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Deutsches WM-Quartier: "Eine der besten Adressen für Fußball in den USA"

„Hier wird richtig etwas los sein“

Die DFB-Elf reist in wenigen Wochen nach Winston-Salem – und damit an die Wake Forest University in North Carolina, wo der in Frankfurt geborene Daniel Krueger spielt und studiert. Im SPORT1-Interview gibt er interessante Einblicke in seinen Fußballeralltag und nennt eine interessante neue Freizeitbeschäftigung für die Nationalspieler.
An der Wake Forest University in North Carolina wird die DFB-Elf während der WM trainieren
An der Wake Forest University in North Carolina wird die DFB-Elf während der WM trainieren
© IMAGO/MIS
Die DFB-Elf reist in wenigen Wochen nach Winston-Salem – und damit an die Wake Forest University in North Carolina, wo der in Frankfurt geborene Daniel Krueger spielt und studiert. Im SPORT1-Interview gibt er interessante Einblicke in seinen Fußballeralltag und nennt eine interessante neue Freizeitbeschäftigung für die Nationalspieler.

In wenigen Wochen bezieht die deutsche Nationalmannschaft in Winston-Salem (North Carolina) ihr Quartier für die Weltmeisterschaft. Trainiert wird auf dem nahegelegenen Campus der Wake Forest University, der nur wenige Minuten entfernt liegt. Die Vorfreude auf die DFB-Elf ist sowohl auf dem Campus als auch in der Stadt schon jetzt riesig.

Für einen ist das Gastspiel jedoch etwas ganz Besonderes: Daniel Krueger. Der 20-Jährige wurde in Frankfurt geboren und spielt für die renommierte Fußballmannschaft der Wake Forest University. Bereits im Alter von einem Jahr zog er mit seiner Familie nach Philadelphia, seit Januar 2024 studiert und spielt er nun in North Carolina.

WM: Hier trainiert die Nationalmannschaft

Trotz seiner Zeit in den USA ist Krueger weiterhin eng mit Deutschland verbunden. Im Interview mit SPORT1 spricht er über das Leben auf dem Campus, die Bedingungen vor Ort und darüber, was die DFB-Elf in Winston-Salem erwartet. Die Ruhe des Ortes sieht er dabei klar als Vorteil. Und: Eine ungewöhnliche Sportart könnte schon bald zur neuen Freizeitbeschäftigung von Kimmich, Musiala, Wirtz und Co. werden.

SPORT1: Guten Morgen, Herr Krueger! Womit startet Ihr Tag aktuell – Uni oder Fußball?

Krueger: Meistens mit Fußball. Wir trainieren morgens, danach geht’s in die Vorlesungen. Gerade haben wir Prüfungsphase, also wiederholen wir viel Stoff. Nach dem Unterricht geht’s meistens noch ins Gym, an manchen Tagen steht aber auch nur Regeneration an. Es kann gut sein, dass man sich danach nochmal etwas für die Uni anschauen muss. Insgesamt ist der Alltag schon ziemlich durchgetaktet.

SPORT1: Wie funktioniert der College-Fußball in den USA?

Krueger: Die Hauptsaison ist im Herbst. Das ist eine intensive Phase mit meist zwei Spielen pro Woche – wir sind ständig unterwegs. Wir spielen im K.-o.-System, also nicht in einer klassischen Liga. Im Frühjahr ist eher Nebensaison mit Freundschaftsspielen. Es gibt Überlegungen, das langfristig auf ein ganzjähriges Format umzustellen.

SPORT1: Sie sind in Frankfurt geboren, haben Familie in Bielefeld. In jungen Jahren ging es dann nach Philadelphia – wegen der Arbeit Ihres Vaters. Wie eng ist die Verbindung nach Deutschland?

Krueger: Sehr eng. Wir sind jedes Jahr in Bielefeld bei meiner Familie. Weihnachten verbringen wir oft in Italien, meine Mutter kommt aus Mailand. An Silvester sind wir dann meist in Deutschland. Das gehört einfach dazu. Ich fühle mich definitiv noch deutsch, auch wenn ich in den USA lebe und kaum Deutsch spreche (lacht). Ohne die Gelegenheit, es regelmäßig zu sprechen, ist es echt schwer, am Ball zu bleiben.

DFB-Team bald am Campus: Krueger bekam „Gänsehaut“

SPORT1: Und fußballerisch – für welchen Club schlägt Ihr Herz?

Krueger: In England ist es Chelsea. In Deutschland ist es nicht ganz so eindeutig, da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Auf der einen Seite Arminia Bielefeld wegen der Familie, mittlerweile aber immer mehr Borussia Mönchengladbach – mein Vater ist großer Fan. Durch ihn verfolge ich auch die Bundesliga intensiv.

SPORT1: In wenigen Wochen schlägt die deutsche Nationalmannschaft an Ihrer Universität ihr WM-Camp auf. Wie haben Sie reagiert, als Sie davon hörten?

Krueger: Gänsehaut. Mein Vater ist ein riesiger Fan – für ihn ist das sogar noch besonderer als für mich. Aber für uns alle hier am College, vor allem für die Fußballer, ist es schon etwas surreal. Wir trainieren jeden Tag auf diesen Plätzen – und plötzlich sind da Weltklassespieler.

