Im Kampf um die Nummer eins in der Nationalmannschaft musste Marc-André ter Stegen im Duell mit Manuel Neuer einige Rückschläge hinnehmen. Vor allem die Entscheidung des früheren Bundestrainers Joachim Löw, Neuer nach langer Verletzungspause bei der WM 2018 zum Stammtorhüter zu machen, schmerzte ter Stegen.
Ter Stegen: Deutliche Hoeneß-Kritik
„Die Entscheidung 2018 hat mich am härtesten getroffen“, sagte ter Stegen im Bild-Podcast „Phrasenmäher“. „Ich habe fast alle Spiele gemacht, das war bis dahin mein bestes Jahr. Für mich war das in dem Moment nicht gerecht.“
Neuer hatte wegen eines Mittelfußbruchs fast die komplette Saison 2017/18 verpasst und erst in der Vorbereitung auf das Turnier in Russland sein Comeback gefeiert.
Im Jahr darauf eskalierte die T-Frage in der Nationalmannschaft. Nachdem ter Stegen öffentlich seine Reservistenrolle hinter Neuer beklagt hatte, mischten sich die Bayern-Bosse um Uli Hoeneß in die Debatte ein.
Ter Stegen kritisiert Hoeneß für damalige Attacke
„Das fand ich schlecht genutzte Wucht. Ich weiß nicht, warum er sich überhaupt eingemischt hat. Zu dem Zeitpunkt hatte er Themen, die ihn mehr hätten interessieren sollen“, sagte ter Stegen rückblickend in Bezug auf Hoeneß' öffentliche Attacke.
Der damalige Bayern-Präsident hatte ter Stegen jeglichen Anspruch auf die Nummer eins im DFB-Tor abgesprochen und gar eine Medienkampagne gewittert. „Die westdeutsche Presse unterstützt ihn extrem, als hätte er schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen. Ich finde es unmöglich, dass man so ein Thema in die Öffentlichkeit bringt“, sagte Hoeneß damals.
„Für mich war die Wortwahl nicht vernünftig, das war nicht in Ordnung“, sagte ter Stegen. „Aber ich werde jetzt nicht sagen: ‚Oh ne, das hätte er nicht sagen dürfen.‘ Hat er gemacht. Ich weiß nicht, was er darüber denkt, wenn er es sich jetzt selbst anhört. Keine Ahnung. Ist mir aber auch egal."
Auch vor der Heim-EM im vergangenen Jahr hatte sich ter Stegen Hoffnungen auf einen Stammplatz im DFB-Tor gemacht. Bundestrainer Julian Nagelsmann entschied sich aber ebenfalls für Neuer, der nach dem Turnier seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte.
Das schätzt ter Stegen an Nagelsmann
„Julian ist als Typ gerade raus, genau so bin ich auch. So, wie er es mir erklärt hat, war es für ihn keine leichte Entscheidung“, sagte ter Stegen über den erneuten Dämpfer aus seiner Sicht. „War ich glücklich darüber? Sicher nicht! Ich habe gesagt, dass ich das respektiere – aber eine andere Meinung habe."
Zugleich betonte der 32-Jährige: „Das heißt aber nicht, dass ich ihn deswegen weniger schätze. Julian war und ist immer sehr ehrlich. Dementsprechend habe ich eine Riesen-Vorfreude auf alles, was bei der Nationalmannschaft jetzt kommt.“
Nagelsmann hatte sich zuletzt klar für ter Stegen ausgesprochen. „Wenn er zu hundert Prozent leistungsfähig ist, wird er die Nummer eins sein. Er hätte es verdient, ein großes Turnier zu spielen. Wir geben ihm die Zeit“, sagte Nagelsmann vor dem Nations-League-Spiel gegen Italien.
Ter Stegen hofft auf baldiges Comeback
Aktuell arbeitet ter Stegen an seinem Comeback. Er fühle sich körperlich fit wie nie und sei voller Energie, sagte ter Stegen: „Ich habe ein super Team um mich herum, halte jede Belastung gut aus und bin hungrig darauf, bald zu spielen – ohne ein genaues Datum im Kopf zu haben. Wenn ich die Belastungen mit Passformen und alle Teile des Mannschaftstrainings jetzt gut meistere, werde ich den Trainer (Hansi Flick, Anm. d. Red.) schon mal anpieksen, damit er weiß, dass ich bereit bin."
Der Torhüter des FC Barcelona hatte sich zu Saisonbeginn die Patellasehne im rechten Knie gerissen. Die Reha verlief besser als zunächst befürchtet. Zu Wochenbeginn stand ter Stegen bei Barca wieder auf dem Trainingsplatz. Laut der spanischen Zeitung Sport will der Keeper nach dem Champions-League-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund (9. und 15. April) voll ins Mannschaftstraining einsteigen.