Anton Stach hat es schon in seiner ersten Premier-League-Saison zum Stammspieler von Leeds United geschafft. Nach 23 Ligaspielen mit vier Toren und drei Vorlagen werden öffentlich auch die Forderungen nach einer WM-Nominierung des Mittelfeldspielers immer lauter.
DFB-Team: Seine Zahlen sprechen eine klare Sprache - und gegen Nagelsmann!
Seine Zahlen sprechen gegen Nagelsmann
Geht es nach Julian Nagelsmann, könnte der erste DFB-Einsatz seit 2022 aber noch eine Weile auf sich warten lassen. „Er macht es dort gut, ist aber auch nicht enorm kopfballstark und auch nicht der Top-Zweikämpfer, sondern ebenfalls einer, der gerne das Spiel vor sich hat“, analysierte der Bundestrainer das Spiel von Stach im Gespräch mit dem kicker.
Zweikampfschwach? Das sagen die Zahlen bei Stach
Die Daten sprechen beim 27-Jährigen jedoch eine andere Sprache. Stach hat laut Datendienstleister Opta in der Premier League bislang in dieser Saison 62,3 Prozent seiner Kopfballduelle gewonnen. Damit ist er unter den DFB-Kandidaten fürs defensive Mittelfeld der zweitbeste in diesem Ranking. Nur Robert Andrich (63,6) kommt auf eine bessere Quote.
Bei der allgemeinen Zweikampfquote liegt Stach mit knapp 52 Prozent gewonnener Duelle im Mittelfeld.
Allerdings kommt der gebürtige Niedersachse 2025/26 mit einer durchschnittlichen Zahl von 2,3 auf die meisten Tacklings und die meisten Ballgewinne im Angriffsdrittel (0,91) pro 90 Minuten - was man durchaus als Zweikampfstärke auslegen könnte.
Goretzka als WM-Stammkraft unter Nagelsmann?
Statt Stach scheint Nagelsmann bei der WM weiter mit Leon Goretzka auf einer der beiden Mittelfeldpositionen zu planen. Trotz dessen Rolle als Rotationsspieler lobte Nagelsmann besonders die Kopfballstärke des Bayern-Stars (SPORT1-Kommentar zu Nagelsmanns Personalplänen).
Mit Blick auf die WM-Qualifikation im vergangenen Jahr sagte der Bundestrainer: „Ich erinnere nur an das Spiel gegen Nordirland: Wenn er da nicht gespielt hätte, hätten wir garantiert nicht gewonnen, weil er 60 Bälle weggeköpft hat. Es wird auch bei der WM Momente geben, in denen wir pressen und wo der Gegner dann lange Bälle spielt.“
In der Nationalmannschaft ist der 31-Jährige tatsächlich ein Kopfballungeheuer. Mit einem Wert von 3,2 bestritt er seit der Heim-EM vor knapp zwei Jahren mehr Luftkämpfe als Angelo Stiller, Felix Nmecha, Robert Andrich und Aleksandar Pavlovic. Über 70 Prozent seiner Luftkämpfe hat Goretzka in diesem Zeitraum im DFB-Trikot gewonnen.
In der Bundesliga jedoch sehen seine Werte ganz anders aus. Lediglich etwas mehr als 38,1 Prozent gewonnener Kopfballduelle stehen da für den gebürtigen Bochumer zu Buche. Das ist nicht nur sein mit Abstand niedrigste Wert seit fünf Jahren, sondern auch viel weniger als Stachs 62,3 Prozent in der physisch harten Premier League.
Farke schwärmt von Stach: „Perfekte Balance“
Auch Leeds-Trainer Daniel Farke schwärmte von der durch Nagelsmann infrage gestellten Körperlichkeit von Stach. „Er ist ein Schlüsselspieler für uns. Er vereint perfekte Balance zwischen defensiven Fähigkeiten, Physis und der Fähigkeit, uns defensiv Stabilität zu geben, und kann zugleich unser Offensivspiel inspirieren“, sagte der ehemalige Bundesliga-Trainer.
Eine weitere Qualität, mit der Stach in dieser Saison zu überzeugen wusste, ist zudem seine Standardstärke. Mit drei direkten Freistoßtoren teilt er sich in der Premier League die Führung in der Rangliste mit Dominik Szoboszlai.
Nach seinem jüngsten Geniestreich gegen Aston Villa feierte auch Sky-Kommentator Joachim Hebel: „Lieber Bundestrainer, Anton Stach ist einer für die Weltmeisterschafts-Mannschaft – und zwar so was von. Look at this. Ein brutaler Freistoß. Und ich will keine Widerrede!“
Bis jetzt sieht es jedoch danach aus, als ob weder die Empfehlungen von Farke und Hebel noch die teils beeindruckenden Statistiken Stach einen Platz im WM-Kader verschaffen würden. Ein weiterer Nachteil: Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Pavlovic, Nmecha oder Stiller hat sich Stach unter dem Bundestrainer Nagelsmann noch nicht ein einziges Mal beweisen können. Seine bisherigen zwei (Kurz-)Einsätze absolvierte er noch unter Nagelsmanns Vorgänger Hansi Flick vor fast vier Jahren gegen Israel und Italien.
Stach kritisiert Nagelsmann
Zudem scheint es zwischen Nagelsmann und Stach auch auf persönlicher Ebene zu kriseln. So kritisierte Stach in der Vergangenheit die Kommunikation des DFB-Trainers.
„Kommunikation gab es bis jetzt noch nicht, das fand ich auch ein bisschen schade, weil wenn es gar keine Kommunikation gibt, dann hat man natürlich auch das Gefühl, dass man sehr, sehr weit weg ist von der Mannschaft, also gar nicht infrage kommt“, kritisierte er im vergangenen Oktober bei Sky.
Zwar habe er nicht unbedingt eine Erklärung erwartet, dennoch sei es schön, „wenn jemand einem sagt: Daran liegt es oder das machst du nicht so gut oder deswegen wirst du nicht mitgenommen, weil ich auch das Gefühl hatte, dass ich eine gute Phase hatte“.
Diese Erklärung hat Stach nun zumindest in Teilen in Form von Nagelsmanns Interview bekommen. Gefallen haben aber dürfte sie ihm nicht.