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"Fehlschuss verdient": Warum der tragische Arsenal-Held Häme kassiert

Häme für den tragischen Helden

Kaum ein Spieler polarisiert im englischen Fußball so sehr wie Gabriel. Arsenals Abwehrchef zog in der Vergangenheit schon oft Zorn auf sich, auch der FC Bayern dürfte schlechte Erinnerungen haben. Im Champions-League-Finale wird er mit seinem Fehlschuss nun zum tragischen Helden und kassiert reichlich Häme.
Nach dem verlorenen Champions-League-Finale erklärt Arsenal-Coach Mikel Arteta die Reihenfolge seiner Elfmeterschützen und verrät, warum Gabriel den fünften Versuch übernehmen sollte,
Kaum ein Spieler polarisiert im englischen Fußball so sehr wie Gabriel. Arsenals Abwehrchef zog in der Vergangenheit schon oft Zorn auf sich, auch der FC Bayern dürfte schlechte Erinnerungen haben. Im Champions-League-Finale wird er mit seinem Fehlschuss nun zum tragischen Helden und kassiert reichlich Häme.

Der Erste, der Gabriel Magalhaes am Samstagabend zur Seite eilte, war kein Teamkollege, sondern ausgerechnet der gegnerische Kapitän: Marquinhos, seines Zeichens Spielführer von Paris Saint-Germain, hatte soeben zum zweiten Mal in Folge die Champions League gewonnen.

Doch anstatt zu seinen Mitspielern in die Jubeltraube zu laufen, ging Marquinhos zu seinem Landsmann und versuchte, ihn zu trösten.

Arsenals Abwehrchef war wahrlich nicht zu beneiden, hatte er doch gerade nach überragenden 120 Minuten die Chance auf den größten Titel der Vereinsgeschichte vergeben und den entscheidenden Elfmeter in den Budapester Nachthimmel gejagt.

Häme: Gabriel habe Fehlschuss „verdient“

Doch nicht alle bewiesen Marquinhos‘ Feingefühl: Denn die Häme gegenüber Pechvogel Gabriel ließ online nicht lange auf sich warten – schließlich gehört der 27-Jährige, wie er gegen PSG bis zu seinem Fehlschuss bewies, zu den besten Innenverteidigern der Welt, ist jedoch auch seit geraumer Zeit einer der unbeliebtesten Spieler der Premier League.

„Es gibt niemanden, der es mehr verdient hätte, diesen Elfmeter zu verschießen“, schrieb etwa ein Chelsea-Fan auf Threads und erntete aus anderen Fanlagern Zuspruch. Gabriels Fehlschuss sei verdient, nach all dem „womit er in dieser Saison durchgekommen“ sei, antwortete ein anderer Nutzer. Mag man den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke Glauben schenken, habe Gabriel mit seinem Fehlschuss das vielzitierte Karma eingeholt.

Diese Szenen erzürnten Fußball-England

Besonders eine Szene dürfte den englischen Fußballfans hierbei im Kopf geblieben sein: Beim 2:1-Sieg von Manchester City gegen Arsenal im Frühjahr, der das Meisterschaftsrennen zwischenzeitlich wieder anheizte, gerieten Gabriel und Erling Haaland aneinander, wobei Gabriel offensichtlich zum Kopfstoß gegen Haaland ausholte, jedoch ungestraft davonkam. TV-Experte und United-Legende Gary Neville bezeichnete das Verhalten des Brasilianers als „respektlos“.

Bereits seit geraumer Zeit führt Gabriel eine persönliche Fehde mit Haaland, nachdem dieser ihm 2024 einen Ball nach einem späten Tor an den Kopf geworfen hatte. Der Verteidiger revanchierte sich seinerseits damit, dass er dem Norweger bei einem Tor der „Gunners“ direkt ins Gesicht schrie.

Auch im roten Teil von Manchester hat sich Gabriel längst unbeliebt gemacht: Als Arsenal im Januar gegen United verlor, verweigerte er nach Abpfiff gegenüber Harry Maguire den Handschlag, beschimpfte diesen wüst und musste fortan mit dem Stempel eines schlechten Verlierers leben. Gabriels teils theatralische Spielweise kombiniert mit häufigem Zeitspiel stößt vielen Fans ebenfalls sauer auf.

Auch FC Bayern mit schlechten Erinnerungen

Und selbst beim FC Bayern München dürfte man keine besonders positiven Erinnerungen an den Verteidiger haben, wenn es um die sportliche Fairness geht: Im Champions-League-Viertelfinale 2024 (2:2) sorgte Gabriel für einen Eklat, als er einen Abstoß seines eigenen Keepers mit der Hand stoppte – er hatte wohl nicht mitbekommen, dass das Spiel freigegeben worden war.

Ein glasklarer Elfmeter für die Münchner, den Schiedsrichter Glenn Nyberg jedoch nicht pfiff und im Nachgang von einem Kinderfehler („kid’s mistake“) von Gabriel sprach, den er in so einem großen Spiel nicht habe bestrafen wollen. Der damalige Bayern-Trainer Thomas Tuchel tobte, letztlich konnten es die Münchner jedoch verschmerzen – im Rückspiel gewann man mit 1:0 und warf Arsenal so aus der Königsklasse.

Zwei Jahre später schafften es die Londoner und Gabriel nun bis ins Endspiel, wo der Brasilianer mit seinem „katastrophalen Fehlschuss“ (Telegraph) jedoch das Ende aller Londoner Träume auf den ersten Henkelpott der Vereinsgeschichte besiegelte.

Arsenal-Star wird zum tragischen Helden

So wurde der 27-Jährige in Budapest zum tragischen Helden des Abends, hatte er doch mit seiner bis dato makellosen Abwehrleistung maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Arsenal überhaupt ins Elfmeterschießen rettete. „Zwei lange Stunden überragte Gabriel seine Mitspieler um Kopf und Schultern“, lobte ihn die englische Sun.

Dass jedoch ausgerechnet ein Innenverteidiger den entscheidenden fünften Strafstoß schießen musste, sorgte im Arsenal-Lager für reichlich Verwunderung.

Auch Per Mertesacker, der von 2011 bis 2018 bei den „Gunners“ spielte, verstand die Entscheidung nicht so recht: „Ich vertraue halt nicht so oft diesen Innenverteidigern, dann in diesen entscheidenden Momenten. Da muss ein Offensivspieler dann doch ran“, bemängelte Mertesacker.

Wie Arsenal-Coach Mikel Arteta jedoch verriet, habe Gabriel selbst schießen wollen und sich die wichtige Aufgabe zugetraut. Die etatmäßigen Elfmeterschützen, wie etwa Kai Havertz oder Bukayo Saka, waren in bereits in der regulären Spielzeit ausgewechselt worden. So musste Gabriel die Verantwortung übernehmen – und scheiterte.