DFB-Team>

Das alte Leid ereilt auch Jürgen Klopp

Das alte Leid ereilt auch Jürgen Klopp

Jürgen Klopp benennt am Donnerstagvormittag den Kader für seine ersten Länderspiele als Bundestrainer. Gerade die Besetzung der deutschen Problemposition dürfte dabei einmal mehr zeigen: Zaubern kann selbst Klopp nicht.
Bereits vor dem ersten Länderspiel von Jürgen Klopp herrscht Unruhe beim DFB. Denn viele Nominierungen des neuen Bundestrainers gelangen vor der offiziellen Veröffentlichung an die Öffentlichkeit. SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger ordnet die Lage ein.
Jürgen Klopp benennt am Donnerstagvormittag den Kader für seine ersten Länderspiele als Bundestrainer. Gerade die Besetzung der deutschen Problemposition dürfte dabei einmal mehr zeigen: Zaubern kann selbst Klopp nicht.

Einmal Hand auflegen und das DFB-Team zurück an die Spitze des Weltfußballs katapultieren? So einfach dürfte es selbst für den von vielen als Heilsbringer bezeichneten Jürgen Klopp nicht werden. Denn mit motivierenden Worten allein steigt die Qualität im Team nicht über Nacht.

Das zeigt sich vor allem an einer Achillesferse des DFB-Teams – mal wieder: der Außenverteidigerposition. Wer soll also außen verteidigen?

Auf der linken Abwehrseite dürfte Klopp schon einen Hinweis auf seine Wunschlösung gegeben haben: Nathaniel Brown. Vor dem Bundesliga-Auftakt der Bayern gegen Stuttgart sagte er mit einem Augenzwinkern: „Da haben wir mal einen Linksverteidiger und dann stellen sie ihn auf die Zehn“.

Wo es für Jürgen Klopp knifflig wird

Als Backups stehen die üblichen Verdächtigen bereit: Mentalitätsspieler David Raum genauso wie Maximilian Mittelstädt, der in dieser Spielzeit von VfB-Coach Sebastian Hoeneß sogar schon auf rechts ausprobiert wurde. Auch der Augsburger Linksverteidiger Henns Behrens, der bislang völlig überraschte und auftrumpfte, dürfte auf der Liste des Bundestrainers stehen.

So weit, so gut. Doch gerade auf der rechten Seite wird es knifflig für den neuen Bundestrainer.

Dass Klopp mit Joshua Kimmich wohl als zentralem Mittelfeldspieler plant – also dort, wo er auch beim deutschen Rekordmeister seit Jahren zu den Besten der Welt gehört –, ist vernünftig und nach den schmerzhaften Erfahrungen bei der Weltmeisterschaft auch nur folgerichtig.

Dass der 31-Jährige überhaupt als Rechtsverteidiger auflaufen musste, lag schließlich an fehlenden Alternativen auf Top-Niveau. Einen Außenverteidiger von internationaler Klasse auf der rechten Seite gab es nicht – und dürfte auch in Zukunft schwer zu finden sein. Für Klopp bedeutet das: Experimentieren.

Elversberger Keidel winkt DFB-Debüt

Dass der Elversberger Felix Keidel, gelernter Rechtsverteidiger, wohl in den Kader berufen wird, ist daher nur auf den ersten Blick eine faustdicke Überraschung. Denn seine mögliche Nominierung legt das eigentliche Problem schonungslos offen.

Ohne Zweifel: Der 23-Jährige hat sich eine Berufung absolut verdient. In den ersten Bundesliga-Spielen der Saarländer überzeugte Keidel auf ganzer Strecke – auf der Sechs oder der etwas offensiveren Achterposition.

Doch sein Weg verlief keineswegs geradlinig: In der vergangenen Spielzeit verlor er seinen Stammplatz und stand am Ende nicht einmal mehr im Kader – in der 2. Liga!

Zaubert Jürgen Klopp eine Überraschung aus dem Hut?

Als etwas erfahrenerer Kandidat kommt Josha Vagnoman infrage (zwei Tore und eine Vorlage in dieser Bundesliga-Saison) – genauso wie die beiden Leipziger Ridle Baku und Benjamin Henrichs, die in dieser Spielzeit allerdings schon große Schwächen offenbarten.

Oder Klopp zaubert eben doch eine Überraschung für hinten rechts aus dem Hut: Philipp Treu. Der Freiburger – immerhin bester Zweikämpfer der Bundesliga – überzeugte bislang und darf von seinen ersten Länderspielminuten träumen.

Und trotzdem gilt festzuhalten: Qualitativ ist die Besetzung der Außenverteidigerposition damit kaum mit einer französischen, englischen oder gar spanischen Nationalmannschaft zu vergleichen.

DFB: Spannende Namen, aber keine fertige Lösung

Blickt man auf die Optionen, die Klopp zur Verfügung stehen und die er allesamt unter die Lupe nehmen wird, fällt eines auf: Es sind spannende Spieler. Spieler, die entweder wie Phönix aus der Asche kommen oder eben schon seit Jahren auf dem Radar stehen, bislang aber keine unangefochtenen Stammspieler, geschweige denn echte Stützen im DFB-Team waren.

Dass Klopp überhaupt so fleißig experimentieren und austesten will und muss, ist erfrischend. Es zeugt aber zugleich von einem altbekannten Problem im DFB-Team.

Die Besetzung der Außenverteidigerposition dürfte für Klopp – genauso wie für seine Vorgänger – also mal wieder zur Herkulesaufgabe werden. Vor allem rechts hinten fehlt derzeit die naheliegende Lösung.

Wie er dieses Problem lösen will, wird der neue Bundestrainer bei der Nominierungs-PK am Donnerstag um 10.00 Uhr erläutern.

Aber schon jetzt zeigt sich: Auch Jürgen Klopp kann nicht zaubern.

Abonniere den Fußball-Newsletter und bleibe immer am Ball! Alle Tore und News direkt in dein Postfach