Der sensationelle Einzug ins DFB-Pokalfinale mit Arminia Bielefeld fühlte sich für Marius Wörl wie ein unfassbarer Traum an. „Als der Schiedsrichter abgepfiffen hat, lag ich am Boden. Ich wusste gar nicht mehr, was passiert. Auf einmal kamen Fans auf mich zugelaufen“, beschrieb Wörl bei SPORT1 die Szenen unmittelbar nach dem 2:1-Sieg im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen.
Pokalheld mit Bayern-Vergangenheit
Und während der Stadionsprecher die vor Freude auf den Rasen gestürmten Fans eindringlich zum Rückzug bat, stimmte die Fankurve auf der Alm den Klassiker „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ an. „Ich glaube, ich werde die nächsten paar Tage brauchen, um das Ganze zu verarbeiten“, räumte Wörl ein.
Sein sehenswertes Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 (20.) brachte dem Drittligisten nach dem Rückstand durch Jonathan Tah (17.) den Glauben an ein erneutes Wunder zurück. Maximilian Großer (45.+3) machte die Sensation perfekt – und sorgte für einen Ausnahmezustand in Ostwestfalen, der wohl bis zum Endspiel am 24. Mai anhalten wird.
Party in Bielefeld! „Die Letzten waren um 8 Uhr zuhause“
Doch zunächst wurde im mittlerweile schon legendären Café Europa in Bielefeld die Nacht zum Tag gemacht. „Ich habe irgendwann den Absprung geschafft. Es war ziemlich viel los“, berichtete Erfolgscoach Mitch Kniat am Tag danach beim SPORT1-Webformat SPOTLIGHT. „Ich habe mir sagen lassen, dass die Letzten irgendwann um 8 Uhr zuhause waren.“
Bereits kurz nach dem Schlusspfiff hatte Kniat offiziell den Partybefehl ausgegeben. „Es ist nicht so, dass sich die Mannschaft abschotten will, wenn sie feiert. Sondern wir feiern zusammen mit den Fans. So funktioniert Bielefeld“, sagte der 39-Jährige.
Pokalheld Wörl zum „größten Feierbiest“ ausgerufen
Ganz vorne mit dabei war auch Pokalheld Wörl, der von seinem Coach auch noch zum „größten Feierbiest“ im Team ausgerufen wurde. Der Mittelfeldspieler ist im Pokal ein Wiederholungstäter.
Schon beim 2:1 im Viertelfinale gegen Werder Bremen traf er mit einem sehenswerten Schlenzer. Und in der zweiten Runde düpierte Wörl beim 2:0 mit einem Lupfer aus der Distanz Union-Torhüter Frederik Rönnow. Zudem bereitete er allein im Pokal drei weitere Bielefelder Tore vor.
Kuriose Randnotiz: In der ersten Runde schaltete Wörl seinen eigentlichen Arbeitgeber Hannover 96 aus. Vor zwei Jahren wechselte er ablösefrei vom TSV 1860 München zu den Niedersachsen, nachdem ihm als 18-Jähriger bei den Löwen in der 3. Liga der Durchbruch gelungen war.
Vom FC Bayern zu den Münchner Löwen
Insgesamt fünf Jahre war Wörl bei Sechzig. Bis 2018 zählte er zum Nachwuchs des FC Bayern. Seine Eltern fuhren ihn in jungen Jahren regelmäßig die 70 Kilometer von seinem Wohnort Gosseltshausen nach München. Auch nach seinem Wechsel in die U14 der Löwen pendelte er die Strecke noch ein Jahr. „Das war brutal stressig“, sagte Wörl einmal dem Löwenmagazin.
Nach seinem Wechsel nach Hannover fehlte zunächst die Perspektive bei den Profis. Im Rahmen einer Leihe sollte Wörl bei der Arminia Spielpraxis sammeln.
Bei den Bielefeldern entwickelte sich das Mittelfeldtalent zu einem Leistungsträger. Neben seiner starken Pokalbilanz steht Wörl in der 3. Liga aktuell bei vier Toren und zwei Assists in 29 Einsätzen. Eine Entwicklung, die auch seinem Stammverein nicht verborgen blieb.
Hannover 96 plant fest mit Wörl
Nachdem Bielefeld Ende Februar von der Kaufoption Gebrauch machte, zog Hannover die Rückkauf-Option. „Wir planen ihn für die kommende Saison fest bei 96 ein“, sagte Sportdirektor Marcus Mann.
Doch zuvor will Wörl in Berlin noch das letzte Kapitel des Bielefelder Pokalmärchens schreiben. „Es ist unglaublich, dass wir als Drittligist so eine Pokalsaison hinlegen. Überragend!“, sagte er.
Der Einzug ins Pokalfinale ist für den deutschen U20-Nationalspieler das Highlight seiner noch jungen Karriere - über einen möglichen Triumph wollte der Youngster aber noch nicht sprechen: „Ich bin einfach nur überglücklich, dass wir weitergekommen sind. Ich habe mir noch gar keine Gedanken gemacht.“