Der FC Bayern München hat den Einzug ins Finale der Champions League verpasst. Der deutsche Rekordmeister kam am Mittwochabend nicht über ein 1:1-Remis gegen Paris Saint-Germain hinaus. Nach dem verlorenen Hinspiel ist der Traum vom Triple geplatzt.
"Alles nur noch eine Farce!": Gräfe zerlegt Schiedsrichter nach Bayern-Aus
„Das muss Konsequenzen haben“
Während PSG am 30. Mai in Budapest um den Titel kämpfen wird, hadert der FC Bayern mit einigen strittigen Entscheidungen von Schiedsrichter Joao Pinheiro. Auch Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte sich unzufrieden mit der Entscheidungsfindung des Portugiesen – und zerlegte diesen regelrecht. „Es ist alles nur noch eine Farce“, sagte er bei Bild und machte seinem Ärger Luft.
Kein strafbares Neves-Handspiel? Gräfe wütet
Ins Zentrum seiner Kritik geriet eine Szene aus der 31. Minute, als der Pariser Spieler Joao Neves im eigenen Sechzehner von seinem Teamkollegen Vitinha angeschossen wurde. Im Zuge der Klärungsaktion bekam Neves den Ball an seinen ausgestreckten Arm, Schiedsrichter Pinheiro ließ weiterspielen.
Regeltechnisch ist dies die richtige Entscheidung. Laut dem International Football Association Board (IFAB) gilt: Wird ein Spieler bei einem Schuss oder Kopfball eines Mitspielers an der Hand oder am Arm vom Ball getroffen, liegt kein Handspiel vor. Es sei denn, der Ball landet direkt im gegnerischen Tor oder der Spieler erzielt unmittelbar danach ein Tor – in diesem Fall erhält die gegnerische Mannschaft einen direkten Freistoß.
Gräfe gab zu, dass er die Regel der IFAB zwar kenne. Im Sinne des Fußballs sei es jedoch nicht hinnehmbar, dass der FC Bayern in dieser Aktion keinen Strafstoß bekommen habe. „Wenn ich absichtlich den Arm in die Flugbahn des Balles bringe, ist das strafbar. Jetzt kann man sagen, dass es eine Unterregel der IFAB gibt, die gilt, wenn man den Ball von einem Teamkollegen angeschossen bekommt, dass das kein Vergehen ist. Aber dann muss der Arm schon entsprechend in der Position sein und nicht noch absichtlich in die Flugbahn geführt werden“, befand Gräfe.
Aus der Sicht des ehemaligen Referees hätte ganz Paris einen Elfmeterpfiff akzeptiert. „Wenn dann jemand meint, das Handspiel sei nicht strafbar, dann ist dies das Problem an sich. Die Schiedsrichter bekommen klare Anweisungen. Der Pariser Spieler selbst hätte dieses Handspiel akzeptiert, man sieht es an seinem Verhalten danach.“
Eine Schutzhand „gibt es nicht. Wenn ich absichtlich den Arm dorthin bringe und ihn weit abstrecke, dann ist das strafbar. Das hätten alle akzeptiert“.
Gräfe legt mit heftiger Kritik nach
Nach Abpfiff legte Gräfe mit seiner Kritik an Schiedsrichter Pinheiro auf X nach – und wie: „Eine Farce, die man nicht einfach so hinnehmen kann – eine Schande für den Fußball, dass auch dieses UCL-Halbfinalspiel vom Schiedsrichter entschieden wurde“, polterte er.
Die Aktion von Neves sei zu „100 Prozent ein Elfmeter, aber vor dem Hintergrund des Hinspiels erst recht – Wahnsinn!“. Gräfe spielte auf ein Handspiel von Alphonso Davies aus dem Hinspiel an, welches der Unparteiische Sandro Schärer hingegen als strafbar wertete und den Unmut der Münchner auf sich zog. „Tut mir leid, aber das ist jetzt einfach nur noch ein Witz.“
„Das muss Konsequenzen seitens der UEFA haben“
Auch eine Aktion zwei Minuten vor Neves‘ Handspiel brachte Gräfe und den FC Bayern auf die Palme. Konrad Laimer hatte den Ball im Mittelfeld mit dem Bauch angenommen und anschließend zu seinem Mitspieler spielen wollen. PSG-Star Nuno Mendes, zu diesem Zeitpunkt schon mit Gelb vorbelastet, stoppte den Pass mit einem abgespreizten Arm. Schiedsrichter Pinheiro pfiff die Aktion ab, deutete auf den Vierten Offiziellen Espen Eskas aus Norwegen und entschied auf Freistoß für Paris. Laimer soll aus der Sicht des Schiedsrichters den Ball mit dem Arm angenommen haben, so signalisierte es Pinheiro.
Eine Fehlentscheidung, die Gräfe wüten ließ. „Auch Nuno Mendes hätte definitiv eine Gelb-Rote Karte bekommen müssen. Der noch unerfahrenere Vierte Offizielle mischte sich dort ein (der Schiedsrichter gab ihm ein Daumen hoch), obwohl Laimer den Ball nur am Bauch abbekam – das muss Konsequenzen seitens der UEFA haben“, schrieb Gräfe auf X.