Drei Bundesligisten mussten bereits dran glauben: Erst Union Berlin, dann der SC Freiburg und schließlich Werder Bremen. Als Drittligist schaffte es Arminia Bielefeld dank mehrerer Sensationen ins Halbfinale des DFB-Pokals. Ein Sieg fehlt, um einen riesigen Coup perfekt zu machen und das Finale von Berlin zu erreichen.
„Es ist auf jeden Fall einzigartig“
Am Dienstag (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) wartet mit Titelverteidiger Bayer Leverkusen allerdings die bisher höchste Hürde auf die Ostwestfalen. Arminia-Profi Sam Schreck kennt den Gegner gut, der 26-Jährige versuchte einst bei der Werkself den Sprung zu den Profis zu vollziehen. SPORT1 hat mit ihm gesprochen und erfahren, warum er an ein Wunder gegen seinen Ex-Klub glaubt.
SPORT1: Herr Schreck, zweimal Saarbrücken, jetzt Bielefeld – schon zum dritten Mal seit 2020 ist ein Drittligist im Halbfinale des DFB-Pokal. Warum ist dieser Wettbewerb ein so gutes Pflaster für Teams aus der 3. Liga?
Sam Schreck: Ich glaube, vor allem für Vereine aus niedrigeren Ligen ist es eine gute Chance, sich auf einer bundesweiten Ebene zu beweisen und immer wieder für Überraschungen zu sorgen. Die Teams können zeigen, wie gut sie wirklich sind und dass auch Drittligisten einen guten Fußball spielen.
SPORT1: Die Arminia sorgte Runde für Runde für Furore. Mit Union Berlin, dem SC Freiburg und Werder Bremen haben Sie und Ihr Team bereits Bundesligisten aus dem Wettbewerb geworfen. Wie erleben Sie diese Pokalreise?
Schreck: Es ist auf jeden Fall einzigartig. Wir können uns in jeder Runde gegen Bundesligisten beweisen und zeigen, wie viel Potential in unserer Mannschaft und dem Verein steckt – unabhängig davon in welcher Liga wir spielen.
„Die große Unterstützung ist brutal“
SPORT1: Was zeichnet Arminia Bielefeld im Pokal aus?
Schreck: Auf jeden Fall unsere Mannschaftsleistung und die enorme Intensität, die wir auf den Platz bringen. Jeder gibt immer einhundert Prozent. Wir verteidigen extrem stark, gehen hohe Intensitäten und stellen unsere Gegner vor Aufgaben. Mit unseren Fans im Rücken haben wir natürlich ein weiteres Faustpfand. Die große Unterstützung ist brutal, das ist mindestens genauso wichtig.
SPORT1: Jetzt fehlt nur noch ein Schritt zum Finale, doch die Aufgaben werden natürlich nicht leicht. Im Halbfinale wartet der Titelverteidiger und Meister Bayer Leverkusen. Wie groß schätzen Sie Bielefelds Chancen ein?
Schreck: Wir wissen, dass Bayer Leverkusen ein sehr hartes Brett ist. Aber diese Rolle kennen wir schon, in keiner der vergangenen Runden sind wir als Favorit in das Spiel gegangen. Die Ausgangssituation ist also eine ähnliche für uns. Wir werden das Spiel wie jedes andere zuvor auch angehen und dürfen keine Angst vor dem Gegner haben. Wenn wir alles reinhauen, werden wir am Ende sehen, wofür es reicht.
„Wir alle wollen den maximalen Erfolg“
SPORT1: Was muss passieren, um das nächste Wunder auf der Alm zu schaffen?
Schreck: Es muss sehr viel zusammenkommen, damit wir ins Finale einziehen. Was unsere Mannschaft auszeichnet, ist, dass sie nie aufgibt. Wir alle wollen den maximalen Erfolg – und genauso gehen wir das Spiel an. Unser Trainerteam bereitet uns sehr akribisch auf die Spiele vor. Wenn wir es wieder schaffen, uns an die Abläufe zu halten und das nötige Spielglück zu erzwingen, könnte es vielleicht die eine Partie von einhundert sein, die wir gegen Leverkusen gewinnen.
SPORT1: Bei einem Gewinn des DFB-Pokals würde Bielefeld nächste Saison in der UEFA Europa League spielen. Haben Sie sich schon mal bei diesem Gedanken erwischt?
