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Ohne ihn wäre der FC Bayern um einige Titel ärmer

Der Garant für die großen Bayern-Titel

Er war der große Held im Schatten der Ikonen Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Franz „Bulle“ Roth traf in gleich drei internationalen Bayern-Finalspielen zur Führung. Heute wird der Titelhamster und Final-Held 80.
Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Bayern-Legende Franz "Bulle" Roth über seine großen Erfolge mit dem deutschen Rekordmeister und über die Zeit mit seinen Kollegen und Freunden, Franz Beckenbauer sowie Gerd Müller.
Er war der große Held im Schatten der Ikonen Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Franz „Bulle“ Roth traf in gleich drei internationalen Bayern-Finalspielen zur Führung. Heute wird der Titelhamster und Final-Held 80.

Beim Gedanken an die ersten großen Triumphe des FC Bayern denken fast alle zuerst an Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Sepp Maier.

Doch ein Spieler, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, hatte mindestens einen genauso großen Anteil an den glorreichen 70er-Jahren: Franz „Bulle“ Roth.

FC Bayern: Franz „Bulle“ Roth sorgte für historische Momente

Als Defensiver-Mittelfeldspieler beackerte er stets die Starspieler des Gegners und sorgte so mit dafür, dass Beckenbauer und Müller glänzen konnten. „Ich war defensiver Mittelfeldspieler, musste vor allem die Spielmacher ausschalten – Overath, Cruyff, Netzer“, sagte Roth vor einigen Wochen im großen SPORT1-Interview.

Gleichzeitig war er aber der Bayern-Spieler für die wichtigen Tore in den ganz großen Spielen. In gleich drei Europapokal-Finalspielen erzielte er das so wichtige 1:0: „Dass ich dann auch Tore schoss, war ein Bonus. Es war Instinkt, aber ich wollte immer nach vorne gehen, wenn sich die Chance bot.“

Wie wichtig Roth für die Geschichte des FC Bayern ist, zeigt auch ein Artikel zu seinem 80. Geburtstag auf der Homepage des deutschen Rekordmeisters. Dort heißt es deutlich: „Ohne ihn sähe die Geschichte des Rekordmeisters heute anders aus.“

Roth kam von Amateurverein und wird direkt zum Bayern-Titelgaranten

Dass der am 27. April 1946 kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geborene Roth einmal zu einem der Erfolgsgaranten beim FC Bayern werden würde, davon war zunächst nicht auszugehen. Vielmehr schien der Bauernhof der Eltern in Marktoberdorf im Ostallgäu, den er nach seiner landwirtschaftlichen Lehre bewirtschaftete, die Zukunft von Roth zu sein.

Nebenher spielte er für die SpVgg Kaufbeuren im Amateurbereich und stieg mit dem Verein zur Saison 1964/65 sogar in die damals drittklassige Bayernliga auf. Dann kam auch bei Roth eine für den FC Bayern entscheidende Person ins Spiel: Friseur Alexander Kotter.

Dieser hatte dem FCB schon Gerd Müller empfohlen und legte dem Verein auch nahe, Roth zu beobachten, der überzeugte und zur Saison 1966/67 nach München wechselte und Profi wurde.

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Schon in seiner ersten Saison wurde er unter Trainer Zlatko „Tschik“ Cajkovski zum Stammspieler. Zunächst wegen seiner Schnelligkeit als Flügelspieler, dann wurde er aber zum defensiven Mittelfeldspieler umgeschult, um die damals so wichtigen gegnerischen Spielmacher auszuschalten.

„Wir haben immer gesagt: Uns zieht keiner die Lederhosen aus“

Das gelang Roth wie kaum einem Zweiten zur damaligen Zeit. Neben seiner Schnelligkeit und seiner unglaublichen Kraft zeichnete ihn seine große Ausdauer aus.

„Wichtig sind Grundschnelligkeit und Mut in Zweikämpfen. Beides hatte ich“, sagte Roth im Gespräch mit SPORT1 über seine Qualitäten: „Wenn du auswärts spielst, darfst du dich nicht zurückziehen. Wir haben immer gesagt: Uns zieht keiner die Lederhosen aus – wir haben dagegengehalten.“

Dieser Wille half dem FC Bayern zu zahlreichen Titeln. Er gewann mit den Bayern 13 Titel. Neben vier Meisterschaften und drei Pokalsiegen hamsterte er speziell im internationalen Geschäft zahlreiche Pokale. Zunächst holte er in seiner ersten Saison 1967 den Europapokal der Pokalsieger. Es folgte der Titel-Hattrick im Europapokal der Landesmeister (74,75,76) und der Gewinn des Weltpokals 1976.

Insgesamt lief er 322 Mal im Münchener Trikot auf und erzielte für einen Sechser erstaunliche 72 Tore.

