Was für ein Fußball-Abend in München! Der FC Bayern trotzt einem frühen Schock, kämpft sich in einem hitzigen Schlagabtausch zurück und steht nach dem spektakulären 4:3-Sieg im Rückspiel gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League.
FC Bayern: Drei Asse retten Neuer - Einzelkritik
Einzelkritik: Drei Asse retten Neuer
Manuel Neuer erlebt im Vergleich zum überragenden Hinspiel einen Abend voller Extreme – dafür trumpfen drei Zauberer spät auf und retten ihn. Die SPORT1-Einzelkritik.
Neuer? Hinspiel Top, Rückspiel Flop
MANUEL NEUER: Ermöglichte mit seinem schlimmen Patzer den Madrilenen gleich nach 35 Sekunden (!) den ersten Treffer. In der 14. Minute leistete er sich gleich den nächsten Fehler – was war da los? Beim zweiten Gegentor platzierte Güler den Freistoß zwar fast perfekt, aber auch solche Bälle hat der 40-Jährige schon mal rausgefischt. Urteil: Haltbar, aber kein Fehler. Einen echten Manuel-Neuer-Moment bot er dann in der 55. Minute – stark! Es bleibt aber der fade Beigeschmack aus der Anfangsphase. SPORT1-Note: 4,5
JOSIP STANISIC (bis 45.): Über weite Strecken ohne großen Einfluss auf das Spiel. Seinen ersten echten Ausflug nach vorne bezahlte er teuer, als er nach einem handelsüblichen Zweikampf angeschlagen liegenblieb. Obendrein flüsterte ihm Rüdiger ein paar freundliche Worte zu und Madrid traf im direkten Gegenzug zum dritten Mal. In der Halbzeitpause wurde er ausgewechselt. SPORT1-Note: 4
JONATHAN TAH: Ruhepol in der bayerischen Abwehr und in Sachen Pressing wahnsinnig mutig. Teilweise war er tief in der Madrider Hälfte zu finden – und das als letzter Mann. Beim dritten Tor der Gäste kam er eindeutig zu spät. Nach der Pause hatte er enorme Probleme mit Mbappé und sah dabei oft nicht gut aus. SPORT1-Note: 3,5
DAYOT UPAMECANO: Licht und Schatten beim Franzosen in den ersten Minuten. Beispielsweise folgte einem hervorragenden Ballgewinn gegen Vinícius in der Hälfte der Gäste wenig später ein seltsamer Fehlpass (10. Minute). Der Innenverteidiger fing sich aber schnell und lieferte sich intensive Duelle mit seinem Gegenspieler – meistens ging er als Sieger hervor. Und: Er fürchtete sich bei Standards nicht vor Antonio Rüdigers Nickligkeiten. Sein Pass auf Kane, der zum 2:2 traf, war zudem Extraklasse. Wenn ihm in der zweiten Halbzeit Fehler unterliefen, bügelte er sie meistens wieder selbst aus. SPORT1-Note: 2
Laimer bissig, Kimmich mit einer wahnsinnig guten Ecke
KONRAD LAIMER: Legte von Anfang an den alpenländischen Biss an den Tag, der ihn schon über die gesamte Saison so auszeichnet. In der 20. Minute zeichnete er sich gegen Mbappé als Retter in höchster Not aus – dafür gab es Sonderapplaus. Bitter: Bei seinem Foul, das zum Freistoß für Madrid und deren zweiten Treffer führte, berührte er Brahim Díaz nicht einmal. Als Stanisic ausgewechselt wurde, ging der Österreicher auf die rechte Außenverteidigerposition und lieferte auch dort zuverlässig ab. SPORT1-Note: 2
JOSHUA KIMMICH: Startete mit zahlreichen Ballkontakten, viel Laufbereitschaft und einer wahnsinnig guten Ecke in die Partie. Hinzu kam ein satter Schuss aus der zweiten Reihe, der Lunin vor Probleme stellte (27. Minute). Sorgte grundsätzlich für viel bayerischen Ballbesitz, zog in manchen Situationen aber auch den Kürzeren – zum Beispiel gegen Bellingham. Hatte in den starken Phasen der Real-Stars viel Mühe, den Überblick zu bewahren. In der Offensive dafür immer anspielbar und mit der nötigen Ruhe. SPORT1-Note: 2
