Irgendwann wirkten selbst die PSG-Stars genervt, ermattet und vielleicht sogar hilflos. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie Luis Díaz in der ersten Halbzeit gleich dreimal durch das Zentrum dribbeln ließen – ohne Gegenwehr.
FC Bayern: Der Mann für die großen Spiele
Er löst sämtliche Versprechen ein
Dabei wirkte Bayerns Kolumbianer obendrein so unangestrengt. Bereits zuvor hatte er entscheidenden Einfluss auf die Partie genommen, als er dafür sorgte, dass Marquinhos eine Gelbe Karte kassierte, und in der 16. Minute holte er den Elfer heraus, den Harry Kane zum 1:0 verwandelte.
Sein Meisterstück lieferte der 29-Jährige allerdings erst in den zweiten 45 Minuten ab. Sein Treffer zum wichtigen 4:5 hielt nicht nur die Final-Hoffnungen des FCB am Leben, sondern passte genau zum Prädikat „Weltklasse“.
FC Bayern: C-Lösung entpuppt sich als „Meisterhaft“
Es ist eine Entwicklung, mit der nicht jeder Beobachter gerechnet hat. Auch in der bayerischen Führungsriege waren nicht alle davon überzeugt, dass Díaz der Richtige ist. Zur Wahrheit gehört nämlich, dass er mit damals 28 Jahren relativ alt war und mit geschätzten 67 Millionen Euro Ablöse auch kein Schnäppchen.
Zudem war der Kolumbianer lediglich Bayerns C-Lösung, als es um einen Ersatz für Leroy Sané ging. Zur Erinnerung: Eigentlich hatte man sich an der Säbener Straße Florian Wirtz und Nick Woltemade in den Kopf gesetzt. Als Sportvorstand Max Eberl die Verpflichtung von Díaz als „Wunschtransfer“ bezeichnete, war die Skepsis groß.
Die ist mittlerweile verflogen. Der Offensivstar verdiente sich gegen PSG die SPORT1-Note 1, Mats Hummels adelte ihn mit großen Worten („Er war der beste Mann auf dem Platz. Das beste Spiel, das ich je von ihm gesehen habe“) und die spanische Zeitung Sport urteilte: „Luis Díaz’ Leistung war wahrhaft meisterhaft. Sein Tor zum 4:5 war ein wahres Kunstwerk.“
Díaz macht es wie Kompany
Der Treffer im Prinzenparkstadion war bereits der siebte des Kolumbianers in dieser Champions-League-Saison. Er traf auch in beiden Partien gegen Real Madrid im Viertelfinale.
Von der Ballannahme bis zum Abschluss: Díaz machte bei seinem Treffer alles perfekt und zahlt das gewachsene Vertrauen der Münchner Klub-Bosse mit Leistung zurück. So mancher seiner Vorgänger auf den Münchner Flügeln galt immer als großes Versprechen – Díaz löst es ein.
Der Weg von der Verpflichtung aus Verlegenheit verbindet „Lucho“ auf bemerkenswerte Weise mit seinem Trainer. Vincent Kompany war sogar lediglich die D-Lösung für den Chefposten. Erst als Julian Nagelsmann, Ralf Rangnick und Oliver Glasner abgesagt hatten beziehungsweise nicht wechseln durften, kam der Belgier zum Zug.
Bekanntermaßen gab es im Sommer 2024 sogar die Phase, in der man Thomas Tuchel fast doch noch an der Säbener Straße gehalten hätte. Kompany lieferte, jetzt macht es ihm Díaz nach.