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"Dembélé stand dort vor der Münchner Kurve, wie von Sinnen"

Dembélés kleines Meisterwerk

Im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Bayern trifft Ousmane Dembélé doppelt und führt Paris in Richtung Endspiel. Dabei muss der Franzose bereits früh einen kuriosen Fehlschuss wegstecken, der in Frankreich für reichlich Spott sorgt. Doch wenig später dreht er auf.
Die SPORT1-Fantalk-Runde verfolgt das Champions-League-Halbfinale zwischen PSG und Bayern mit großer Spannung. Trainer-Legende Peter Neururer verzweifelt dabei an Bayerns Eckball-Verteidigung.
Im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Bayern trifft Ousmane Dembélé doppelt und führt Paris in Richtung Endspiel. Dabei muss der Franzose bereits früh einen kuriosen Fehlschuss wegstecken, der in Frankreich für reichlich Spott sorgt. Doch wenig später dreht er auf.

Ballon-d’Or-Sieger Ousmane Dembélé hat im irrwitzigen Champions-League-Halbfinale gegen den FC Bayern einen besonders turbulenten Abend erlebt. Der 28-Jährige bewies am Dienstagabend eindrucksvoll, warum er zu den besten Spielern der Welt gehört.

„Ein neues Meisterwerk eines absoluten Anführers auf der Suche nach einem neuen goldenen Frühling“, zeigte sich die französische Sportzeitung L’Équipe beglückt.

„Dembélé stand dort vor der Münchner Kurve, mit Augen wie von Sinnen. In diesem Moment war er mehr als nur der amtierende Ballon d’Or-Gewinner. Er war fast der König von Paris“, schwärmte das Blatt über den einstigen BVB-Jungstar: „Es war kein fantasievoller, dribbelnder Dembouz, den wir am Dienstag gesehen haben, es war ein klinischer, kühler, tödlicher Dembouz. Der, den Luis Enrique liebt.“

Dembélé verschießt frei vor Neuer

Gänzlich ohne Kritik konnte der Auftritt des Offensivstars dennoch nicht bewertet werden.

Mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 3:2 habe Dembélé eine „haarsträubende (erste) Hälfte“ gekrönt. Denn bereits früh in der Partie war der PSG-Star zunächst frei vor Bayern-Keeper Manuel Neuer aufgetaucht und hatte kläglich vergeben – später machte er den ungewöhnlichen Fehler durch seine beiden Tore wieder gut.

Tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte traf der Franzose per Elfmeter zum 3:2 (45+5.), nach dem Seitenwechsel legte er zum zwischenzeitlichen 5:2 nach (59.) – das Spiel schien entschieden, doch die Bayern schlugen doppelt zurück und erkämpften sich noch die knappe 4:5-Niederlage.

Dembélé: „Es war ein unglaubliches Spiel“

Der Doppelpacker zeigte sich nach Abpfiff sichtlich gefasst von der denkwürdigen Partie: „Es war ein unglaubliches Spiel“, befand Dembélé bei Canal+. Trotz des Sieges gegen den deutschen Rekordmeister war der Franzose offenbar etwas verärgert, dass seine beiden Tore am Ende nur für einen knappen Sieg reichten: „Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, auch wenn wir beim Stand von 5:2 ein bisschen aufgehört haben zu spielen“, erklärte Dembélé.

Es habe den Parisern im Laufe des zweiten Durchgangs ein bisschen „von allem gefehlt“. Dabei hätte Dembélé selbst der Partie bereits früh einen anderen Dreh verleihen können – in der ersten Halbzeit hatte er eine hervorragende Chance zum 1:1-Ausgleich liegen gelassen.

PSG-Star mit Patzer: „Wie konnte er den nur vergeben?“

Nach 23 Minuten stand der Weltfußballer im Pariser Prinzenpark nämlich erstmals im Mittelpunkt: Nach einem schweren Fehlpass von Aleksandar Pavlovic schickte Warren Zaire-Emery den Stürmer direkt in die Tiefe: Dembélé lief plötzlich alleine auf Neuer zu und hatte alle Zeit der Welt, sich für einen Abschluss zu entscheiden – wohl etwas zu viel Zeit.

Denn er setzte den Ball aus bester Position völlig harmlos mehrere Meter rechts am Tor vorbei. „Was für ein Fehlschuss von Dembélé! Wie konnte er den nur vergeben?“, gab sich Le Monde ratlos in Anbetracht der Mega-Chance.

Auf Fehlschuss folgt Führungstreffer

Und auch die übrige Presse in Frankreich konnte nicht so recht fassen, was sie dort vom Weltfußballer gesehen hatte: „Dembélé sehr tollpatschig“, befand etwa L’Équipe. RMC Sport schrieb von einem „schrecklichen Fehlschuss“, der PSG den Ausgleichstreffer verwehrte, nachdem Harry Kane die Bayern per Elfmeter in Führung gebracht hatte.

Doch auf die selbe Weise kam es dann zum zweiten Dembélé-Moment des Abends – mit besserem Ende für PSG: Den von Alphonso Davies verursachten Handelfmeter jagte der 28-Jährige zum 3:2 ins Tor – Neuer war zwar in der richtigen Ecke, konnte den Schuss aber nicht aufhalten. Der Franzose „übernahm seine Verantwortung und zitterte nicht“, feierte RMC Sport den PSG-Star.

Rückspiel in München: Dembélé mit klarer Ansage

Nach der Pause überrollte das Pariser Starensemble den deutschen Rekordmeister dann zwischenzeitlich: Nach Kvaratskhelias zweitem Tor zum 4:2 schnürte auch Dembélé seinen Doppelpack und vollendete einen Konter per Schuss an den Innenpfosten zum fünften PSG-Treffer. Durch die Tore von Dayot Upamecano und Luis Díaz kamen die Bayern noch auf 4:5 heran und können im Heimspiel am kommenden Mittwoch noch auf das Comeback hoffen.

Dembélé, der folgerichtig zum Spieler des Spiels gekürt wurde, sendete eine klare Kampfansage in Richtung Allianz Arena: „Wir fahren nach München, um zu gewinnen und uns für das Finale zu qualifizieren. Wir werden unsere Philosophie nicht ändern, wir werden angreifen, sie werden angreifen.“