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DFB-Einzelkritik: Ein Auftritt, der (WM-)Hoffnung macht

Einzelkritik: Karl macht Hoffnung

Das DFB-Team feiert dank eines späten Treffers einen knappen Sieg. Positiv gefallen vor allem einige Einwechselspieler, doch nicht jeder weiß zu überzeugen. Die SPORT1-Einzelkritik.
Beim 2:1-Sieg des DFB-Teams gegen Ghana in Stuttgart gab es Pfiffe des Publikums gegen Leroy Sané. Alexander Nübel hat dafür kein Verständnis und findet klare Worte.
Das DFB-Team feiert dank eines späten Treffers einen knappen Sieg. Positiv gefallen vor allem einige Einwechselspieler, doch nicht jeder weiß zu überzeugen. Die SPORT1-Einzelkritik.

Deutschland müht sich im Testspiel gegen Ghana zu einem knappen Sieg (2:1) und zeigt dabei nach dem Torspektakel gegen die Schweiz insgesamt mehr Stabilität in der Defensive.

Offensiv konnten vor allem die Einwechselspieler überzeugen, unter anderem Deniz Undav, der auch den Siegtreffer erzielte. SPORT1 bewertet die DFB-Auswahl in der Einzelkritik.

Enttäuschender Abend für Nübel

ALEXANDER NÜBEL: Hätte sich zeitweise auch mit einem Regenschirm ins Tor stellen können – die Hände benötigte er in der ersten Halbzeit jedenfalls kaum. Erst in der 64. (!) Minute musste er erstmals eingreifen und bekam direkt Szenenapplaus vom Stuttgarter Publikum. Beim Gegentor war er machtlos. Bitter für den Keeper, dass er sich danach nicht mehr auszeichnen konnte. So bleibt es ein enttäuschender Abend für ihn. SPORT1-Note: 3

JOSHUA KIMMICH: Geriet deutlich seltener in Schwierigkeiten als noch am Freitagabend in der Schweiz. Im Aufbau wie gehabt gerne in der Mitte zu finden, aber im ersten Spielabschnitt ohne den ganz großen Einfluss. Nach der Auswechslung von Stiller rutschte er auf die zentrale Position vor der Abwehr. Interessanterweise fiel kurz darauf der Gegentortreffer – und zwar über die rechte Abwehrseite. Wagte einen Fernschussversuch, der deutlich über dem Tor landete. SPORT1-Note: 4

JONATHAN TAH: Hätte in den ersten 45 Minuten gleich zweimal die Führung markieren können. Sein erster Versuch landete allerdings im gegenüberliegenden Seitenaus und sein Schuss nach einer guten halben Stunde wurde vom Keeper der Gäste gerade noch abgefälscht. Defensiv nur wenig gefordert, daher fast ohne Probleme. Ein unspektakulärer Abend für den Bayern-Star. In der Pause wurde er ausgewechselt. SPORT1-Note: 3

Schlotterbeck kein großer Faktor

NICO SCHLOTTERBECK: Gerade in der Anfangsphase war ihm anzumerken, dass er sich so manchen Risikopass lieber verkniff. Ganz allgemein war der BVB-Star an diesem Abend kein großer Faktor. Defensiv lange Zeit ohne große Aufgaben, im Aufbau ohne übermäßigen Elan. Der 34-Jährige Ayew erwischte ihn gleich mehrmals auf dem falschen Fuß. Beim Gegentreffer verlor auch er den Überblick. SPORT1-Note: 4

NATHANIEL BROWN: Ersetzte auf der linken Außenverteidigerposition David Raum, der geschont wurde. Bei gegnerischen Eckbällen übernahm er die Rolle des letzten Mannes und rettete zweimal in höchster Not. Mit seiner Geschwindigkeit – 36 km/h Topspeed – absolut verlässlich in der Konterabsicherung. Sehr wendig und flink in den direkten Duellen. Nach vorne hätte er jedoch deutlich mehr Akzente setzen können. Bitter: Nur eine seiner vier Flanken kam an. Nach einer Stunde wurde er ausgewechselt. SPORT1-Note: 3

PASCAL GROß: Nahm gerade in der ersten Halbzeit überraschend viel Einfluss auf die Partie und glänzte als echter Aktivposten. Zwar fehlte in mancher Situation die Kreativität, doch Einsatz, Wille und Fleiß stimmten. 95 Prozent seiner Zuspiele fanden einen Mitspieler, er gewann allerdings nur einen von acht geführten Zweikämpfen. In der 51. Minute hätte er sich für seine Tugenden selbst belohnen können, doch sein Abschluss fiel furchtbar harmlos aus. Zehn Minuten später wurde er von Goretzka ersetzt. Insgesamt ein guter Auftritt des Routiniers. SPORT1-Note: 2

Reicht dieser Auftritt für den WM-Zug?

ANGELO STILLER: Erst nicht nominiert, dann sogar zweimal Startelf – damit hätte der 24-Jährige wohl selbst kaum gerechnet. Am Montagabend gab es von ihm aber mehr Schatten als Licht zu sehen. Das Ruder in der Zentrale übernahm er jedenfalls nicht so, wie man es erwarten kann. Fraglich, ob der Auftritt dazu ausreichen wird, auf den WM-Zug aufzuspringen. Nach einer Stunde wurde er durch Vagnoman ersetzt. SPORT1-Note: 4

SERGE GNABRY: Interpretierte die Zehnerposition naturgemäß nicht wie ein traditioneller Spielmacher und knüpfte nur bedingt an den guten Leistungen der vergangenen Wochen an. Die ganz großen Momente konnte er diesmal nicht bieten und so ging er im Einerlei des deutschen Spiels ein wenig unter. Hatte in der ersten Halbzeit gerade einmal 25 Ballkontakte. Nach 45 Minuten ging sein Arbeitstag ohne größere Heldentaten zu Ende. Für ihn kam Undav. SPORT1-Note: 4

