DFB-Pokal>

Einzelkritik: Nur einer hält der Bayern-Wucht stand

Nur einer hält der Wucht stand

Bei der Pokalpleite gegen den FC Bayern sticht bei Bayer Leverkusen lediglich Mark Flekken mit einer überzeugenden Leistung heraus. SPORT1 bewertet die Spieler in der Einzelkritik.
Bayer Leverkusen ist den Bayern im Halbfinale des DFB-Pokals über weite Strecken klar unterlegen. Entsprechend eindeutig fällt die Einschätzung von Robert Andrich aus.
Bei der Pokalpleite gegen den FC Bayern sticht bei Bayer Leverkusen lediglich Mark Flekken mit einer überzeugenden Leistung heraus. SPORT1 bewertet die Spieler in der Einzelkritik.

Für Bayer Leverkusen sind die Titelträume in dieser Saison geplatzt: Die Mannschaft von Kasper Hjulmand unterlag im Halbfinale des DFB-Pokal dem FC Bayern München mit 0:2. Über weite Strecken blieb die Werkself an diesem Abend harmlos, ließ es an Kreativität fehlen und entwickelte kaum Durchschlagskraft im Angriff.

In den gesamten 90 Minuten musste Münchens Schlussmann Manuel Neuer nur einmal ernsthaft eingreifen. Bayer-Keeper Mark Flekken sein Team mit mehreren starken Paraden wenigstens vor einer noch deutlicheren Niederlage. Die SPORT1-Einzelkritik.

Bayer Leverkusen: Flekken verhindert Schlimmeres

MARK FLEKKEN: An ihm lag es nicht. Eine Viertelstunde lang blieb er fast beschäftigungslos, dann wurde er von Luiz Díaz erstmals ernsthaft geprüft und war im linken Eck zur Stelle. Nur zwei Minuten später rettete er erneut stark, diesmal aus kurzer Distanz gegen Harry Kane. Dass Bayer erst in der 21. Minute in Rückstand geriet, war vor allem sein Verdienst. In der Folge hielt er Abschlüsse von Joshua Kimmich und Michael Olise souverän, strahlte bei Hereingaben Sicherheit aus und überzeugte auch im Spiel mit dem Ball am Fuß. Nach der Pause bot sich ein ähnliches Bild: Mit teils herausragenden Paraden gegen Josip Stanisic (55.), Kane (62.) sowie gleich zweimal gegen Díaz (74./90.) verhinderte er lange den zweiten Gegentreffer. Beim 0:2 letztlich machtlos. Ansonsten eine blitzsaubere Leistung. SPORT1-Note: 1.

EDMOND TAPSOBA: Nach wenigen Sekunden gewann er einen ersten Zweikampf gegen Kane, doch es sollte für längere Zeit sein einziges Erfolgserlebnis bleiben. Der Mann aus Burkina Faso erwischte keinen guten Tag und ließ sich seinen Frust darüber anmerken. Allein im ersten Durchgang unterliefen ihm sechs Ballverluste, ehe er mit einem rüden Einsteigen gegen Kimmich seinem Ärger Luft machte und dafür folgerichtig Gelb sah (38.). Auch nach dem Seitenwechsel gelang es ihm zu selten, die Bayern konsequent vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Holte sich zumindest noch einmal Sonderapplaus ab, als er Olise als letzter Mann stark vom Ball trennte (73.). SPORT1-Note: 4,5.

ROBERT ANDRICH (bis 84. Min): Nach der bitteren Pleite gegen Augsburg rückte er wieder ins Abwehrzentrum und verdrängte Loïc Badé auf die Bank. Sein Auftritt blieb allerdings von Licht und Schatten geprägt: mitunter unsauber im Passspiel, dazu mit hartem, grenzwertigem Einsatz gegen Musiala (19.). Dennoch wirkte er insgesamt präsenter und stabiler als seine Nebenleute. Kurz nach der Pause bewahrte er sein Team vor einer frühen Vorentscheidung, er klärte einen Abschluss von Musiala vor der Linie – und damit auch vor dem einschussbereiten Díaz (49.). SPORT1-Note: 3.

JARELL QUANSAH: Was für Tapsoba gilt, trifft auch auf Quansah zu. Von der Wucht der Münchner Angriffe phasenweise überfordert, konnte er seiner Mannschaft nur selten Stabilität verleihen. Zumindest setzte er offensiv ein kleines Zeichen, als er nach 69 Minuten in den Münchner Strafraum aufrückte und Patrik Schick mit einer brauchbaren Flanke bediente. SPORT1-Note: 4,5.

ALEJANDRO GRIMALDO: Hatte auf seiner linken Seite das zweifelhafte Vergnügen, sich mit Olise auseinanderzusetzen. Gegen den umtriebigen Franzosen konnte er nicht jede Aktion unterbinden, machte dabei alles in allem aber keine schlechte Figur. Seine sonst so typischen Offensivvorstöße litten unter den defensiven Aufgaben aber sichtbar. So blieb ihm über die gesamte Partie hinweg die Möglichkeit verwehrt, der Begegnung seinen Stempel aufzudrücken. SPORT1-Note: 4.

