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Experte erklärt: Darum war Elfer gegen FC Bayern doch korrekt

Wagner: Elfer gegen Bayern korrekt

Schiedsrichter-Experte Lutz Wagner begründet, warum das Handspiel von Alphonso Davies gegen PSG strafwürdig war. Den Ärger der Bayern-Fans könne er trotzdem verstehen.
Nach dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain äußern sich Manuel Neuer und Max Eberl kritisch zum gegebenen Handelfmeter gegen den FC Bayern München.
Schiedsrichter-Experte Lutz Wagner begründet, warum das Handspiel von Alphonso Davies gegen PSG strafwürdig war. Den Ärger der Bayern-Fans könne er trotzdem verstehen.

Der Schiedsrichter-Fachmann Lutz Wagner hat im Detail erklärt, warum der bei Bayern Münchens Niederlage gegen Paris Saint-Germain ausgesprochene Handelfmeter absolut regelkonform war – entgegen der Meinung zahlreicher Protagonisten und Experten.

„Ich muss erst einmal sagen, dass ich Bayern München und die Fans verstehen kann, die mit der Auslegung nicht glücklich sind. Ich glaube, das ist auch mancher Fußballer nicht“, räumte Wagner im Gespräch mit dem Kicker zunächst ein. „Aber der Schiedsrichter hat nun mal entsprechende regeltechnische Vorgaben.“

Alphonso Davies hatte einen Ball von Ousmane Dembélé beim wilden 4:5 in Paris aus kurzer Distanz an die Hand bekommen. Schiedsrichter Sandro Schärer hatte nach VAR-Intervention auf Strafstoß entschieden.

Die Gründe für den Elfmeter gegen den FC Bayern

Zuerst müsse der Schiedsrichter schauen, ob Davies den Ball erwarten konnte oder er beispielsweise „von hinten angeschossen“ wurde. Das sei in diesem Fall nicht passiert.

Weiter analysierte Wagner die Entstehung des Elfmeters: „Er sieht, dass der Gegner flanken will und reagiert wie folgt: Zunächst hat er die Arme hinter seinem Rücken verschränkt, was auf den ersten Blick atypisch, aber gängige Praxis ist und als Dembélé die Flanke schlägt, geht ausgerechnet der Arm auf der Seite raus, an der der Ball am Körper vorbeigehen würde.“

Auch das Argument, dass der Ball vorher von Davies Körper abgelenkt wurde (das Spielgerät traf ihn zunächst an der Hüfte), spiele keine Rolle. Nur wenn eine solche Berührung zu „einer klaren Richtungsänderung“ des Balls führt, liege kein Handspiel vor. „In diesem Fall ist aber der Ball trotzdem Richtung Arm geflogen.“

„Wenn ich diese drei Argumente sehe – der erwartbare Ball, dass der Arm rausgeht, wo auch der Ball vorbeifliegt, nachdem vorher beide Arme hinter dem Körper waren, und dass zwar ein Abfälschen stattfindet, das aber keine klare Richtungsänderung beinhaltet – ist es eben regeltechnisch ein Strafstoß“, resümierte Wagner.

Auch Wagner bringt Regeländerung ins Spiel

Diverse Experten hatten die Entscheidung des Schiedsrichters, die letztlich zum 2:3 aus Sicht der Münchner führte, kritisch hinterfragt. Bayerns Trainer Vincent Kompany sah letztlich sogar zwei irreguläre Tore.

SPORT1-Experte Stefan Effenberg plädierte nach der Partie für eine Regeländerung, womit sich womöglich auch Wagner anfreunden könnte.

„Es gab ja schon diese Vorschläge, die auch bestimmt ihren Sinn haben, dass es nur bei Torgefahr Strafstöße geben sollte. Andernfalls würde es eben einen indirekten Freistoß innerhalb oder einen direkten Freistoß außerhalb des Strafraums geben“, erklärte der DFB-Lehrwart.

Zwar sei Wagner selbst der Meinung, dass solche Vorschläge „zumindest mal überdacht“ werden sollten, bislang könnten die Schiedsrichter ihre Entscheidung jedoch nicht danach ausrichten.

Abgesehen davon lobte Wagner den Auftritt von Schärer und meinte, dass „die wichtigen und entscheidenden Dinge korrekt entschieden wurden“. Generell sei die großzügige Linie „ein wirklich guter Ansatz“ gewesen, „damit hat er auch erst dieses tolle Spiel ermöglicht“.

Lutz Wagner ist ein ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter, der heute als TV-Experte und Lehrwart des DFB arbeitet.