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Das kleinste Dorf der Pokal-Geschichte

Das kleinste Dorf der Pokal-Geschichte

Der VfB Krieschow ist der kleinste Verein der DFB-Pokal-Geschichte. Für die Sensation hat der Amateurklub ein ungewöhnliches Mittel parat.
Die Fans des VfB Krieschow freuen sich auf den FSV Mainz 05
© IMAGO/Matthias Koch
Lars Hinzberg
Der VfB Krieschow ist der kleinste Verein der DFB-Pokal-Geschichte. Für die Sensation hat der Amateurklub ein ungewöhnliches Mittel parat.

480 bis 550 Menschen – die Angaben schwanken je nach Quelle – nennen das brandenburgische Krieschow, 14 Kilometer westwärts von Cottbus, ihr Heim. Eine Kirche, eine geschlossene Gaststätte, Felder – viel ist nicht los im Ortsteil der Gemeinde Kolkwitz. Dennoch sind an diesem Wochenende vermutlich so viele Augen wie noch nie auf das beschauliche Örtchen gerichtet: Als kleinster Gastgeber der Geschichte empfängt der VfB Krieschow am Sonntag um 15.30 Uhr den 1. FSV Mainz 05 zur ersten Runde im DFB-Pokal.

4.000 Zuschauer sollen mittels provisorischer Behelfstribünen im ortseigenen Sportpark Platz finden. Ungewohntes Scheinwerferlicht, schließlich ist das Brot-und-Butter-Geschäft der Blau-Weißen sonst die fünftklassige NOFV-Oberliga-Nordost, vor den Augen von durchschnittlich 250 zahlenden Gästen.

DFB-Pokal: So will Krieschow die Sensation schaffen

10 Euro kostet eine Karte normalerweise für Vollzahler. Für den Pokalkracher gegen den FSV werden 34,50 Euro für einen Sitzplatz aufgerufen. Alles ist bereit für die große Überraschung, die nicht der erste Coup der Lausitzer wäre. Dass man überhaupt im DFB‑Pokal startet, verdankt man dem 2:1-Sieg im brandenburgischen Landespokal gegen den großen Nachbarn und Zweitliga-Aufsteiger Energie Cottbus.

Die Außenseiterrolle bleibt trotz dieses Achtungserfolges zementiert. Phrasen wie „David gegen Goliath“, das „gallische Dorf“ oder „der Glaube, der Berge versetzen kann“, schreiben sich da von selbst. Während die Berge, wenn, dann sprichwörtlich versetzt werden, war bei den Werbebanden tatsächlich eiserner Wille gefragt.

Zu nah am Spielfeld seien die vorhandenen Barrieren gewesen. Da die DFB-Regularien in dieser Hinsicht nur wenig Spielraum zulassen, mussten kurzerhand alle Balustraden aus dem Boden entfernt und weiter hinten wieder eingesetzt werden.

Nur sportlich ist der VfB noch nicht ganz in Pokalform. In der Oberliga belegt man nach zwei Spielen Rang 14, den Relegationsplatz. Niederlagen gegen Meuselwitz und die SG Union Sandersdorf können die Aufbruchsstimmung jedoch nicht bremsen.

Stürmer Andy Hebler hat bereits einen Plan, sollte es sportlich nicht reichen. „Erst einmal haben sie eine lange Trainingswoche, dann müssen sie 600 Kilometer in den tiefsten Osten fahren. Wir haben schon aus Spaß gesagt: Jetzt noch die Kabine auf 40 Grad aufdrehen und ein paar gammelige Bananen reinlegen, damit die richtig genervt sind“, scherzte er bei ntv.