NICK WOLTEMADE: Durfte diesmal von Beginn an ran und hatte gleich in der 4. Minute eine gute Chance – da agierte er aber nicht wie ein Torjäger, sondern vergab kläglich. Nach der Pause wirkte er stabiler und sorgte auch für mehr Gefahr – ein Kopfball an die Latte zeugt davon (53.). Ackerte zwar weiter, blieb aber in seinem Tief stecken. Der Auftritt dürfte nicht zwingend dazu führen, dass er sein Momentum wiederfindet – das muss jetzt in Newcastle geschehen. In der 78. Minute kam Sané für ihn ins Spiel. SPORT1-Note: 4

Wirtz sorgt für verzücktes Raunen

FLORIAN WIRTZ: Nahm die Rolle als Chef-Zauberfuß an und sorgte mit einem sehenswerten Freistoß, der am Pfosten landete, für ein verzücktes Raunen im Stadion (6.). Sein vermeintlicher Treffer in der 32. Minute wurde wegen einer Abseitsstellung von Woltemade nicht gegeben – zu Recht. Der Star des FC Liverpool sorgte am Ball regelmäßig für Gefahr, drückte dem Spiel aber nicht dauerhaft seinen Stempel auf. Nach einer Stunde war sein Arbeitstag beendet. SPORT1-Note: 2,5

KAI HAVERTZ: Ihn ließ der Bundestrainer diesmal über den rechten Flügel stürmen. Dabei zeigte sich der Arsenal-Star zwar fleißig, Zählbares sprang aber lange Zeit nicht heraus – auch weil er sich die Kugel oft zu leicht abnehmen ließ. Wirkte in seinen Aktionen auch in der Folge glücklos, da dürfte ihm der Elfmetertreffer kurz vor der Pause guttun. Wenig später war für ihn auch Feierabend und er wurde ausgewechselt. SPORT1-Note: 3

DENIZ UNDAV: Bereits in der 28. Minute wurde er mit Sprechchören von den Rängen gefeiert und gefordert. Der VfB-Star bedankte sich artig und durfte ab der 46. Minute tatsächlich auch mitspielen – und zwar für Gnabry. Konnte die Erwartungen des Publikums nicht direkt erfüllen und hatte mit der Abwehrreihe der Ghanaer zunächst ebenfalls zu kämpfen. Tauchte lange unter, aber natürlich wollte es das Schicksal so, dass er den Siegtreffer zum 2:1 markierte – und das in echter Stürmermanier. SPORT1-Note: 2,5

Karl sorgt für Aufsehen

LENNART KARL: Kam in der Halbzeitpause für Havertz in die Partie. Sorgte mit seinem Einsatz und seiner puren Lust am Fußball für Aufsehen. In der 57. Minute eroberte er erst den Ball, ließ dann drei Gegenspieler aussteigen, ehe der Vierte ihn nur per Foul stoppen konnte. In der 85. Minute hatte er den zweiten DFB-Treffer auf dem Fuß, geriet aber unter Druck und der Ball landete im Aus. Trotzdem ein weiterer Auftritt des Youngsters, der Hoffnung macht. SPORT1-Note: 2

ANTONIO RÜDIGER: Durfte in der zweiten Halbzeit für Tah ran. Fügte sich ordentlich in die Mannschaft ein und machte seine Sache seriös. Bemerkenswert: Auch wenn Schlotterbeck länger spielte, hatte Rüdiger nach seiner Einwechslung sofort wieder die Chefrolle inne. Beim Gegentor verlor auch er die Ordnung, doch insgesamt erledigte er seine Aufgaben erwartungsgemäß. SPORT1-Note: 3

CHRIS FÜHRICH: Kam in der 61. Minute für Wirtz in die Partie. Nahm lange nicht wirklich am Spiel teil, zeigte sich aber immerhin laufstark und fleißig. Seinen Aktionen fehlte aber manchmal die Intensität. SPORT1-Note: 3

LEON GORETZKA: Ab der 61. Minute ersetzte er Groß. Seinen Versuch aus der zweiten Reihe lenkte Woltemade ins Toraus ab (64.). Gab später mit Kimmich die Doppelsechs und überließ seinem Kapitän dabei die Führung. Zusammenfassend ein Auftritt, der noch Fragen offenlässt. Nach Freifahrtschein riecht es jedenfalls tatsächlich nicht. SPORT1-Note: 3

Kein guter Abend für Vagnoman

DAVID RAUM: Löste in der 61. Minute Brown ab und sorgte kurze Zeit später mit einem Freistoß aus vielversprechender Position für Aufsehen. Der Ball zischte aber knapp am linken Torpfosten vorbei. Wirkte insgesamt sehr routiniert und abgeklärt – der Posten auf der linken Abwehrseite dürfte ihm für die WM kaum zu nehmen sein. SPORT1-Note: 2

JOSHA VAGNOMAN: Ersetzte Stiller ab der 61. Minute, ging aber auf die rechte Abwehrseite. Ging vor dem 1:1-Ausgleich völlig übermotiviert und überhastet in den Zweikampf, musste Flankengeber Köhn vorbeiziehen lassen – schwaches Abwehrverhalten des Stuttgarters. Das Gegentor geht zu einem Großteil auf seine Kappe. Kein guter Abend für den VfB-Profi. SPORT1-Note: 5

LEROY SANÉ: Kam in der 78. Minute für Woltemade in die Partie. Brachte tatsächlich etwas Schwung in die Partie und harmonierte mit Undav. Gab per Kopf die Torvorlage zum Siegtreffer. SPORT1-Note: 2,5