In der 29. Minute hallte es plötzlich unüberhörbar „Deniz Undav“ durch das Stadion in Stuttgart. In der 88. Minute brachen dann alle Dämme.
Diese Reaktion ist ein echter Undav
Diese Reaktion ist ein echter Undav
Der Hintergrund: Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte den VfB-Stürmer für das deutsche Testspiel gegen Ghana (2:1) nicht von Beginn an gebracht. Stattdessen spielte zunächst der Ex-Stuttgarter Nick Woltemade. Und ausgerechnet Undav sollte später den Siegtreffer erzielen.
Es kam, wie es kommen musste: Kurz vor Schluss legte der eingewechselte Leroy Sané für Undav auf, der geschickt einnetzte und damit die Fans in Stuttgart in Ekstase versetzte (88.). Die Freude stand dem Stürmer ins Gesicht geschrieben.
DFB-Team: Undav zunächst nur auf der Bank
Nach einer knappen halben Stunde sah alles noch ganz anders aus. Beim Stand von 0:0 entschlossen sich die Fans in Stuttgart, wohlgemerkt auch der Verein von Undav, kurzerhand selbst Werbung für den formstarken Angreifer zu machen.
Undav schien sich über die Geste zu freuen. Er stand von der Auswechselbank auf, lächelte und applaudierte in Richtung der Zuschauer. In der 35. Minute wiederholten sich die „Deniz Undav“-Sprechchöre. Undav, der sich inzwischen beim Aufwärmen befand, nahm es wieder mit einem Lächeln zur Kenntnis. Fortan wiederholten sich „Undav“-Rufe immer wieder.
ARD-Experte Bastian Schweinsteiger kommentierte die Szenerie um Undav in der Halbzeit amüsiert: „Ich war enttäuscht, dass Undav sich nicht selbst eingewechselt hat bei seinem Selbstvertrauen.“
Dass Kai Havertz in der 45. Minute per Handelfmeter zum 1:0 traf, verringerte zwar die Not, personell zu reagieren – dennoch wechselte Nagelsmann Undav nach der Pause für Serge Gnabry ein – natürlich unter tosendem Applaus.
Nagelsmann erklärt seine Entscheidung
Vor Anpfiff hatte Nagelsmann in der ARD erklärt, wieso er sich für Woltemade anstelle von Undav entschieden habe: „Deniz hat viele gute Aktionen, auch in der Liga, wenn der Gegner vielleicht schon müde ist. Er hat eine außergewöhnliche Kreativität. Die geht so ein bisschen flöten, wenn er im Spiel sehr viel erstmal arbeiten muss. Das ist der eine Grund“, sagte der Bundestrainer in Anbetracht von Undavs Jokerrolle.
„Wir haben einfach Rollen definiert. Und wenn ich ein Rollengespräch mit einem Spieler führe, dann muss ich mich in den nächsten Spielen auch ansatzweise daran halten. Sonst kann ich meine Glaubwürdigkeit vergessen“, fuhr Nagelsmann fort: „Wenn ich dann alles anders mache, dann brauche ist das Rollengespräch erst gar nicht führen.“
Wohlgemerkt bestätigte Nagelsmann aber auch, dass Undav am Montag Spielzeit bekommen werde – wenn auch nicht von Beginn an. Und so kam es dann auch.
In nunmehr sieben Länderspielen kommt der 29-Jährige auf vier Treffer. Für ihn war es die erste Kadernominierung seit dem vergangenen Sommer, als Deutschland beim Final Four in der Nations League Vierter wurde.