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Die ganze Saison hängt jetzt am FC Bayern

Bayern spielt doppelt Schicksal

Bayer Leverkusen steht sich in der Bundesliga einmal mehr selbst im Weg und droht das große Saisonziel zu verpassen. Jetzt hängt die Saison der Werkself am FC Bayern – und das gleich in doppelter Hinsicht. 
Bayer Leverkusen verliert trotz Dominanz in allen Statistiken mit 1:2 gegen den FC Augsburg. Nach der Partie kann Trainer Kasper Hjulmand die Niederlage noch immer nicht richtig fassen.
Bayer Leverkusen steht sich in der Bundesliga einmal mehr selbst im Weg und droht das große Saisonziel zu verpassen. Jetzt hängt die Saison der Werkself am FC Bayern – und das gleich in doppelter Hinsicht. 

Die Bilder am Samstag vermittelten fast den Eindruck, als sei bereits eine Entscheidung gefallen. Als sei der Platz unter den ersten Vier der Bundesliga – und damit die erneute Qualifikation für die Champions League für Bayer Leverkusen bereits außer Reichweite.

Alejandro Grimaldo schlug frustriert auf den Rasen, nachdem Schiedsrichter Benjamin Brand abgepfiffen hatte. Auch Aleix García rang mit sich. Youngster Montrell Culbreath war völlig aufgelöst und musste von seinen Teamkollegen getröstet werden. 

Bayer Leverkusen patzt im Rennen um die Champions League

Hatte sich die Werkself in den vergangenen beiden Wochen mit Siegen gegen den VfL Wolfsburg (6:3) und Borussia Dortmund (1:0) im Rennen um die Champions-League-Plätze noch eindrucksvoll zurückgemeldet, folgte gegen den FC Augsburg wieder ein heftiger Dämpfer.

Trotz einer dominanten Vorstellung über weite Strecken, eines Offensiv-Feuerwerks und 35:11 Torschüssen stand letztlich eine 1:2-Niederlage. Finn Dahmen erwischte im Tor der Fuggerstädter einen Sahnetag und trieb die Rheinländer im Alleingang zur Verzweiflung. 

Statt den Angriff auf Rang vier fortzusetzen, rutschte Leverkusen auf Platz sechs ab, weil der direkte Konkurrent, die TSG Hoffenheim, parallel mit 2:1 gegen Borussia Dortmund gewann. Verloren ist zwar noch nichts – zugleich deutet vieles darauf hin, dass der Weg in die Königsklasse aus eigener Kraft kaum zu realisieren sein dürfte. Eine Erkenntnis, die die Stimmung bei allen Beteiligten spürbar in den Keller drückte. 

Champions League: Holt der FC Bayern der Bundesliga einen weiteren Startplatz?

„Jeder will in der Champions League spielen und sich mit den besten Teams messen. Es wäre eine Schande, wenn wir das nicht schaffen“, sagte Verteidiger Jarell Quansah nach dem neuerlichen Rückschlag sichtlich bedient und ergänzte: „Wir haben noch Duelle gegen direkte Konkurrenten. Trotzdem liegt es nicht unbedingt in unseren Händen, aber wir können in jedem Spiel alles versuchen.“

Und darauf hoffen, die nun wohl nötige Schützenhilfe zu bekommen. Ausgerechnet vom FC Bayern, der für Leverkusen im Endspurt der Saison gleich doppelt zum Schicksalsgegner wird. 

Warum? Weil die Münchner – ebenso wie der SC Freiburg – dazu beitragen könnten, dass die Bundesliga in der kommenden Spielzeit nicht vier, sondern fünf Startplätze für die Königsklasse erhält. Voraussetzung ist, dass die verbliebenen deutschen Vertreter im internationalen Geschäft möglichst erfolgreich abschneiden und den Rückstand auf LaLiga aufholen. Dort liegt das deutsche Oberhaus (21,214 Punkte) nur knapp hinter Spanien (21,406), das mit Atlético Madrid (Champions League) und Rayo Vallecano (Conference League) ebenfalls zwei Eisen im Feuer hat. 