Schreck: Nein, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. So platt es auch klingt: Wir schauen von Spiel zu Spiel, und das von Saisonbeginn an. Es hilft mir nicht, darüber nachzudenken, was sein könnte und was nicht. Wenn wir das Spiel nicht gewinnen, tritt der Fall auch nicht ein.
„Es ist auf jeden Fall ein besonderes Spiel“
SPORT1: Für die Arminia geht es nicht nur im DFB-Pokal um viel, in der 3. Liga steckt der Verein zudem mitten im Aufstiegskampf. Wie schwer ist es, nach harten Pokalfights wie gegen Union, Freiburg oder Bremen wieder in den Liga-Alltag zurückzufinden?
Schreck: Gefühlt spielen wir die komplette Saison im Dreitagerhythmus. Neben den Ligaspielen absolvieren wir alle möglichen Partien im DFB- und im Landespokal. Jetzt sind wir an einem Punkt in der Saison, den wir uns hart erarbeitet haben. Die Kunst ist es, jedes Spiel genauso ernst anzugehen, wie das vorherige – unabhängig vom Wettbewerb.
SPORT1: Für Sie ist es eine besondere Partie, von 2016 bis 2019 haben Sie in Leverkusen gespielt. Mit welchem Gefühl gehen Sie in das Duell?
Schreck: Es ist auf jeden Fall ein besonderes Spiel. Mit Niklas Lomb habe ich nach wie vor hin und wieder noch Kontakt. Gegen den alten Verein zu spielen ist immer etwas Besonderes. Ich freue mich drauf, aber ich möchte trotzdem auch gewinnen.
Leverkusen? „Ich schätze den Klub nach wie vor“
SPORT1: Für die Werkself absolvierten Sie allerdings nur zwei Profispiele, gegen Ludogorets Rasgrad und Larnaka in der Europa League - für die Bundesliga reichte es nicht. Kam der Schritt von St. Pauli nach Leverkusen zu früh?
Schreck: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich hatte eine gute Zeit in Leverkusen, dort bin ich durch meine Einsätze zum Profi gereift. Daher würde ich sagen, dass der Schritt nicht zu früh kam. Am Ende sind es immer Kleinigkeiten, die an der einen oder anderen Stelle entscheiden. Unsere Wege haben sich dann getrennt. Aber ich schätze den Klub nach wie vor.
SPORT1: Danach gingen Sie in die Niederlande zum FC Groningen, wo Sie ein Jahr lang mit einem gewissen Arjen Robben zusammenspielten. Was haben Sie von ihm gelernt?
Schreck: Seinen absoluten Willen und Ehrgeiz. Er ist mit Ende dreißig zu uns gekommen und war noch genauso fit, wie in den Jahren zuvor. Es hat Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er war ein guter Teamkollege.
SPORT1: Während Ihrer Zeit in Leverkusen waren Sie gut mit Kai Havertz, Julian Brandt und Mitchell Weiser befreundet. Ihr wart bei Twitch als die „Ifnanas“ bekannt, so hieß euer Fortnite-Team. Haben Sie heute noch Kontakt zu den Jungs?
Schreck: Wir haben auf jeden Fall noch Kontakt und schreiben ab und zu. Das Fortnite-Team existiert tatsächlich auch noch. Aber es ist trotzdem etwas anderes, als wenn man zusammenspielt und sich jeden Tag sieht. Das war eine echt intensive und schöne Zeit.
„Der Einzug in das Pokalfinale wäre eine große Sensation“
SPORT1: Was glauben Sie: Wem drücken Havertz, Brandt und Weiser im Pokal-Halbfinale die Daumen - Ihrem Ex-Verein Bayer Leverkusen oder Ihrem Freund Sam Schreck?
Schreck: Ich hoffe, die Jungs drücken ihrem Freund die Daumen (lacht).
SPORT1: Sollte die nächste Sensation gelingen und das Finale tatsächlich erreicht werden: Wie wird die Belohnung aussehen?
Schreck: Das entscheiden wir dann, wenn es so weit ist. Aber der Einzug in das DFB-Pokalfinale wäre eine große Sensation, da würde sich bestimmt etwas arrangieren lassen.