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Das schlampige Genie kehrt zurück

Das schlampige Genie kehrt zurück

Der FC Liverpool will in der Champions League die Saison retten. Dabei helfen soll ausgerechnet ein Star, der bei Gegner Paris Saint-Germain einst aussortiert wurde.
Hugo Ekitiké schwärmt nach dem 6:0 des FC Liverpool gegen Quarabag von Florian Wirtz.
Der FC Liverpool will in der Champions League die Saison retten. Dabei helfen soll ausgerechnet ein Star, der bei Gegner Paris Saint-Germain einst aussortiert wurde.

Kämpft sich der FC Liverpool ausgerechnet beim Titelverteidiger aus der Krise? Die Reds treten am Abend (ab 21 Uhr im LIVETICKER) zum Kracherspiel in der Champions League bei Paris Saint-Germain an.

Das Team von Arne Slot will in Paris das peinliche Aus im FA Cup vergessen machen. Das 0:4 bei Manchester City war ein erneuter Tiefpunkt in einer bisher so enttäuschenden Saison. Die Champions League ist die letzte Titelchance für die Reds und somit womöglich auch die letzte Chance für den angezählten Slot, Argumente für einen Verbleib zu sammeln.

Dabei mithelfen soll mit Hugo Ekitiké ausgerechnet ein Spieler, der noch eine Rechnung mit Paris offen hat. Der Stürmer spielte einst selbst für PSG, konnte sich in jungen Jahren aber nie richtig durchsetzen.

Champions League: Ekitiké wurde bei PSG aussortiert

Nachdem er als junger Spieler bei seinem Jugendverein Stade Reims den Durchbruch in der Ligue 1 geschafft hatte, holte ihn PSG 2022 mit großen Vorschusslorbeeren zunächst auf Leihbasis und 2023 für 28,5 Millionen Euro fest in die französische Hauptstadt.

Damals galt Ekitiké als eines der größten Sturmtalente der Welt. Hinter dem Sturmtrio bestehend aus Kylian Mbappé, Lionel Messi und Neymar bekam er aber kaum Spielzeit.

Insgesamt lief er für PSG nur 33-mal auf und erzielte lediglich vier Treffer. Im Februar 2024 wurde er dann auch schon wieder aussortiert, zunächst an Eintracht Frankfurt ausgeliehen und im Sommer 2024 endgültig an die Eintracht verkauft.

Damals schon Trainer in Paris: Der heutige Erfolgscoach Luis Enrique, der vor dem anstehenden Duell über den Stürmer sprach: „Ich erinnere mich an seine Zeit hier. Er hat in Deutschland sehr gut gespielt und agiert auch jetzt bei Liverpool sehr gut. Er hat sich sehr weiterentwickelt. Das ist normal. Er war sehr jung, als er hier war, und er hat sich seitdem sehr verbessert.“

Ekitikés schwieriger Anlauf

Eine echte Erklärung, warum es für Ekitiké in Paris nicht zum Stammspieler gereicht hatte, wollte er aber nicht geben. Jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt, um über Liverpool-Spieler zu reden, erklärte Enrique.

Bekannt ist, dass Ekitiké nicht immer der fleißigste Arbeiter war. Er selbst gab zu, dass er als Teenager einst bei Stade Reims kurz vor dem Aus stand: „Ich war wirklich schlecht“, verriet er.

Einer seiner Jugendtrainer verriet kürzlich: „Ob er es so weit bringen würde – zu Liverpool, in die französische Nationalmannschaft da war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher.“ Mickael D’Amore erklärte im Interview mit AFP weiter: „Er hat nicht viel zugehört, sich ein bisschen wie ein Star verhalten.“

Ekitiké sei schlicht kein „geborener Arbeiter“ gewesen: „Er murrte oft, es gab Konflikte, und ich habe ihn ziemlich oft bestraft. Ich sagte ihm: ‚Wenn du nicht alles gibst, hast du vielleicht eine Karriere in der zweiten oder dritten Liga vor dir, aber nicht als Profi.‘ Er hat das verinnerlicht und alles gegeben.“

Der drohende Abschied diente als großer Motivationsschub. Dazu kommt: Schon in jungen Jahren scheute Ekitiké nicht vor ungewöhnlichen (Um-)Wegen zurück. Weil er nicht genug Spielzeit bekam, wechselte er von Reims nach Dänemark zu Vejle Boldklub.

„Es war kein seltsamer Schachzug, aber nicht das, was man von einem jungen Spieler erwartet“, sagte er selbst später: „Es war natürlich schwer, aber wirklich gut. Ich habe regelmäßig Spielzeit bekommen, habe viel aus dieser Liga gelernt, die Gegner waren wirklich stark, und ich habe Selbstvertrauen für meine Rückkehr nach Frankreich gewonnen.“

Bei Frankfurt geht sein Stern auf

Genau diese Erfahrung könnte ihn auch vom Schritt nach Frankfurt überzeugt haben. Nach seinem Ende in Paris hat sich der Franzose längst zu einem europäischen Topstürmer entwickelt.

Zunächst überzeugte Ekitiké in Frankfurt mit 26 Treffern und 14 Assists in 64 Pflichtspielen. Im Sommer folgte der Wechsel für rund 95 Millionen Euro zum FC Liverpool.

Bei den Reds zählt er in einer bisher verkorksten Saison zu den Lichtblicken. Immerhin 17 Tore und sechs Vorlagen gelangen ihm. Im Optimalfall sollen weitere Treffer bei seiner Rückkehr nach Paris dazukommen.

Auch Liverpool hat Rechnung mit PSG offen

„Ich kann es kaum erwarten“, sagte Ekitiké selbst zu seiner Rückkehr in den Prinzenpark. Liverpool will in diesem Jahr ein Wörtchen um den Henkelpott mitreden.

Dafür muss jetzt aber erstmal der Titelverteidiger aus dem Weg geräumt werden. Und mit den Franzosen hat nicht nur Ekitiké, sondern auch Liverpool noch eine Rechnung offen.

Auf dem Weg zum ersten Titel der Vereinsgeschichte in der Königsklasse schaltete PSG im vergangenen Jahr ausgerechnet das Team von Arne Slot aus. Die dramatische Niederlage im Elfmeterschießen war der erste Riss im Ruf des Niederländers. Liverpool war in der Gruppenphase noch Erster geworden und hatte sich mehr ausgerechnet als ein Achtelfinal-Aus.

In diesem Jahr soll es jetzt noch deutlich weiter gehen. Das würde Arne Slot beim Kampf um seinen Job helfen und ganz bestimmt auch Hugo Ekitiké ein wenig Genugtuung schenken.