Roth traf in drei internationalen Finalspielen zum 1:0

Drei dieser Tore gingen beim FC Bayern in die Geschichte ein. 1967 holten die Münchener dank eines Roth-Tores zum 1:0 Gegen die Glasgow Rangers mit dem Europapokal der Pokalsiege ihren ersten internationalen Titel.

„Das erste Europapokal-Finale 1967 in Nürnberg. Ich kam vom Amateurverein, war erst ein Jahr bei Bayern – und wir gewinnen den Europapokal. Ich schieße das goldene Tor in der Verlängerung. Besser konnte ich es mir nicht vorstellen“, erinnerte sich Roth an das Finale.

Damit aber nicht genug: Im Finale des Europapokals der Landesmeister 1975 erzielte er beim 2:0-Sieg gegen Leeds United zwanzig Minuten vor Spielende das 1:0. Ein Jahr später traf er gegen AS Saint-Étienne per Freistoß sogar das entscheidende Tor zum Sieg.

Die internationalen Spiele seien für ihn immer besondere Highlights gewesen: „Europapokalspiele sind die Krönung. Die Atmosphäre vergisst du nie.“

Vor den Spielen gab es für Roth immer eine Erdbeer-Torte

Um auf die Fußball-Spiele optimal vorbereitet zu sein hatte Roth übrigens ein ganz spezielles und süßes Geheimnis, der ihm für die Spiele Kraft gab. Vor Spielen gab es immer ein Stück Erdbeer-Sahne-Torte.

„Ich war immer schon ein Süßer und Frühaufsteher. Am Spieltag frühstückte ich um acht, aber bis zum Anpfiff um 15:30 Uhr war mir das zu lang. Also ging ich in die Küche und holte mir ein Stück Erdbeerkuchen – einfach, um nicht unterzuckert zu sein“, erklärte Roth im Gespräch mit SPORT1.

Offiziell erlaubt vom Verein war das zunächst nicht. Er habe deshalb eine heimliche Vereinbarung mit dem Hotelpersonal gehabt, in dem die Bayern vor Spielen unterkamen. In einer Ecke platzierten die Mitarbeiter immer einen Teller mit einem Stück Erdbeer-Torte.

Zumindest so lange, bis er eines Mittags vom damals starken Mann des Klubs erwischt wurde: „Ich sagte zu Herrn Robert Schwan, unserem damaligen Manager: Sonst kann ich keine Leistung bringen.“ Dieser sei zunächst fassungslos gewesen, sagte dann aber: „Iss weiter!“

Beckenbauer? „Franz fehlt mir sehr“

Neben dem Stück Torte waren an seiner Seite auch immer die Bayern-Ikonen Franz Beckenbauer und Gerd Müller dabei. Gemeinsam prägten sie den Geist, der auch noch heute beim FC Bayern großgeschrieben wird: Mia san mia.

„Ich glaube schon, dass unsere Generation diesen Geist stark geprägt hat. Wir waren eine Mannschaft, die zusammengewachsen ist – mit Spielern wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller und Katsche Schwarzenbeck. Wir hatten Selbstvertrauen, aber auch großen Zusammenhalt. Wenn wir auf den Platz gegangen sind, wussten wir: Wir können jeden schlagen. Dieses Selbstverständnis – dieses „Wir sind der FC Bayern“ – das ist im Grunde genau das, was heute mit „Mia san mia“ gemeint ist“, erklärte Roth.

Ganz speziell sei sein Verhältnis zu Beckenbauer gewesen: „Franz fehlt mir sehr. Wir waren nicht nur auf dem Platz ein gutes Team, sondern auch privat eng befreundet. Wir haben viel zusammen unternommen, oft zusammen gelacht – solche Freundschaften bleiben ein Leben lang.“

Gleiches gelte auch für den 2021 verstorbenen Gerd Müller: „Gerd vermisse ich ebenfalls sehr. Zehn Jahre gemeinsam beim FC Bayern – das verbindet. Wir haben so viel zusammen erlebt und gewonnen. Solche Menschen prägen dich fürs Leben.“

„Der FC Bayern hat mir alles gegeben – Titel, Freundschaften, ein Leben im Fußball. Für mich ist dieser Verein Familie – und wird immer ein besonderer Teil meines Herzens bleiben“, sagte Roth über die Bedeutung des FC Bayern.

Geprägt hat auch Bulle Roth seinen FC Bayern als Held der großen Spiele. Weshalb er für immer in der Geschichte des deutschen Rekordmeisters stehen wird. Ihm selbst wird das alles nicht so wichtig sein, für ihn stand immer der Verein, der ihm „alles“ bedeutet, im Vordergrund.