DFB-Team>

Pfiffe gegen Sané: Das ist nicht hinnehmbar | Kommentar

Das ist nicht hinnehmbar

Leroy Sané bekommt bei seiner Einwechslung Pfiffe von den DFB-Fans ab. Das Verhalten einiger Anhänger zeugt von keinerlei Gespür. Das ist nicht hinnehmbar. Ein Kommentar.
Beim 2:1-Sieg des DFB-Teams gegen Ghana in Stuttgart gab es Pfiffe des Publikums gegen Leroy Sané. Alexander Nübel hat dafür kein Verständnis und findet klare Worte.
Leroy Sané bekommt bei seiner Einwechslung Pfiffe von den DFB-Fans ab. Das Verhalten einiger Anhänger zeugt von keinerlei Gespür. Das ist nicht hinnehmbar. Ein Kommentar.

Man kann sich nur an den Kopf fassen. Denn dieser Abend in Stuttgart zeigte, wie nah im Fußball Licht und Schatten beieinanderliegen.

Da war auf der einen Seite genau das, was man sich von einem Länderspiel erhofft – ein Stadion, das lebt: Sprechchöre, Laola-Wellen, Euphorie, diese besondere Energie, wenn das Publikum hinter der Mannschaft steht. Vor allem bei Deniz Undav war zu spüren, welche Wucht entstehen kann, wenn Fans ihre Spieler tragen. Und dann war da die andere Seite.

Fan-Pfiffe gegen Sané und Rüdiger

Pfiffe gegen die eigene Mannschaft. Gegen Leroy Sané bei seiner Einwechslung – laut, deutlich, unüberhörbar. Und er war nicht einmal der Einzige: Auch Antonio Rüdiger bekam Pfiffe ab. Nur war das bei ihm weniger präsent, weil er nach der Halbzeit direkt auf dem Feld stand – und nicht wie Sané im Moment der Einwechslung im Fokus.

Klar ist: Pfiffe sind im Fußball erlaubt, sie gehören dazu. Bei schwachen Leistungen, bei vermeintlichen Fehlentscheidungen, selbst bei Vereinswechseln von Publikumslieblingen. Emotionen entladen sich, das ist Teil der Fankultur. Aber genau hier verläuft die Grenze.

Das ist schwer nachzuvollziehen

Wenn sich der Unmut gezielt gegen einzelne Spieler richtet, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, außer vielleicht gerade keine gute Lobby zu besitzen, dann fehlt das Gespür. Dann wird aus Emotion etwas, das der eigenen Mannschaft schadet.

Und im Fall von Sané ist es besonders schwer nachzuvollziehen. Ja, das Spiel gegen die Schweiz war nicht gut. Aber auch nicht katastrophal. Vor allem: In den Partien zuvor, gegen die Slowakei und Luxemburg, war er einer der prägenden Akteure. Auch gegen Ghana (2:1) war er einer der Aktivposten, bereitete den Siegtreffer vor. Das einfach auszublenden, hat wenig mit sachlicher Bewertung zu tun, sondern viel mit Laune.

Diese Pfiffe entbehren jeder Logik. Sie machen Sané nicht besser, nicht schlechter. Sie bringen schlicht nichts außer schlechter Stimmung und dem Gefühl für Sané, nicht wertgeschätzt zu werden.

Vielleicht wollten die wenigen vermeintlichen DFB-Anhänger auch eine Botschaft an Julian Nagelsmann senden, Sané nicht mitzunehmen. Nur damit werden sie kaum das erreichen, was sich einige erhoffen. Denn der Bundestrainer dürfte sich davon kaum beeindrucken lassen. Eher gilt: jetzt erst recht.

Nagelsmann hält sich zurück – hätte es aber nicht müssen

Nagelsmann selbst hielt sich auf der Pressekonferenz bewusst zurück. Nach seinen Aussagen zu den „Hyänen im Busch“ wollte er sich nicht erneut zur Zielscheibe der Anhänger machen oder das Thema größer werden lassen, als es ohnehin schon ist. Klar: Er will die Euphorie nicht schon elf Wochen vor dem ersten Spiel dämpfen oder unnötige Unruhe erzeugen.

Wahnsinn genug, dass er sich überhaupt damit herumschlagen muss. Und trotzdem: Hier hätte er sich auch deutlicher positionieren dürfen. Denn eigentlich sollte es um Fußball gehen. Um Aufbruch, um Zusammenhalt, um die Basis für neue Euphorie. Stattdessen diskutiert man über Pfiffe aus den eigenen Reihen gegen einzelne Spieler.

So viel Licht – und doch ein Schatten, der nicht hätte sein müssen und hoffentlich nie wieder erscheint.