Zwar nicht glanzvoll, dennoch souverän die Aufgabe gemeistert: Der FC Bayern hat am Mittwochabend Bayer Leverkusen im DFB-Pokal-Halbfinale mit 2:0 (1:0) bezwungen und steht erstmals seit 2020 wieder im Pokalfinale.
FC Bayern: Ein Merkmal fällt bei Upamecano auf - Einzelkritik
Einzelkritik: Der Fels in der Brandung
Manuel Neuer erlebte einen relativ ruhigen Abend, zeichnete sich aber in wichtigen Momenten aus. Vor ihm gab es an Dayot Upamecano kein Vorbeikommen. Beim Franzosen stach aber nicht nur die sportliche Leistung heraus. In der Angriffsreihe tauchten die Stars Luis Díaz und Jamal Musiala lange Zeit ab. Die SPORT1-Einzelkritik:
FC Bayern: Stanisic erlebt Schreckmoment
MANUEL NEUER: Musste tatsächlich über 51 Minuten warten, bis er gefragt war. Den Schuss von Tella wischte er dann gekonnt um den langen Pfosten. Ein zweites Mal fiel der Keeper auf, als er 15 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit fast bis an die Mittellinie gelaufen kam und den Ball aus der Gefahrenzone köpfte. Im Aufbauspiel diesmal nicht immer sattelfest. SPORT1-Note: 2
JOSIP STANISIC: Wechselte sich mit Dayot Upamecano darin ab, Nathan Tella die Grenzen aufzuzeigen – das gelang den beiden gut. Wirkte gerade nach vorne nicht so aktiv wie Laimer, machte aber in der ersten Halbzeit eine seriöse Partie. Einen Schreckmoment erlebte er in Minute 56, als er sich im gegnerischen Strafraum den Knöchel verdrehte und lange liegen blieb – er konnte aber weiterspielen. Großen Einfluss nahm er aber nicht mehr auf die Partie. SPORT1-Note: 4
Upamecano der Fels in der Brandung
JONATHAN TAH: Oberste Aufgabe des Innenverteidigers war es, Patrik Schick nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Geriet kurz nach der Pause wegen eines vermeintlichen Handspiels in den Fokus der Aufmerksamkeit – der Pfiff blieb aber aus. In Leverkusens starken Phasen hatte auch er Mühe, den Überblick zu behalten. SPORT1-Note: 3
DAYOT UPAMECANO: Hatte nach einer Eckball-Variante die erste Halbchance der Münchner. Sein Versuch landete aber über dem Tor. Gemäß der Kompany-Vorgabe tauchte der Franzose auch immer wieder tief in der Leverkusener Hälfte auf und sorgte dort für Druck. Hinten ging er seriös und konsequent vor, an ihm gab es kein Vorbeikommen. Zu seiner positiven Entwicklung gehört es auch, dass er nach gelungenen Aktionen sich und die Kollegen emotional pusht. SPORT1-Note: 1
Zwei Kimmich-Aktionen bleiben unbestraft
KONRAD LAIMER: Aufgrund der bayerischen Dominanz im ersten Abschnitt konnte sich der Österreicher immer wieder nach vorne orientieren. Seine beste Gelegenheit entschärfte aber Flekken (20. Minute). War wie immer ein Muster an Einsatz und Laufbereitschaft. Allerdings gelang natürlich nicht alles. Seine Auswechslung in der 73. Minute kann daher kaum leistungsbezogene Gründe gehabt haben – da ging es eher um Belastungssteuerung. SPORT1-Note: 2
JOSHUA KIMMICH: War in der Hälfte der Gastgeber fast überall zu finden und verteilte brav seine Bälle. Zeitweise gestanden ihm die Leverkusener extrem viel Platz und Zeit zu. Entsprechend locker konnte er die Rolle des Ballverteilers einnehmen. Für Stirnrunzeln sorgte er mit einem Pass quer durch den eigenen Strafraum – damit hatte nicht einmal Leverkusens Schick gerechnet, daher blieb die Aktion ohne Folgen. Später erlaubte er sich ein ähnliches Abspiel – nur ein paar Meter weiter vorne. Da wirkte er unsicher. SPORT1-Note: 3
