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Bayern-Ärger bei PSG-Kracher: Darum war es kein Handspiel

Darum tobte Bayern zu Unrecht

Ein Handspiel von PSG-Profi João Neves im Spiel gegen den FC Bayern erhitzt die Gemüter – doch der Unparteiische hat laut Regularien richtig entschieden.
Paris Saint-Germain geht nach etwas mehr als zwei Minuten mit 1:0 in Führung. Mario Basler fehlt für das Verhalten der Bayern-Stars jegliches Verständnis.
Ein Handspiel von PSG-Profi João Neves im Spiel gegen den FC Bayern erhitzt die Gemüter – doch der Unparteiische hat laut Regularien richtig entschieden.

Uli Hoeneß tobte auf der Tribüne, unten am Platz stand die komplette Bank des FC Bayern und schimpfte. Hand!

Verteidiger João Neves von Paris Saint-Germain hatte den Ball beim 1:1 im Halbfinal-Rückspiel der Champions League – gleichbedeutend mit dem Aus für den FC Bayern – nach einem Befreiungsschlag seines Kollegen Vitinha im eigenen Strafraum aus Münchner Sicht regelwidrig abgelenkt (31.).

Doch Referee João Pinheiro, ebenfalls aus Portugal, ließ nach kurzem Kontakt mit dem Videoschiedsrichter weiterspielen. Regeltechnisch war das korrekt.

Bayern benachteiligt? Schiedsrichter entschied korrekt

Laut dem International Football Association Board (IFAB) gilt: Wird ein Spieler bei einem Schuss oder Kopfball eines Mitspielers an der Hand oder am Arm vom Ball getroffen, liegt kein Handspiel vor.

Es sei denn, der Ball landet direkt im gegnerischen Tor oder der Spieler erzielt unmittelbar danach ein Tor – in diesem Fall erhält die gegnerische Mannschaft einen direkten Freistoß.

Für Bayern-Boss Eberl ist der Fall nicht so klar

Doch für Bayerns Sportvorstand Max Eberl war der Fall hinterher im Gespräch mit den Journalisten nicht so klar. „Ich denke, ihr habt alle auch Schiedsrichter angerufen und da wird’s dann für mich komisch. Die eine Hälfte sagt: ‚Klarer Elfmeter.‘ Die andere Hälfte sagt: ‚Alles richtig gemacht.'“

Eberl hatte immer noch offene Fragen: „Also wie ist denn jetzt die Regel? Und das kann mir bis jetzt auch keiner erklären. Und wenn ich jetzt aus meiner Brille schaue, dann ist es ein Handspiel im Strafraum.“

Ex-Schiedsrichter Kinhöfer erklärt Regelauslegung

Ex-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer erklärte im ZDF die Regelauslegung: „Wenn der Ball vom eigenen Mitspieler kommt, wird das regeltechnisch nicht als strafbares Handspiel geahndet. Wenn der Schuss von einem Bayern-Spieler gekommen wäre, wäre es zu einem Strafstoß gekommen.“

Der 57-Jährige ergänzte: „Der VAR hat überhaupt nicht eingegriffen. Wobei das Handspiel ja völlig klar war, das hat ja jeder gesehen. Aber so sind die Regelauslegungen, da kann man dem Schiedsrichter keinen Vorwurf machen. Da müsste man sich an das IFAB wenden, weil die die Regeln machen und die Schiedsrichter setzen sie nur um.“ 

DAZN-Experte Sami Khedira hatte im Rahmen der Übertragung eingeräumt: „Auch mein erster Reflex war ganz klares Handspiel. Der Schiedsrichter entscheidet da falsch.“ Doch das Entscheidende, das hätten ihm Schiedsrichter erklärt, sei: „Der eigene Mann und der Ball gehen aus dem Strafraum raus. Es ist nichts, wo du eine Torchance oder einen Torerfolg verhindern kannst. Und deswegen ist es in dem Fall leider für die Bayern richtig entschieden.“

Ralf Rangnick kam zum identischen Urteil, wie der österreichische Nationalcoach gegenüber SPORT1 in der Halbzeit betonte: „Der Befreiungsschlag kommt vom eigenen Mann, dann ist es kein Handspiel, das wird nicht gepfiffen. Der Schiedsrichter hat also bis jetzt keinen großen Fehler gemacht!“

Die Münchner reklamierten dennoch auf Elfmeter – kein Wunder: Sie lagen zu diesem Zeitpunkt 0:1 zurück. Nach dem 4:5 im Hinspiel hätte das das Aus bedeutet.

Khedira: Bayern „krass benachteiligt“

Khedira sah die Bayern dafür in der 29. Minute „krass benachteiligt“. Der bereits verwarnte Nuno Mendes unterband einen Konter mit dem Arm, die Münchner forderten Freistoß und Gelb-Rot. Pinheiro entschied jedoch auf Freistoß für Paris, da er ein vermeintliches Handspiel von Konrad Laimer wenige Augenblicke zuvor ahndete. Die TV-Bilder belegten nicht zweifelsfrei, ob der Österreicher den Ball mit dem Körper, Bein oder Arm berührt hatte.

„Für mich ist es Brust und Oberschenkel“, sagte Khedira: „Das ist eine krasse Fehlentscheidung. Damit greift der Schiedsrichter in ein wunderbares Fußballspiel von zwei tollen Mannschaften ein, das den Spielern gehört.“

Pinheiro, der noch bei keinem großen Turnier im Einsatz war, ist seit 2016 FIFA-Schiedsrichter. Am Mittwochabend pfiff er sein 15. Königsklassen-Spiel, das achte in dieser Saison.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)