dem Abschied von Salah, noch einmal unschön werden könnte.

Ein unrühmliches Ende in Liverpool würde dem Unterschiedsspieler, der über Jahre nicht wegzudenken war, nicht gerecht werden. In seiner Zeit an der Anfield Road stand Salah bislang in 436 Partien auf dem Platz. Dabei erzielte der Linksfuß überragende 255 Tore und bereitete 122 weitere vor.

In Englands Oberhaus gewann er zwei Meisterschaften und wurde viermal Torschützenkönig. Zweimal holte Salah mit den Reds den englischen Ligapokal, einmal gewann er den FA Cup. Zudem feierte der Ägypter mit Liverpool und Ex-Trainer Jürgen Klopp den Gewinn der Champions League.