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Die Kehrseite des Spektakels: Experten von FC Bayern - PSG entsetzt

Rooney ätzt nach Bayern-Spektakel

Der FC Bayern und Paris Saint-Germain liefern sich einen schier wahnwitzigen Showdown. Nicht alle sind begeistert - im Gegenteil, zwei Legenden sind entsetzt.
Nach dem 4:5 Hinspiel erklärt Bayern-Trainer Vincent Kompany, wie er das Spiel erlebt hat und findet lobende Worte für die Mannschaft nach dem Comeback gegen PSG.
Der FC Bayern und Paris Saint-Germain liefern sich einen schier wahnwitzigen Showdown. Nicht alle sind begeistert - im Gegenteil, zwei Legenden sind entsetzt.

Das irrwitzige Halbfinal-Spektakel zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern wird noch lange in Erinnerung bleiben. Doch nicht alle werden auch mit Begeisterung auf das historische 4:5 des Rekordmeisters im Parc des Princes zurückblicken.

Denn wo viele Spieler, Experten und Medien nur noch das mitreißende Schauspiel sahen, erkannten einige vor allem unverständliches – um nicht zu sagen unentschuldbares – Chaos.

Als besonders prominente Kritiker präsentierten sich Clarence Seedorf und Wayne Rooney. Beide waren für die englische Übertragung von Prime Video im Einsatz.

FC Bayern vs. PSG: Rooney nach Kane-Aussage fast sprachlos

„Ich kann nicht verstehen, sei es als Spieler oder Trainer, wie man heute in die Kabine gehen kann, nachdem man vier oder fünf Tore kassiert hat, und damit glücklich ist“, sagte ein entgeisterter Rooney.

Dass Bayerns Harry Kane seinen Abwehr-Kollegen „fantastisches Verteidigen in den Zweikämpfen“ bescheinigte, machte ihn beinahe sprachlos: „Ich liebe Harry Kane. Aber es ist ausgeschlossen, dass er seine Verteidiger heute lobt.“

Seedorf fragte ungläubig lachend: „Fragt die Torhüter, ob sie glücklich sind. Sie sind nicht glücklich, sie wollen die Null, die ist ihnen heilig.“

Die Welt ist begeistert – aber einem Superstar fehlen die Basics

Während viele Zuschauer im Gewinner dieses irren Halbfinals den späteren Sieger der Champions League sehen, machte sich bei fünfmaligen (!) Triumphator in der Königsklasse ein gänzlich anderer Eindruck breit.

„Wenn ich mich für ein Team entscheiden müsste, das es nach Hause bringen kann, ist es tatsächlich Arsenal“, sagte der Niederländer. Für Seedorf ist ein Team aus dem anderen Halbfinale der neue Favorit. Ein Team, das für großen Pragmatismus steht, fast einen Gegenentwurf zum am Dienstag gezeigten Spektakel-Fußball darstellt.

„Es muss eine Balance geben. Stell dir vor, du hast fünf Tore gegen eines der besten Teams der Welt geschossen und du wirst zu Hause sitzen und dir das Finale anschauen – weil du zu offen warst und zu viele einfache Chancen zugelassen hast. Das wird niederschmetternd sein“, schickte er eine Warnung in Richtung PSG.

Der FC Arsenal und auch Gegner Atlético Madrid könnten mit der Offensivpower von Bayern und PSG nicht mithalten, „aber sie brauchen nur ein Tor, weil sie die Null verteidigen können.“

Seedorf sprach den Protagonisten die „Basics, die jeder kennen sollte“, ab und kritisierte: „Zu viele schlechte individuelle Entscheidungen wurden gemacht, und das ist die Konsequenz.“

Zwischen „Brillanz“ und „Schuljungen-Fußball“

Rooney schlussfolgerte ähnlich vernichtend: „Einige Tore, die wir gesehen haben, waren Schuljungen-Tore. Wir haben Brillanz gesehen, aber auch fehlende Reife beim Verteidigen, was verrückt ist.“

Die vielleicht härteste Wortmeldung kam derweil von Piers Morgan – einem britischen Moderator und Arsenal-Fan, der in jüngerer Vergangenheit schon über Joshua Kimmich lästerte. Er meinte bei X: „Kein echter Fußball. Viel zu aggressiv. Löchriger als Siebe. Artetas Arsenal würde beide niedermachen.“

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FC Bayern: Kompany verteidigt seine Taktik

Was die Experten für wahnsinnig halten, entspricht allerdings der Philosophie der beiden Trainer. Und gerade Bayerns Vincent Kompany machte dies sehr deutlich.

Er wolle die Verteidigungslinien nicht in den Fokus rücken, erklärte der Belgier bei CBS Sports („Ich finde das unfair“). Ihm geht es letztlich auch nicht um Spektakel. Er will mit seiner Idee vom Fußball gewinnen.

Dies wird in seiner Analyse deutlich: „Was beide Teams machen: Alle Spieler auf dem Platz suchen jede Möglichkeit für die vorderste Linie, um gefährlich zu sein. Michael Olise braucht die Läufe der Außenverteidiger, um die Chancen zu kreieren, genau wie Doué die Läufe von Hakimi braucht. Es ist einfach zu sagen: Halt deine Außenverteidiger zurück und dann kontrollierst du den Konter besser. Oder deine Mittelfeldspieler.“

Aber was verliert man dann? „Am Ende geht es immer noch darum, ein Tor mehr zu erzielen. Das perfekte Spiel? Einige Teams haben es geschafft, aber ich glaube nicht, dass es möglich ist. Das perfekte Spiel ist, erfolgreich zu sein. Und das können wir tun.“

Kompany kennt keine Kompromisse

Zur Not eben in einem verrückten Showdown. Raum für Kompromisse gibt es keine: „Es gibt nur zwei Wege: Entweder man geht voll auf Angriff, oder man zieht sich komplett zurück. Gegen Spieler dieses Niveaus gibt es keinen Mittelweg, und auch gegen das Niveau unserer Spieler gibt es keinen Mittelweg.“

Was also bleibt von diesem Spiel? Die seriöse L’Équipe stellt wahrhaftig die Frage in den Raum, ob man gerade einen Wendepunkt in der Entwicklung des Fußballs gesehen habe. Den Grundstein für einen neuen Stil auf europäischer Ebene?

Beantworten lässt sich das wohl frühestens – wenn überhaupt – nach dem Rückspiel. Sicher ist nur: Dieses irrwitzige Spektakel wird noch lange in Erinnerung bleiben.