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Was bei der Klopp-Show auffiel

Was bei der Klopp-Show auffiel

Jürgen Klopp zeigt auf der DFB-Bühne zwei Gesichter. Der neue Bundestrainer versprüht gute Laune, doch es überwiegen die ernsten Töne.
Jürgen Klopp spricht über die hohen Erwartungen rund um die deutsche Nationalmannschaft. Dabei nimmt er Vorgänger Julian Nagelsmann in Schutz.
Jürgen Klopp zeigt auf der DFB-Bühne zwei Gesichter. Der neue Bundestrainer versprüht gute Laune, doch es überwiegen die ernsten Töne.

Zwischendrin wirkte es so, als müsse Jürgen Klopp die ganze Last seines neuen Jobs immer wieder ein wenig abschütteln. Gerade sprach er noch mit heiligem Ernst über die Zukunft des deutschen Fußballs, da platzte plötzlich ein lockerer Spruch aus ihm heraus.

„Hat der Bundestrainer einen festen Parkplatz?“, fragte Klopp in Richtung DFB-Führungsriege. Oder er erzählte von seinen zwei Einsätzen in der Studenten-Nationalmannschaft und attestierte einem Reporter aus Dortmund, dass dieser älter geworden sei – „wie man sieht“. Kurz davor ließ er ganz locker und unkonventionell seinen Bart über das Mikrofon kratzen. Szenen, wie man sie von Klopp kennt. Doch diesmal überwogen die ernsten Töne und Analysen – Show, aber nicht zu viel davon.

Klopp muss sich zwischenzeitlich selbst bremsen

Teilweise redete Klopp wie ein Wasserfall. Voller Leidenschaft beantwortete er die Fragen der Medienvertreter, obwohl ihm das in den vergangenen zwei Jahren angeblich nicht gefehlt habe.

Einmal wollte er sogar so schnell und dringend seine Meinung unters Volk bringen, dass er schon zu sprechen begann, obwohl der Reporter seine Frage noch gar nicht zu Ende gestellt hatte. Schon zuvor hatte sich der Neue selbst bremsen müssen: „Jetzt… Was? Wo waren wir? Genau…“, entfuhr es ihm, als er sich in einem Monolog verloren hatte.

Klopp ist nicht kompromissbereit

Zu diesem Tempo-Auftritt passte, dass seine Haare am Hinterkopf noch etwas wilder aufstanden als sonst. Dass über seiner Arbeit immer noch das Motto „Vollgas“ steht, wurde auch dadurch deutlich, dass der 59-Jährige vor lauter Lust und Tatendrang so manche Silbe verschluckte. „Wie ihr merkt: Reden geht immer noch“, erklärte Klopp selbstironisch und fügte an: „Vernünftig hebe ich mir dann für die Spieler auf.“

Zu Kompromissen ist der neue Bundestrainer offenkundig nicht bereit. „Sehr tief“ wolle er in die Strukturen eintauchen, sagte Klopp und schob eine Ansage an die Presse hinterher: „Ich mach das für euch. Ihr wollt mich nicht? Dann geh‘ ich. Ihr wollt mich? Dann müsst ihr schon ein paar Dinge in Kauf nehmen, wo nicht alle immer gleich Hurra schreien werden – möglicherweise.“ Anecken mit Ansage und Medien-Schelte inklusive – das scheint Klopps Marschroute zu sein.

Ein „Macher“ mit klaren Ansagen

Das Problem: Es ist der Weg, für den sich sein direkter Vorgänger Julian Nagelsmann in der Endphase seiner Zeit als Bundestrainer ebenfalls entschieden hatte. Auch er kündigte vor der WM-Nominierung an, für Überraschungen zu sorgen und wirkte an den Mikrofonen zunehmend genervt. Es wäre dann doch überraschend, wenn Klopp das ebenfalls anstreben würde…

Trotzdem: Der Bundes-Messias lieferte. Immer wieder fielen Sätze, die DFB-Präsident Bernd Neuendorf und seinem Vize Hans-Joachim Watzke vermutlich einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen. Genau so einen „Macher“ mit klaren Ansagen hatten sie in Frankfurt gesucht. Alles soll hinterfragt und dann besser werden. Ein Schritt mit Risiko, doch die Führungsriege des Verbandes dürfte wissen, worauf sie sich eingelassen hat. Klopp selbst unterstrich es mit einem einfachen Satz: „Wer Jürgen holt, kriegt ihn.“

Ein Detail fehlte bei der Vorstellung

Rund 65 Minuten dauerte der erste Auftritt des neuen Bundestrainers auf der DFB-Bühne – der allergrößte Redeanteil gehörte natürlich ihm. Ein Punkt war Klopp dabei offenkundig besonders wichtig: Die Fans sollen wieder Lust auf die Nationalmannschaft haben. Er selbst habe zuletzt kaum Länderspiele gesehen, die „rechts und links von großen Turnieren“ liefen, gab er zu. Jetzt wolle er aber, dass die Anhänger des DFB-Teams mit von der Partie sind: „Wir können das nicht ohne die Leute da draußen machen. Das geht nicht.“

Die Rückkehr an die Weltspitze will Klopp als eine Art nationale Kraftanstrengung verstanden wissen. Alle sollen helfen: Die DFB-Bosse, sein Trainerstab, Fans, Medien – mit ihm an der Spitze. Klugerweise verkaufte er sein Engagement als fußball-patriotischen Akt: „Allen, die Fußballfans sind in diesem Land, fühle ich mich verpflichtet.“ Man wäre nicht überrascht gewesen, wenn Klopp sich bereits den Bundesadler auf die Brust tätowiert hätte oder gar ehrenamtlich arbeiten würde. Hier schränkte er aber ein: „Ich werde sehr gut bezahlt.“

Was an diesem Vormittag dann doch irgendwie fehlte, war ein Detail: Der 59-Jährige verzichtete darauf, in einer DFB-Jacke zu erscheinen. Und das, obwohl er bei einem Fotoshooting des Verbands eine getragen hatte – wie übrigens bereits vor der WM in einem Werbefilmchen für Magenta TV… Es wäre das i-Tüpfelchen auf dem Klopp-Auftritt gewesen, hätte all die Bundestrainer-Last aber wohl noch etwas deutlicher gemacht.