Champions League>

Drei Tore und eine klare Botschaft

Drei Tore und eine klare Botschaft

Nach dem Wirbel um Wechselgerüchte im Sommer sind die Wogen um Ermedin Demirovic mittlerweile geglättet. Zum Champions-League-Auftakt des VfB Stuttgart lässt er Tore sprechen, zwischen den Zeilen klingt eine Kampfansage durch.
Nach seinem Dreierpack in der Champions-League ist Ermedin Demirovic sprachlos und sehr glücklich mit seiner Leistung.
Nach dem Wirbel um Wechselgerüchte im Sommer sind die Wogen um Ermedin Demirovic mittlerweile geglättet. Zum Champions-League-Auftakt des VfB Stuttgart lässt er Tore sprechen, zwischen den Zeilen klingt eine Kampfansage durch.

Den Spielball hatte Ermedin Demirovic voller Stolz unter dem Arm, als der Dreierpacker des VfB Stuttgart die Fragen zu seinem historischen Abend in der Champions League beantwortete. „Der wird auf jeden Fall einen besonderen Platz bekommen“, sagte Demirovic und nahm die Journalisten kurzerhand mit auf eine imaginäre Roomtour.

„Ich habe im Wohnzimmer eine Wand für die besonderen Momente“, berichtete der Stürmer. Da befindet sich etwa auch der Spielball von seinem Dreierpack in Bochum am 5. April 2025. Nun kommt ein neues Erinnerungsstück hinzu, das er sich von seinen Teamkollegen signieren ließ. Der Ball vom Mittwochabend müsse „aber einen besseren Platz bekommen, damit ich ihn jeden Tag sehen kann“.

Demirovic gelingt Historisches: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“

Drei Tore schoss Demirovic damit. Innerhalb von zwölf Minuten entschied er damit die Partie gegen den norwegischen Meister Viking Stavanger (3:1). Erstmals überhaupt gelangen einem Stuttgarter Profi in der Champions League oder im Europapokal der Landesmeister drei Tore in einem Spiel.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist so ein Tag, den ich in meinem Leben nicht vergessen werde“, freute sich Demirovic.

Hinter dem bosnischen Nationalspieler liegt ein turbulenter Sommer, nicht allein aufgrund der Teilnahme an der WM. Vielmehr waren es anschließend Wechselgerüchte, die die Schlagzeilen bestimmten und sogar Trainer Sebastian Hoeneß zu einer Klarstellung zwangen. Zuletzt berichtete Demirovic selbst sogar von schlaflosen Nächten.

Demirovic: „Es hat sich ein bisschen was angestaut“

„Es hat sich ein bisschen was angestaut in mir, wobei ich froh bin, jetzt hier zu sein“, ließ Demirovic am Mittwochabend bei DAZN tief blicken: „Das ist jetzt mittlerweile auch kein Thema mehr.“

Ein Dreierpack als ultimatives Treuebekenntnis sozusagen. Und auch eine Kampfansage an seinen neuen Sturmkonkurrenten Dzenan Pejcinovic, der bei seinem VfB-Debüt im DFB-Pokal bei Hansa Rostock auch gleich mal mit drei Treffern geglänzt hatte.

„Mir geht es am Hintern vorbei, ehrlich gesagt, wer mein Konkurrent ist oder wie auch immer“, unterstrich Demirovic und versicherte, dass er ein gutes Verhältnis zu Pejcinovic habe. „Ich habe vor der Saison gesagt, wir brauchen eine schlagkräftige Mannschaft, dazu gehören drei Stürmer. Das würdest du in jedem Verein so haben und es gibt nirgendwo einen Freifahrtschein, dass du jedes Spiel machst. Ich gönne ihm genauso viel wie er mir, wie wir Deniz (Undav, Anm. d. Red.) alles gönnen.“

Blindes Verständnis mit Undav

Keinen Hehl machte er später in der Mixed Zone daraus, dass es aber gerade zwischen ihm und Undav besonders gut funktioniert. Zu zwei der drei Toren lieferte der VfB-Kapitän am Mittwochabend die Vorlage. „Ihr wisst mittlerweile alle, dass wir uns blind verstehen, nicht nur auf dem Platz sondern auch neben dem Platz“, sagte Demirovic.

Als Beispiel nannte er die Entstehung des dritten Treffers. „Viele würden den aus der Drehung wahrscheinlich volley nehmen und einfach aufs Tor schießen. Bei Denno weißt du, der Ball könnte kommen“, erklärte Demirovic. „Deswegen ist es auch so schön, hier zu spielen, weil du einfach super Mitspieler hast, die dich immer wieder füttern mit Bällen. Dann profitiert man als Stürmer einfach.“

Schon seit seinem Wechsel zum VfB Stuttgart 2024 ist Undav für Demirovic eine wichtige Stütze. „Als ich neu kam, war er da. Er hat mir geholfen, alles andere auszublenden und mich nur auf Fußball zu konzentrieren. Jetzt sind wir mittlerweile so weit, dass er mir fast jeden Ball perfekt auflegt. Deswegen läuft es super.“

Sonderlob für Demirovic

Mit seinen drei Toren zahlte Demirovic letztlich auch das in ihn gesetzte Vertrauen zurück. Nach seinem Jokertor am Freitag beim 4:1-Sieg gegen den 1. FC Köln hatte Trainer Sebastian Hoeneß ihn in der Champions League mit dem ersten Startelfeinsatz dieser Saison belohnt.

„Was soll man da sagen? Er hat in zwölf Minuten drei Tore gemacht, er hat Geschichte geschrieben. Großes Lob an Medo“, sagte Hoeneß hinterher.

Sport-Vorstand Fabian Wohlgemuth attestierte Demirovic eine „außergewöhnliche Form“ und hob auch die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit Vorlagengeber Undav hervor. „Das ist ein gutes und erstaunliches Signal, dass die individuelle Qualität in unserem Kader passt.“

Und die ist mit Neuzugang Pejcinovic nochmals gestiegen. Doch mit seinen drei Toren hat Demirovic auch eine klare Botschaft gesendet, dass er seinen Platz im Sturm nicht kampflos hergeben wird.