ALEKSANDAR PAVLOVIC: Verlieh mit seinem Ausgleichstreffer in der 6. Minute der Arena neues Leben – da profitierte er deutlich von der Orientierungslosigkeit von Real-Keeper Andriy Lunin. „Pavlo“ ackerte sich unermüdlich durchs Mittelfeld, bei ihm war der Ball meistens gut aufgehoben. Bei Madrider Kontern ging es ihm aber teilweise zu schnell und auch die Fehlpässe häuften sich. Zudem fehlte in manchen Szenen der Mut zum Abschluss oder zum Risikopass. SPORT1-Note: 3
Díaz, Olise und Musiala – drei Asse trumpfen auf
LUIS DÍAZ: Die Spanier gestanden ihm unverständlicherweise enorm viel Platz zu, aus dem Spiel heraus konnte der Kolumbianer nicht ganz großes Kapital daraus schlagen. Aber: Er war es, der die Ecke erzwang, die zum 1:1 führte. Kurz nach Wiederanpfiff sorgte er mit einer guten Chance für Aufsehen, da hätte er allerdings früher abschließen müssen. In der Folge präsentierte er sich bemüht, die meisten Aktionen verpufften allerdings. Tja, bis zur 89. Minute, als sein Traumtor den Einzug ins Halbfinale fix machte. SPORT1-Note: 1,5
SERGE GNABRY (bis 61.): War lange kein wirklicher Faktor im Spiel der Bayern und machte erst nach einer guten halben Stunde erstmals auf sich aufmerksam. Sein Schuss von der Strafraumkante fiel aber zu harmlos aus. Bis zur Pause ein schwaches Spiel des Nationalspielers, danach wurde es nicht viel besser. Nach einer Stunde wurde er ausgewechselt. Gerade noch SPORT1-Note: 4
MICHAEL OLISE: Hatte sichtlich Lust auf diesen besonderen Abend und dieses Topspiel, versuchte aber gerade in der Anfangsphase Dinge, die zum Scheitern verurteilt waren – da war er oft zu optimistisch. Der Franzose steigerte sich aber von Minute zu Minute bis zu einer guten Form: Immer, wenn er am Ball war, musste Real sich hüten, die Kugel verlor er gefühlt gar nicht. Allerdings kam er zu selten in gute Position, auf der Habenseite im zweiten Spielabschnitt: zwei Schlenzer in Robben-Manier. In der Nachspielzeit, als er Zeit schinden und an der Eckfahne hätte parken können, sorgte er mit dem 4:3 für das i-Tüpfelchen. Weltklasse! SPORT1-Note: 1,5
HARRY KANE: Versuchte nach 100 Sekunden, die Stimmung in der Arena am Kochen zu halten – sein Distanzschuss sauste aber über die Latte. Der Engländer zeigte sich fleißig, seinen Treffer zum 2:2 machte er in echter Harry-Manier und sorgte kurze Zeit später mit seiner Cleverness dafür, dass Militao eine gelbe Karte kassierte. In der Folge hatte er es aber extrem schwer, sich richtig gute Chancen zu erarbeiten. SPORT1-Note: 2,5
ALPHONSO DAVIES (ab 45.): Kam in der Pause für Stanisic in die Partie. Der Kanadier suchte immer wieder den Weg in den Rücken der Real-Abwehr. Die Steilpässe, die er sich aber gewünscht hätte, waren aber teilweise einfach nicht zu bewerkstelligen. Trotzdem stellte er sein Spiel nicht um und versuchte es immer wieder in selber Weise. SPORT1-Note: 4
JAMAL MUSIALA (ab 61.): Durfte ab der 61. Minute für Gnabry ran und lieferte umgehend die perfekte Vorlage für Díaz, der die Chance aber verstolperte. Hatte merklich mit dem Tempo des Spiels zu kämpfen, machte aber einen deutlich besseren Eindruck als noch im Hinspiel. Mit seiner Hacken-Vorlage auf Díaz leitete er den Sieg ein. SPORT1-Note: 2