Im Halbfinal-Rückspiel der Champions League hat der Pariser Torhüter Matvey Safonov mit einigen ungewöhnlichen Situationen für Aufsehen gesorgt: Denn beim 1:1-Unentschieden beim FC Bayern, das die Pariser ins CL-Finale brachte, schlug der Schlussmann fast all seine Abschläge konsequent ins Seitenaus: Von 13 Versuchen landeten nur zwei bei einem Mitspieler.
PSG mit absurder Taktik beim FC Bayern
PSG mit absurder Taktik gegen Bayern
Doch je öfter der 27-Jährige den Ball ins Aus beförderte, desto klarer wurde: Hinter den verunglückten Abstößen steckte keineswegs ein fußballerisch limitierter Torwart – sondern eine offenkundig raffinierte Strategie von PSG-Coach Luis Enrique.
PSG: Diese Towart-„Fehler“ sind gewollt
Safonovs Passquote lag am Ende des Abends bei mickrigen 21,2 Prozent – seit vier Jahren war kein Spieler in der Königsklasse schlechter gewesen. Zum Vergleich: Safonovs Gegenüber Manuel Neuer kam auf knapp 70 Prozent Passquote. Die elf verunglückten Abstöße trugen ihr Übriges bei – und schienen dennoch von vornherein eingeplant.
Denn Enrique gilt nicht umsonst als einer der detaill-verliebtesten Trainer der Fußball-Welt, der kontinuierlich an neuen Kniffen für seine Mannschaft tüftelt: Und so scheint sich PSG einer neuen Spezialität verschrieben zu haben: Dem Gegner ganz bewusst Einwürfe zu schenken – zum Beispiel, indem der Ball vom eigenen Keeper ins Seitenaus befördert wird.
Paris provoziert hohe Ballgewinne
Der Plan dahinter ist simpel: Je weiter Paris den Ball in die gegnerische Hälfte dreschen kann, desto höher kann dann beim folgenden Einwurf angelaufen werden. Sofort befinden sich schließlich mehrere PSG-Spieler im Angriffsdrittel und versuchen, das Aufbauspiel des Gegners zu stören und einen Ballgewinn zu provozieren. Der Weg zum Tor ist dann nicht mehr weit.
Das, was Safonov am Mittwochabend in der Allianz Arena zeigte, ist also offenbar nur eine Weiterentwicklung des ähnlichen Anstoß-Trends, den PSG bereits seit der vergangenen Saison praktiziert: Dabei schlagen die Franzosen den Ball bei eigenem Anstoß direkt in Richtung Tribüne – der Hintergedanke ist derselbe wie bei den Abstößen des Keepers.
Auffällig war ebenfalls, dass der Großteil der Bälle, die der Russe ins Aus prügelte, auf der aus Pariser Sicht linken Seite rausflog: Das war die Seite von Michael Olise, der im Gegensatz zum Hinspiel dieses Mal überhaupt nicht an PSG-Verteidiger Nuno Mendes vorbeikam.