„Leo, du kannst auf deine Mami sehr stolz sein.“ Am Ende ihrer Laudatio wendet sich Hannelore Ratzeburg an den Sohn von Doris Fitschen. Im März ist die langjährige Nationalspielerin und ehemalige DFB-Kapitänin gestorben.
Emotionale Momente bei DFB-Ehrung
Emotionale Momente bei DFB-Ehrung
Bis ganz zum Schluss war sie als Gesamtkoordinatorin Frauen im Fußball beim DFB aktiv und verantwortlich für die Entwicklung und Umsetzung der Strategie „Frauen im Fußball FF27“. Die 144-malige Nationalspielerin Fitschen war keine, die je klein beigab, auch nicht im Angesicht der schweren Krankheit. Ihr Glas, das bestätigen alle, die sie kannten, war immer halb voll.
Posthum hat der DFB-Bundestag die mit 56 Jahren verstorbene Fitschen nun zur Ehrenspielführerin ernannt. Es ist ein Versäumnis, dass dies erst nach ihrem Tode passiert: Fitschen, die Spielerin mit dem Stirnband und der Rückennummer 5, hat auf dem Feld ebenso wie menschlich eine Ära im Fußball der Frauen geprägt, nicht nur durch den ersten internationalen Titel der DFB-Frauen bei der EM 1989.
Sohn von Doris Fitschen nimmt Ehrung entgegen
Die Ehrung im Plenarsaal des DFB-Campus nahm ihr Sohn Leo entgegen. Im dunklen Anzug stand der Junge auf der großen Bühne und lächelte in den Saal.
Zuvor wurde bereits Bernard Dietz zum Ehrenspielführer ernannt – als letzter Kapitän, der mit der Nationalmannschaft einen Titel gewinnen konnte, war „Ennatz“ noch ohne diese Auszeichnung. Laudator Jürgen Klinsmann befand, die Europameister von 1980 liefen manchmal wohl ein wenig unter dem Radar. Mit der Auszeichnung wurde Dietz nun ins angemessene Licht gerückt.
Klinsmann erntet gutmütige Lacher
Über die Ernennung zum Kapitän der Nationalelf seinerzeit erzählte Klinsmann scherzend, häufig sei die überraschte Frage gestellt worden: „Wie kann das sein, der spielt doch beim MSV Duisburg?“ Damit erntete er gutmütige Lacher im Saal.
Und er ergänzte: „Viele haben gar nicht auf dem Schirm, dass du als Stürmer angefangen hast, als Linksaußen, dass du ein exzellenter Fußballer warst.“ Von 1974 bis 1981 lief Dietz 53 Mal fürs Nationalteam auf. „Ein Vorbild, ein Anführer, der sich immer in den Dienst seiner Mannschaft stellte“, charakterisierte Bernd Neuendorf.
Auch Neid geehrt
Dritte im Bunde war an diesem Tage Silvia Neid, die ebenfalls als Ehrenspielführerin ausgezeichnet wurde. Neids Erfolge als Spielerin (111 Einsätze für die Nationalelf) und Trainerin bleiben absolut außergewöhnlich. Sie hat im Fußball über Jahrzehnte Fußstapfen hinterlassen und prägt ihn hinter den Kulissen weiterhin.
Als Spielerin, Co-Trainerin und Cheftrainerin war Neid an allen acht EM-Titeln der DFB-Frauen beteiligt. Sie hat auch in Zahlen Erfolge geschrieben, die ihresgleichen suchen. Gleich drei Mal, 2010, 2012 und 2016, wurde sie FIFA-Welttrainerin des Jahres.
„Ich nehme diese Ehrung stellvertretend für alle an, die unseren Weg geprägt und gestärkt haben in den letzten Jahren“, sagte Neid und bedankte sich charmant bei Ratzeburg für deren Laudatio, die aber leider Struktur und Höhepunkte vermissen ließ.
Ganz im Gegenteil zu den Karrieren von Fitschen, Dietz und Neid. Sie sind echte Aushängeschilder des deutschen Fußballs.