Der entscheidende Treffer ging nicht mal auf seine Kappe. Und trotzdem gab es am Ende kaum einen Spieler, über den bei Betis Sevilla mehr gesprochen wurde als über Marc Bartra.
Wie ein früherer BVB-Star aufblüht
Wie ein früherer BVB-Star aufblüht
Der Verteidiger hatte beim Comeback des Klubs auf der größten europäischen Bühne die Hauptrolle übernommen und mit seinem Doppelpack den Weg zum 3:2 beim OSC Lille geebnet. Nach 21 Jahren ist Betis zurück in der Champions League – und feierte direkt einen wichtigen Auswärtssieg.
Seinen ersten großen Auftritt hatte der frühere Dortmunder in der 33. Minute. Nach einer kurz ausgeführten Ecke kam der Ball über Antony zurück zu Pablo Fornals. Der Standardschütze hatte Zeit und fand mit seiner Hereingabe Bartra, der sich im Strafraum geschickt von seinem Gegenspieler löste und aus rund sieben Metern präzise ins linke Eck zum zwischenzeitlichen 1:1 köpfte.
Isco scherzt über Bartra
Nach der Pause wiederholte sich das Muster beim 2:2. Diesmal servierte Isco einen Freistoß auf den ersten Pfosten. Wieder war Bartra zur Stelle. Wieder gewann er das Duell. Wieder zappelte der Ball im Netz.
Isco konnte sich einen kleinen Spruch an seinen Teamkollegen nicht verkneifen. „Das hält jetzt nicht jeder aus. Es ist sehr intensiv“, scherzte der Kapitän der Verdiblancos mit Blick auf die große Aufmerksamkeit. Gleichzeitig betonte er, er sei „sehr glücklich für ihn“ und hoffe, dass Bartra ihnen „weiterhin so helfen wird wie bisher“.
Denn als ein Torjäger, so viel ist klar, darf sich Bartra im Normalfall nicht bezeichnen. Bis Dienstag hatte der mittlerweile 35 Jahre alte Abwehrspieler, der 2023 nach Sevilla zurückkehrte, in 225 Pflichtspielen für Betis gerade einmal 14 Treffer erzielt. In der Champions League war es überhaupt erst einer. Nun kamen innerhalb weniger Minuten zwei weitere Tore hinzu. Entsprechend emotional fiel seine Reaktion nach dem Abpfiff aus.
„Erinnerungen an Borussia Dortmund“
Bartra sprach bei Movistar von einem „Traumabend“ und machte keinen Hehl aus seiner „Rührung“. Für ihn sei der Fußball am Ende oft gerecht.
„Heute war es für uns so, weil wir mit drei Toren einen Rückstand aufgeholt haben – in einem Wettbewerb, der mir sehr gute Erinnerungen an Barca und Borussia Dortmund beschert. Mit Betis war es ein Traum, hier zu spielen, und wir haben ihn wahr gemacht. Ich bin seit vielen Jahren hier und liebe diesen Verein“, sagte der Abwehrspieler. Ein Sieg dieser Art sei „etwas ganz Besonderes“.
Doch blieb Bartra nach seinem wohl besten Abend der vergangenen Jahre auf dem Boden. Es habe „vielleicht“ etwas gefehlt, dass Betis nach der Roten Karte gegen Ethan Mbappé nicht noch ein „viertes Tor“ erzielt habe.
Viel änderte das an seiner Stimmung aber nicht. Bartra wurde zum Spieler des Spiels gewählt und widmete die Auszeichnung seiner „Familie und allen“, die ihm „helfen, sowie dem Trainer – dem Chilenen Manuel Pellegrini“. Der Coach habe ihn in „verschiedenen Aspekten“ seines Spiels „enorm verbessert“.
Bartras schlimmes Erlebnis in Dortmund
Das hilft. Hinzu kommt: Champions-League-Abende und Marc Bartra – das scheint ohnehin eine besondere Verbindung zu sein. Mit dem FC Barcelona gewann der Verteidiger 2011 und 2015 den Henkelpott. Während seiner Zeit bei Borussia Dortmund verknüpfte sich der Wettbewerb allerdings auch mit einem Erlebnis, das sein Leben nachhaltig veränderte.
Vor dem Viertelfinale gegen die AS Monaco im April 2017 detonierten mehrere Sprengsätze neben dem Mannschaftsbus des BVB. Bartra wurde als einziger Spieler schwer verletzt. Splitter trafen seinen Arm, er erlitt einen Speichenbruch und musste noch in derselben Nacht operiert werden.
Später schilderte Bartra vor Gericht, dass er im Bus um sein Leben gefürchtet habe. Das Attentat habe seine Sicht auf viele Dinge grundlegend verändert. Die Armschiene, die er nach seiner Rückkehr und beim Pokalfinalsieg 2017 trug, überließ der Spanier später dem Vereinsmuseum. Nach Stationen in Sevilla und Trabzonspor kehrte er schließlich nach Sevilla zurück, wo er nach wie vor ein gefragter Mann ist. Auch wenn es um pfiffige Aktionen geht. Zuletzt sorgte Bartra beim 1:0-Sieg seines Klubs gegen Real Madrid mit einem ungewöhnlichen Elfmetertrick für Aufsehen.
Deswegen sorgte Bartra schon gegen Real Madrid für Aufsehen
Was war passiert? In der Nachspielzeit verschoss Kylian Mbappé einen Elfmeter für die Königlichen. Auffällig war dabei vor allem Bartras Positionierung. Während des Schusses befand sich der Verteidiger bereits weit im Strafraum. Allerdings berührte er den Boden nicht, sondern sprang im entscheidenden Moment hoch. Der Plan ging auf. Nach der Parade von Álvaro Valles war Bartra sofort zur Stelle und hinderte Mbappé am Nachschuss. Obwohl die Szene noch überprüft wurde, blieb die Entscheidung bestehen.
Hinterher erklärte Bartra, er habe die Regel genau gekannt: „Vor ein paar Spieltagen war es, glaube ich, Gaya (Spieler des FC Valencia; Anm. d. Red.), der einen kleinen Hüpfer gemacht hat. Da habe ich einen Freund, der früher in der zweiten Liga gepfiffen hat, gefragt. Er hat mir gesagt: Wenn du zwar da bist, aber dein Fuß den Boden nicht berührt, wird das nicht wiederholt.“
Nicht jeder konnte darüber lachen. Real-Coach José Mourinho kommentierte später mit gewohnt spitzer Zunge und spielte seinerseits auf eine andere Situation mit Bartras Beteiligung an.
„Da lag ein Spieler auf dem Boden und sah aus, als wäre er vor der Ersatzbank gestorben“, sagte Mourinho und fügte hinzu: „Ich dachte, gleich kommt der Notarzt und holt ihn runter. Aber am Ende war das doch nicht nötig.“
Bartra reagierte mit einem Lächeln auf Mourinhos Aussagen. Sein aktueller Dauerzustand. Erst der überraschende Sieg gegen die Königlichen, dann der erfolgreiche Start in der Champions League mit einem Doppelpack. Besser könnte es dieser Tage kaum laufen.