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Nicht nur Nagelsmann im Visier! "Eigentlich denkt man, es sind nur Profis am Werk"

Nicht nur Nagelsmann bekommt Kritik ab

Die Entscheidung über ein mögliches Comeback von Manuel Neuer im DFB-Team steht offiziell noch aus. Dietmar Hamann positioniert sich klar und wirft den DFB-Bossen und Bundestrainer Julian Nagelsmann Versäumnisse vor. Auch Thomas Hitzlsperger wird deutlich.
Im SPORT1 Doppelpass spricht Torhüterlegende Oliver Kahn über das mögliche DFB-Comeback von Manuel Neuer. Der "Titan" versteht den Zeitpunkt der wohl bevorstehenden Entscheidung um die Rückkehr Neuers nicht.
Die Entscheidung über ein mögliches Comeback von Manuel Neuer im DFB-Team steht offiziell noch aus. Dietmar Hamann positioniert sich klar und wirft den DFB-Bossen und Bundestrainer Julian Nagelsmann Versäumnisse vor. Auch Thomas Hitzlsperger wird deutlich.

Seit Wochen beschäftigt Fußball-Deutschland die Frage: Fährt Manuel Neuer mit zur WM – oder nicht? Und der Gegenwind für Bundestrainer Julian Nagelsmann wird immer stärker.

Sky-Experte Dietmar Hamann hat sich am Sonntag erneut klar positioniert und die Glaubwürdigkeit des Bundestrainers und auch die der DFB-Bosse infrage gestellt.

Nagelsmann hatte am Samstagabend im ZDF-Sportstudio Klarheit in der Causa Neuer verweigert, was Hamann missfiel. Der TV-Experte nahm dabei auch DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig und Sportdirektor Rudi Völler in die Pflicht.

Thema Neuer: Hamann zählt Rettig und Völler an

„Ich nehme da Rudi Völler und Andreas Rettig mit rein. Die haben jahrzehntelange Erfahrung, die werden ja eingeweiht sein, in diese Pläne und Abläufe. Dass da nicht mal einer sagt: ‚Pass mal auf, Nagelsmann. Du musst dich jetzt mal entscheiden. Wir können das nicht hinauszögern'“, sagte Hamann bei Sky90.

Oliver Baumann geht schließlich nach wie vor davon aus, als deutsche Nummer eins zum Turnier in den USA, Mexiko und Kanada zu fahren. Er sei der Grund, weshalb „wir überhaupt nach Amerika fahren“, meinte Hamann.

Sky wiederum berichtet, dass Neuer am Donnerstag nominiert wird und als Nummer 1 in die Nationalmannschaft zurückkehrt. „Und wenn das klärende Gespräch noch aussteht, dann frage ich mich, was der Bundestrainer die letzten sechs oder acht Wochen gemacht hat“, hinterfragte Hamann.

Hamann: „Es wird keine Gewinner geben“

Das eindeutige Urteil des 52-Jährigen: „Da gibt der Trainer kein gutes Bild ab, der DFB gibt kein gutes Bild ab. Egal, wie sich entschieden wird, es wird keine Gewinner geben.“

Nicht umsonst warnte auch der langjährige Nationaltorhüter Oliver Kahn am Sonntag im SPORT1 Doppelpass, was einen möglichen Torwarttausch angeht: „Das ist schon abenteuerlich. Denn das hat nicht nur Ausstrahlung auf Oliver Baumann selbst, sondern auch auf die Mannschaft.“

Völler und Rettig müssten den Bundestrainer auch „ein Stück weit führen“, sagte Hamann nun, sofern Neuer das auch will. „Rettig äußert sich zu einer Aussage von Uli Hoeneß. Dafür hat er Zeit, dafür ist er gut genug. Aber er muss doch dem Trainer auch sagen: ‚Pass mal auf. So geht das nicht. Wir haben hier Kredit zu verspielen. Wir haben hier Glaubwürdigkeit'“, wurde Hamann deutlich.

„Eiertanz!“ Hitzlsperger sieht Nagelsmann schlecht beraten

Auch Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger übte im BR deutliche Kritik: „Ich habe in den letzten Tagen häufig das Wort Eiertanz gelesen. Ich glaube, das trifft es ganz gut. Eigentlich denkt man, es sind nur Profis am Werk – auch kommunikativ.“ Trotzdem herrsche unmittelbar vor der Kadernominierung Unklarheit.

Baumann könnte einem „fast leidtun“, meinte Hitzlsperger, sofern man sich für Neuer entscheide. Und was Nagelsmann und dessen Kommunikation angeht? „Da täte es gut, wenn er Leute an seiner Seite hätte, die ihn gut beraten würden. Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, würde ich behaupten: Die Beratung hat nicht gut funktioniert.“ Darunter leide auch die Glaubwürdigkeit.

Hamann zog in puncto Glaubwürdigkeit den Vergleich zu den viel diskutierten Personalien Leroy Sané und Deniz Undav. Sané habe bei Galatasaray Istanbul „zum Schluss gar nicht mehr gespielt und wird eingeladen“.

Bei Undav hingegen habe Nagelsmann gesagt, es sei „sehr unwahrscheinlich“, dass dieser sich eine Kategorie hochspielen könne, während sich Baumann eine Kategorie herunterspielen könne, „obwohl er gar nichts gemacht hat – nichts verkehrt gemacht hat“.

Hitzlsperger zeigte Unverständnis, wie viele „solche Baustellen“ sich Nagelsmann eingebrockt habe. „Wenn er Undav nach einem Siegtor infrage stellt und sagt, er hätte das Tor nicht erzielt, wenn er von Anfang an gespielt hätte, dann frage ich: Wozu? Das hätte man anders lösen können. Da wirkt es so, als trägt er dazu bei, das Ganze auch noch zu schwächen. Und das ist unnötig.“

Hamann nahm alle Verantwortlichen beim DFB in die Pflicht und meinte: „Es ist egal, welchen Job du machst. Ob du kommentierst, oder Direktor Sportvorstand bist. Wenn die Glaubwürdigkeit angekratzt oder beschädigt ist, dann hast du ein Problem.“

WM-Kader-Bekanntgabe steht kurz bevor

Schließlich stehe am 14. Juni schon das Auftaktspiel gegen Curacao an. „Und der Bundestrainer macht eine Rolle vorwärts, eine Rolle rückwärts. Keiner weiß, worum es geht. Und das hilft mit Sicherheit dem ganzen Konstrukt nicht“, schloss Hamann.

Zudem laboriert Neuer aktuell an „muskulären Problemen in der linken Wade“, wie der FC Bayern am Sonntag mitteilte. Wie lange der 40-Jährige ausfällt und ob eine potenzielle WM-Teilnahme in Gefahr ist, ist noch nicht bekannt.

Holt das Amt Bundestrainer Nagelsmann ein?

Neuers Verletzung beeinträchtigt wohl auch Nagelsmanns Pläne. „Ich glaube, dass ihn das Amt ein stückweit einholt. Und vielleicht auch die Verletzung von Neuer“, sagte Hitzlsperger.

Vielleicht habe der Bundestrainer vorgehabt, den Torhüter des FC Bayern als neue Nummer eins zu präsentieren, ehe seine Pläne durch die Verletzung im Ligaspiel gegen Köln durchkreuzt worden seien. „Dann merkt er, er kann es doch nicht sagen. Er hat auch ein bisschen Pech. Aber ideale Vorbereitung sieht anders aus“, verdeutlichte Hitzlsperger.

Am 21. Mai wird Nagelsmann dann seinen finalen Kader bekanntgeben.