Kein „Magic Musiala“
ALEKSANDAR PAVLOVIC: Bekam gerade in der Anfangsphase enorm viel Druck ab, wirkliche Probleme hatte der 21-Jährige damit aber nicht. Nur einmal kam er gegen Maza zu spät und kassierte gleich die Gelbe Karte (43. Minute). Diesen Biss legte er aber im Laufe der Partie ab und nahm nicht mehr eine so große Rolle im Spiel der Bayern ein wie noch zuvor. Nach 73 Minuten war sein Arbeitstag beendet. SPORT1-Note: 3
MICHAEL OLISE: Bekam regelmäßig die Pfiffe des Leverkusener Publikums ab. Ausgangspunkt war, dass sich der Franzose nach einem Schlag auf den Knöchel in der 8. Minute eine Pause gönnte, aber dann doch ohne Probleme weiterspielen konnte. „Mr Nonchalant“ versuchte viel, eine zündende Idee war aber lange nicht dabei. Ärger gab es, als er sich kurz vor der Pause nach einem Zweikampf an Palacios‘ Bein festklammerte. Wie immer wurde er gefährlich, wenn er den Ball hatte, einige Möglichkeiten spielte er aber nicht gut aus und blieb an den Gegnern hängen. SPORT1-Note: 3
JAMAL MUSIALA: Auch an diesem Abend bekam man nicht den „Magic Musiala“ zu sehen, den Bayern-Trainer Vincent Kompany für die nahe Zukunft angekündigt hatte. Der Nationalspieler wirkte zwar angstfrei, konnte dem Spiel aber trotz Torvorlage nicht seinen Stempel aufdrücken. Hatte kurz nach Wiederanpfiff Pech, dass sein herrlicher Lupfer noch von Andrich abgefangen wurde. Über weite Teile des zweiten Abschnitts konnte er nur vereinzelt für Alarm sorgen und wurde in der 84. Minute ausgetauscht. SPORT1-Note: 4
Kane überzeugt nicht nur wegen seines Tores
LUIS DÍAZ: Startete fleißig in die Partie und feuerte nach exakt 15 Minuten einen gut platzierten Schuss ab – Flekken fischte den Ball aber aus dem unteren Eck heraus. Tauchte über weite Strecken ab und ließ sich nur noch vereinzelt blicken. Bis zu seinem Treffer in der Nachspielzeit war seine aufregendste Szene in der 74. Minute zu bewundern. In Rückenlage setzte er den Ball aber aus acht Metern über den Kasten. Trotz des Tores ein vergleichsweise schwacher Abend des Kolumbianers. SPORT1-Note: 3
HARRY KANE: Tauchte bereits zu Beginn der Partie immer wieder gefährlich im Strafraum der Hausherren auf und nutzte gleich seine erste echte Chance zum 1:0-Führungstreffer. Hatte auch in der Folge gute Gelegenheiten, in denen er im gegnerischen Strafraum kaum gestört wurde. Die beste vergab er in der 62. Minute – da konnte Flekken gegen den Engländer glänzen. Auch wenn die Möglichkeiten immer weniger wurden, blieb er ein wichtiger Faktor – auch weil er nach hinten mitarbeitete. SPORT1-Note: 2
LEON GORETZKA: Kam in der 73. Minute für Pavlovic aufs Feld. Der Nationalspieler sorgte wieder für etwas mehr Stabilität im Zentrum, konnte aber nach vorne keine großen Impulse setzen. In der Schlussphase ging es darum, das Ergebnis zu halten – daran hatte er seinen Anteil. SPORT1-Note: 3
ALPHONSO DAVIES: Ab der 73. Minute für Laimer im Spiel. Der Kanadier beeindruckte vor allem dann, wenn er in Sprintduellen seinen Gegenspielern mehrere Meter abnahm. Immer wenn es Leverkusen über die linke Seite versuchte, war klar, dass Davies schneller am Ball sein würde. Ein kurzer, aber guter Auftritt. SPORT1-Note: 2
MINJAE KIM: Durfte ab der 84. Minute für Musiala ran und half dabei, den Sieg zu sichern. SPORT1-Note: ohne Bewertung