EXEQUIEL PALACIOS: Eigentlich ein Abend wie für ihn gemacht – entsprechend wenig überraschend, dass der argentinische Kämpfer in eine kleinere Rudelbildung verwickelt war (44.). Palacios wirkte von Beginn an hochgefahren, agierte gewohnt aggressiv, suchte jeden Zweikampf und war auch darüber hinaus Zeichen zuständig. Schubste Laimer nach sechs Minuten auf Höhe der Mittellinie über die TV-Kamera, legte sich kurz vor der Pause mit Olise an. Doch spielerisch ließ auch Palacios einiges zu wünschen übrig und konnte offensiv nur wenige Akzente setzen. SPORT1-Note: 3.

Leverkusen: Vazquez‘ Abgang ein Sinnbild der Saison

ALEIX GARCIA: Für einen kuriosen Moment sorgte der Spanier schon vor dem Anpfiff. Während der Pyro-bedingten Wartezeit, als sich beide Teams gemütlich den Ball zuspielten, rutschte er aus und landete mit weit ausgebreiteten Armen auf dem Rasen. In der Partie selbst blieb er dann weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. García war nahezu durchgehend damit beschäftigt, im Zentrum Räume zu schließen und seine Nebenleute zu ordnen. Nach vorne setzte er dagegen kaum Impulse.  SPORT1-Note: 4.

LUCAS VAZQUEZ (bis 39. Min): Völlig gebrauchter Abend. Zunächst überraschend, dass der zu Jahresbeginn lange verletzte Ex-Profi von Real Madrid überhaupt den Platz in der Startelf erhielt und nicht Youngster Montrell Culbreath oder der schnelle Ernest Poku. Dann war er oft einen Schritt zu spät und in seinen Aktionen nicht konsequent genug, humpelte er noch vor der Pause angeschlagen vom Platz. In gewisser Hinsicht ein Sinnbild seiner Saison. SPORT1-Note: 5.

NATHAN TELLA (bis 77. Min): Als schnellster Spieler der Rheinländer sollte er Tempo in die Umschaltaktionen bringen – so zumindest der Plan. Die Realität sah allerdings anders aus: Tella hing wahlweise in der Luft oder prallte an der Bayern-Defensive um Jonathan Tah und Dayot Upamecano ab. Nach dem Seitenwechsel mit einem kleinen Lichtblick, als er mit dem ersten Leverkusener Torschuss des Abends dafür sorgte, dass Manuel Neuer nach 51 Minuten nicht mehr völlig arbeitslos war. SPORT1-Note: 5.

Bayer: Schick war nahezu unsichtbar

IBRAHIM MAZA: Wenn sich die Werkself über die Mittellinie wagte, war das in vielen Fällen eng mit den Füßen von Maza verbunden. Kleines, aber nicht unwichtiges Problem an der Sache: Das passierte kaum. In der ersten halben Stunde war der algerische Nationalspieler lediglich siebenmal am Ball – für einen Spieler seines Formats ein völlig untypischer Wert. Bis zur Pause kamen nur sechs weitere Ballkontakte hinzu. Als Leverkusen im Verlauf des Abends etwas mutiger wurde, taute auch er allmählich auf, ohne eine entscheidende Szene zu initiieren. SPORT1-Note: 4.

PATRIK SCHICK: Seinen Gegenspieler Tah kennt er aus unzähligen gemeinsamen Trainingseinheiten, einen Vorteil konnte er daraus nicht selten ziehen. Eine Flanke von Vazquez erreichte ihn zwar (27.), doch er brachte die Kugel nicht unter Kontrolle. Deutlich besser war seine Gelegenheit im zweiten Durchgang, als er Quansahs Hereingabe knapp über den Querbalken köpfte (69.). Ansonsten wurde er von seinem ehemaligen Teamkollegen Tah und Upamecano eng und aufmerksam bewacht, ihm boten sich nur wenige Momente. Über weite Strecken nahezu unsichtbar. SPORT1-Note: 5.

ERNEST POKU (ab 39. Min): Am Willen mangelte es dem jungen Niederländer nicht, am Durchsetzungsvermögen hingegen schon eher. Poku erlief sich einige Bälle, war den Bayern physisch aber klar unterlegen, handelte immer wieder zu ängstlich und konnte allzu selten glänzen. SPORT1-Note: 5.

MONTRELL CULBREATH (ab 77. Min): Wurde für die Schlussminuten eingewechselt und warf alles in die Waagschale, konnte dem Spiel aber keinen spürbaren Impact mehr geben. SPORT1-Note: Ohne Bewertung.

MALIK TILLMAN (ab 84. Min): Kam gegen seinen früheren Klub kurz zum Einsatz, verbuchte ebenso keine nennenswerte Aktion. SPORT1-Note: Ohne Bewertung.