Trotz der Erfolge gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) rumort es in der Deutschen Nationalmannschaft. Bundestrainer Julian Nagelsmann sieht sich weiterhin Kritik ausgesetzt, vor allem aufgrund seiner Personalpolitik: Die kommt nun auch von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der dem Coach vor allem in Bezug auf Deniz Undav und Leroy Sané deutliche Vorwürfe macht.
"Unglaubwürdig!" Matthäus macht Nagelsmann Vorwürfe
Matthäus macht Nagelsmann Vorwürfe
Eines gefalle ihm nicht, schrieb Matthäus in seiner Kolumne bei Sky: Nagelsmann würde zu viel öffentlich diskutieren: „Wenn Spieler schon im Vorfeld wissen, dass sie kaum Startelfchancen haben, außer wenn sich jemand verletzt – dann ist das schwierig.“ In den vergangenen Wochen hatte Nagelsmann mehrfach überraschend detailliert erklärt, welcher Spieler bei der WM im Sommer welche Rolle einnehmen solle.
Vor allem bei einem Spieler wurde Nagelsmann dahingehend immer wieder deutlich: Deniz Undav. Nach dem 2:1-Sieg gegen Ghana, bei dem Undav das Siegtor erzielte, hatte Nagelsmann verlauten lassen, es sei unwahrscheinlich, dass sich an der Reservistenrolle des Stuttgarter Angreifers noch etwas ändern werde.
DFB-Team: Matthäus warnt Nagelsmann
Matthäus irritiert das. Er verstehe, dass der Bundestrainer eine Startelf finden wolle, „aber wer so klar öffentlich sagt, dass bestimmte Spieler im Moment nicht erste Wahl sind, muss aufpassen“, warnte Matthäus.
Denn was passiert, wenn sich ein Spieler verletzt? „Dann braucht man genau die Spieler, die vorher außen vor waren und so funktionieren wie Deniz Undav gegen Ghana. Das ist ein gefährliches Spiel und könnte zum Bumerang werden.“
Darüberhinaus übte Matthäus deutliche Kritik am Leistungsprinzip im DFB-Team: „Vor ein paar Monaten hat der Bundestrainer erklärt, dass die Spieler in ihren Vereinen möglichst viele Einsatzminuten benötigen und abliefern müssen. Jetzt sitzen Spieler, die diese Kriterien erfüllen, auf der Bank. Und andere, die sie nicht erfüllen, stehen auf dem Platz.“
Diese Prinzipienumkehr könne Nagelsmann irgendwann „auf die Füße fallen“, mahnte der 60-Jährige. So hatte dieser etwa Leon Goretzka bereits vor Wochen eine zentrale Rolle für die WM zugesichert, obwohl Goretzka beim FC Bayern weit von einem Stammplatz entfernt ist.
Nagelsmann? „Hat sich unglaubwürdig gemacht“
Auch in der Causa Leroy Sané, der im Stuttgarter Stadion mit Pfiffen bedacht wurde, sieht Matthäus eine Mitschuld bei Nagelsmann: „Mit seinen unglücklichen Aussagen hat er dem Spieler keinen Gefallen getan und sich unglaubwürdig gemacht“, meinte er. Ein paar der Pfiffe in Stuttgart hätten demnach auch dem Trainer gegolten. Die Nominierung von Sané war, aufgrund nur mäßiger Leistungen bei Galatasaray Istanbul, bei vielen Fans auf Unverständnis gestoßen.
Doch Matthäus zeigt sich auch gnädig mit Nagelsmann und gestand, dieser könne machen, was er wolle: „Wenn die Nationalmannschaft am Ende eine erfolgreiche Weltmeisterschaft spielt, hat er alles richtig gemacht.“