„Der Kader wird dem, mit dem wir zur WM reisen wollen, schon sehr ähneln“, hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann vor der Länderspielpause mehr als einmal betont – erstmals im Interview mit dem Kicker.
"Tut dir in der Seele weh": Schattenseiten des Bundestrainer-Jobs
„Das tut dir in der Seele weh“
Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bezüglich der Kadernominierung vor den Testspielen des DFB-Teams gegen die Schweiz und Ghana. Aus eigener Erfahrung weiß jedoch auch Jürgen Klinsmann, wie anspruchsvoll diese Entscheidungen sein können – besonders mit Blick auf den finalen Kader für die WM im Sommer.
„Diese Entscheidung, jemanden nicht mitzunehmen zu einer Weltmeisterschaft, der es eigentlich von außen betrachtet laut vielen Fans verdient hätte, das ist unglaublich schwer und beschäftigt dich“, erklärte Klinsmann im „Spielmacher“-Podcast von 360 Media.
Klinsmann über Nominierungen: „Da bist du fix und fertig“
Einige Spieler würden aber schlichtweg nicht in das „Puzzle“ passen, das durch das Trainerteam zusammengestellt wurde. „Das wird den Kerl sein Leben lang beschäftigen, dass er da im letzten Moment den Sprung nicht in den Kader geschafft hat. Das tut dir einfach in der Seele weh“, schilderte Klinsmann.
Bei der WM 2006 musste der ehemalige Bundestrainer diese Erfahrung gemeinsam mit Joachim Löw, Andreas Köpke und Oliver Bierhoff selbst bewältigen. „Da bist du schon fix und fertig nach den Telefonaten, die du dann mit den Jungs führst. Da brauchst du erstmal einen Moment Ruhe, um das zu verarbeiten“, erinnerte sich Klinsmann.
Bei Nagelsmann seien die Reaktionen heute allerdings noch einmal schlimmer. So erklärte Klinsmann: „Mit der Veränderung der Medienlandschaft, vor allem mit Social Media, wo alles interpretiert wird – jede Mimik – da wird unglaublich viel hineingedichtet. Es haben so viele Leute heute ein Gewicht. Das Echo auf deine Entscheidungen hat sich noch einmal multipliziert.“
Klinsmann hofft auf „positives Karma“
Klinsmanns eindeutiger Rat? „Du musst dich davon einfach lösen und das macht Julian mit Sicherheit. Er wird die Entscheidungen treffen und dazu stehen.“ Beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada wird sich Nagelsmann dann „schon lange von diesen Querfeuern und anderen Meinungen losgemacht“ haben.
Insgesamt kann sich Klinsmann im Sommer ein erfolgreiches Turnier der DFB-Elf vorstellen und hoffte vor den Testspielen auf viel „positives Karma“.
„Ich wünsche mir, dass wir der Mannschaft so viele positive Gedanken und Unterstützung wie möglich geben, damit sie dieses Abenteuer angeht“, erklärte Klinsmann und führte aus: „Ich sage immer, du kreierst ein schlechtes Karma, dann bekommst du schlechtes Karma. So war es mit Russland und Katar.“
Sein abschließender Rat an das DFB-Team: „Die Mannschaft muss sich auf das fokussieren, was sie machen kann. Der Julian wird sich auf das fokussieren, was er machen kann.“