Leverkusen ist an der TSG Hoffenheim dran

Sollten die Bayern dafür sorgen, dass am Ende auch Rang fünf für die Königsklasse reicht, wäre das zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer. Leverkusens Rückstand auf die TSG Hoffenheim beträgt lediglich zwei Punkte, wenngleich Simon Rolfes den Blick auf die eigenen Belange richtete.

„Warten wir ab, wie es am Ende der Saison aussieht. Das Ergebnis gegen Augsburg verschlechtert unsere Ausgangsposition. Wir wollten den Druck auf die Konkurrenz hochhalten, das haben wir heute nicht geschafft“, beklagte der Geschäftsführer. Dennoch sind Harry Kane, Michael Olise und Co. auch in einer zweiten Hinsicht das Zünglein an der Waage.

Pokal-Halbfinale gegen Bayern? „Das sollte alle elektrisieren“

Am Mittwoch bietet sich Leverkusen im Halbfinale des DFB-Pokals (20.45 Uhr im LIVETICKER) eine weitere Chance, einer bislang teils zähen Saison doch noch eine erfolgreiche Wendung zu geben. „Es ist eine große Sache, sollten wir ins Finale einziehen. Das sollte alle elektrisieren“, betonte Rolfes und sprach von einem „besonderen Spiel für alle“.

Einziger kleiner Haken: Der Gegner hat es in sich, niemand Geringeres als der deutsche Rekordmeister selbst wartet. Vincent Kompanys Teams wiederum will die 0:1-Niederlage aus dem Viertelfinale des Vorjahres unbedingt vergessen machen und erstmals seit 2020 wieder ins Endspiel von Berlin einziehen. 

Im Rheinland lautet die Marschroute für die kommenden Tage und Wochen also: International Gebete nach München schicken und die Daumen drücken, im Pokal einen umso schwächeren Tag des FCB herbeisehnen. Davon hängt maßgeblich ab, ob die eigene Saison im Rückblick eher als Erfolg oder Misserfolg bewertet wird.

Das Finale in der Hauptstadt und die Qualifikation für die Champions League? Angesichts des großen Umbruchs im vergangenen Sommer wäre das ein absolut positives Resultat. Ein Aus im Pokal-Halbfinale und Platz sechs in der Bundesliga hingegen würden die kritischen Stimmen zwangsläufig lauter werden lassen. 

Leverkusen steht vor einer entscheidenden Woche

Doch noch ist nichts entschieden. So warteten nach der Pleite gegen Augsburg einige Ultras hinter dem Tor auf die Werkself – nicht aber zu einem Krisengespräch. „Die Fans haben uns total den Rücken gestärkt. Sie haben uns einen großen Motivationsschub für das Pokal-Halbfinale gegeben“, klärte Quansah im Anschluss auf: „Sie haben uns gesagt, wie sehr sie hinter uns stehen. Es ist eine große Solidarität zwischen Fans und Spielern. Wir wissen alle, wie stark die Bayern sind. Jeder wird gebraucht, um dieses Match zu gewinnen. Ich kann mich nur für diese Botschaft bedanken.“ 

Minutenlang zog sich das Gespräch, dann gingen Spieler und Fans wieder auseinander. Aus der Nordkurve hallte dabei unüberhörbar ein Appell auf den Rasen: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus.“

Für Leverkusen beginnt die womöglich entscheidende Woche. Zunächst steht am Mittwoch das Duell gegen die Münchner an, bevor es am Samstag im Bundesliga-Derby zum 1. FC Köln geht. Sollte auch dort kein Sieg gelingen, dürfte der Traum der Champions League endgültig beendet sein. Und die Schande, wie Quansah es nannte, wäre quasi perfekt.