SPORT1: Wie würden Sie den Campus der Wake Forest University beschreiben?

Krueger: Sehr grün, eher klein und total entspannt. Du bist mitten im Wald, alles ist fußläufig erreichbar. Es ist nicht dieser riesige, hektische US-Campus, sondern eher familiär – mit richtig guten Facilities. Ich liebe es hier.

Deutsches WM-Basecamp: „Eine der besten Adressen in den USA“

SPORT1: Wie sind die Trainingsbedingungen – taugt das für ein WM-Basecamp?

Krueger: Definitiv. Wake Forest ist eine der besten Adressen für Fußball in den USA. Der Kraftraum ist top, wir haben einen riesigen Pool mit Gegenstromanlage und auch sonst modernste Geräte, die für Regeneration und Reha wichtig sind. Wobei ich davon ausgehe, dass die DFB-Elf einen Großteil ihres Equipments selbst mitbringt. Die Kombination aus hochmoderner Infrastruktur und ruhiger Umgebung ist ziemlich ideal.

SPORT1: Klingt idyllisch – aber wird das nicht auch mal langweilig?

Krueger: (lacht) Ja, kann es. Wenn du allein bist, ist es manchmal schon sehr ruhig. Es gibt nicht diese Großstadt-Ablenkung. Winston-Salem ist die nächstgrößere Stadt, eine Metropole ist das aber nicht. Ich glaube, die Ruhe hier führt dazu, dass man im Team noch mehr Zeit miteinander verbringt. Das kann auch gut sein, um als Mannschaft zusammenzuwachsen – nicht unvorteilhaft für eine WM.

SPORT1: Was sind Ihre Lieblingsorte auf dem Campus?

Krueger: Mein Lieblingsort ist der „Quad“ – eine Grünfläche mit Blick auf die Kapelle. Da kann man gut draußen sitzen und entspannen. Und der Reynolda Trail, ein Weg durch den Wald zu einem kleinen Dorf – dem Reynolda Village. Dort kann man gut einkaufen oder essen gehen. Es gibt viele verschiedene Restaurants mit amerikanischem Essen, und die Dumplings dort sind top. Da gehen wir fast wöchentlich hin, das ist schon Tradition geworden (lacht). Ansonsten treiben wir in unserer Freizeit alle möglichen Sportarten. Es gibt hier eigentlich nichts, was es nicht gibt. Egal ob Basketball oder Golf – ein Platz ist direkt nebenan. Besonders beliebt ist bei uns Frisbee-Golf.

Krueger empfiehlt DFB-Stars neue Sportart

SPORT1: Frisbee-Golf?

Krueger: Ja, das macht echt süchtig und ist perfekt, um sich gegenseitig zu challengen (lacht). Du musst mit einem Frisbee in eine Art Korb treffen – mit möglichst wenigen Versuchen. Auch hier gibt es mehrere Bahnen, ähnlich wie beim Golf. Der Kurs führt durch den Wald, das ist super schön.

SPORT1: Glauben Sie, es ist ein Vorteil für die DFB-Elf, dass sie etwas abgeschieden ist?

Krueger: Absolut. Die DFB-Elf bekommt hier genau die richtige Balance: Ruhe zum Entspannen, Möglichkeiten zur Ablenkung und vor allem auch eine gewisse Begeisterung, die hier schon überall zu spüren ist. In den Fußballteams laufen schon viele Spieler mit Deutschland-Trikots herum. Hier wird richtig etwas los sein, wenn die Mannschaft anreist – da bin ich mir sicher.

SPORT1: Noch sind Sie auf dem College. Was sind Ihre sportlichen Ziele?

Krueger: Ganz klar: Profi werden. Wake Forest ist eine Top-Adresse. Langfristig würde ich gerne in Europa spielen – die Bundesliga oder die Serie A wären ein Traum. Das wäre aufgrund meiner Eltern so ein „Full-circle“-Moment. Natürlich auch die Premier League. Aber sollte es so weit kommen, wäre es mir eigentlich egal, wo.

Neuer? „Schade, dass er nicht dabei sein wird“

SPORT1: Vielleicht ja in Bielefeld oder Mönchengladbach?

Krueger: Ich würde zu beiden Vereinen nicht Nein sagen. Das wäre schon etwas ganz Besonderes. Vor allem Mönchengladbach wäre verrückt, fast schon unwirklich. Für meinen Vater gäbe es nichts Größeres.

SPORT1: Wer ist der beste deutsche Spieler?

Krueger: Philipp Lahm. Seine Spielweise hat mich sehr geprägt. Ich bin auch Verteidiger, und ihn fand ich immer überragend. Bei den Aktiven würde ich wohl mit Jonathan Tah gehen – und Manuel Neuer ist für mich eine absolute Legende und der beste Torhüter, den es je gab. Schade, dass er nicht dabei sein wird. Trotzdem bin ich bei dem Turnier für Deutschland.

SPORT1: Was würden Sie der DFB-Mannschaft mitgeben?

Krueger: Nutzt die Umgebung. Geht raus in die Natur, verbringt Zeit zusammen. Gerade weil es hier ruhiger ist, kann man als Team eng zusammenwachsen. Diese gemeinsamen Momente können bei einem Turnier extrem wichtig sein.