Das erste Spiel unter Jürgen Klopp ist noch nicht gespielt, da seziert ganz Fußball-Deutschland traditionsgemäß bereits jeden, der beim Bundestrainer künftig auflaufen, auf der Bank sitzen oder zu Hause bleiben könnte.
Fünf interessante Klopp-Personalien
Fünf interessante Klopp-Personalien
Für die vier Länderspiele gegen die Niederlande, Griechenland, Serbien und nochmals Griechenland sickerten hier und da bereits einige potenzielle Namen durch. Bevor die offizielle Liste der Öffentlichkeit am Donnerstag (10.00 Uhr) präsentiert wird, blickt SPORT1 auf fünf Spieler, deren (mögliche) Geschichte im DFB-Dress Spannung verspricht.
Nicolò Tresoldi: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Der Knipser von Club Brügge ist schon seit mehreren Länderspielpausen immer wieder Thema, nominiert wurde er bislang aber nicht. Dabei passt sein Profil eigentlich perfekt in das gesuchte Schema der Nationalmannschaft.
22 Jahre jung, ein klassischer Mittelstürmer und international erfahren. Im Sommer 2025 zog es den Neuner von seinem Jugendverein aus Hannover für 7,5 Millionen Euro nach Belgien zu Club Brügge, wo er seiner Bewerbungsmappe weitere 66 Spiele, 28 Treffer und neun Vorlagen hinzufügte. Auch in der Champions League hinterließ er bereits seine Visitenkarte.
Dazu kommen 24 Einsätze mit zwölf Toren für die deutsche U21, einschließlich der Vize-Europameisterschaft 2025. An Julian Nagelsmanns WM-Zug „war er wirklich lange super nah dran“, bekräftigte der ehemalige Bundestrainer im Mai.
Eine Entscheidung, die dem DFB noch teuer zu stehen kommen könnte. Denn geboren ist der Torjäger in Cagliari und wäre damit auch für Italien spielberechtigt.
Die Gazzetta dello Sport berichtete zuletzt sogar von einer Entscheidung des Spielers für die Squadra Azzurra. Nach SPORT1-Informationen ist das letzte Wort hier jedoch noch nicht gesprochen. Klopp könnte mit einer Nominierung Klarheit schaffen.
Jamal Musiala: Eine Frage des Vertrauens
Besonnenheit und viel Zuspruch: So die Marschroute des FC Bayern nach den öffentlich gewordenen Absencen des Dribblers.
„Er hat sich das verdient, das war kein Geschenk“, erklärte Vincent Kompany den jüngsten Startelf-Einsatz in der Champions League. Uli Hoeneß attestierte dem Trainer dafür „Mut“. Kompany mache „einen Superjob, wie er ihn aufbaut, wie er ihn unterstützt“.
Seit seinem schweren Wadenbeinbruch im Juli 2025 sucht der 23-Jährige nach seinem Rhythmus und seiner Form. Doch nach SPORT1-Informationen kann Musiala von Klopp ähnliches Vertrauen erwarten wie von seinem Vereinstrainer.
Die ersten Gespräche liefen gut. Per Sprachnachricht sicherte der Bundestrainer dem Offensiven seine Unterstützung zu. Kompany bescheinigt ihm zudem „Topform“ und eine „unglaubliche Verfassung“.
Ob es nun für eine DFB-Nominierung reicht, bleibt bis Donnerstag trotzdem eine spannende Frage.
Marc-André ter Stegen: Der Rückkehrer
Die tragische Verletzung des Torhüters im Frühjahr war der Grund, dass vor der WM ein regelrechtes Politikum um den Platz zwischen den deutschen Pfosten ausbrach, an dem sich schließlich auch Nagelsmann die Finger verbrannte.
Die Leidenszeit des einstigen Gladbachers ist zur Genüge erzählt, überraschender ist daher, dass der 34-Jährige nun doch noch einmal seine Chance erhält. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge setzt Klopp nach ter Stegens Ajax-Wechsel im Sommer wieder auf den Routinier. Der Keeper selbst berichtete von einem „tollen Gespräch“ mit dem Bundestrainer.
Für Oliver Baumann bedeutet das hingegen die Ausbootung. Nach seiner Degradierung im Sommer fehlt der Hoffenheimer nach SPORT1-Informationen jetzt gänzlich im Aufgebot. Alexander Nübel ist nach starken Leistungen bei Besiktas wohl ebenfalls dabei. Dahinter streiten sich unter anderem Jonas Urbig, Noah Atubolu oder Schalkes Loris Karius um den dritten Platz.
Serge Gnabry: Stütze nach langer Verletzung?
Auch bei Serge Gnabry bahnt sich das DFB-Comeback an, fraglich nur, ob schon beim kommenden Lehrgang. Im Frühjahr zeigte die Formkurve des 31-Jährigen nach zwischenzeitlichen Schwierigkeiten wieder deutlich nach oben und machte durchaus Hoffnungen auf ein gutes Turnier.
Im April bremste ihn dann jedoch eine Adduktorenverletzung aus und zwang ihn auf die Tribüne. Gegen Elversberg feierte er zwar seine Kader-Rückkehr, wird von den Bayern allerdings behutsam aufgebaut und wartet noch auf seinen ersten Einsatz.
Eine große Rolle dürfte der vielseitig einsetzbare Offensivmann also auch im Falle einer Nominierung noch nicht spielen. Für die Zukunft scheint die Tür aber bei passender Leistung offen zu sein. Zumal Klopp bei seiner erwarteten Verjüngungskur ein paar erfahrene Nationalspieler gebrauchen kann.
Noahkai Banks: Einer der 57?
Der 19 Jahre alte Innenverteidiger des FC Augsburg ist möglicherweise einer der Namen auf Klopps berüchtigter 57-Namen-Liste. „Es werden Spieler Möglichkeiten bekommen, die noch gar nicht damit rechnen“, verkündete er auf seiner Antritts-Pressekonferenz. Doch ganz ungeplant käme die Berufung für Banks nicht.
Nach einer durchwachsenen vergangenen Saison ist der Youngster in seinem nunmehr dritten Bundesligajahr als rechter Part der Dreierkette gesetzt.
Ähnlich wie bei Tresoldi muss Klopp bei ihm eine zukunftsweisende Entscheidung treffen: Banks ist auf Hawaii geboren, jedoch im Allgäu aufgewachsen und so für den DFB und die USA spielberechtigt. Die US-Boys würden das Talent nur zu gerne bei sich halten.
Nationaltrainer Mauricio Pochettino bot ihm wohl sogar die vermutlich einmalige Chance auf eine Heim-WM im Sommer. Doch Banks lehnte ab, „auch mit Blick auf die Zukunft“, wie er erklärte.
In der Nationalelf müsste er sich unter Klopp zwar wohl an eine Viererkette umgewöhnen, ins Gewicht fallen wird dieser Aspekt aber wohl kaum. Nach dem Rücktritt Antonio Rüdigers und der langen Verletzung Nico Schlotterbecks sind in der deutschen Abwehr zudem noch nicht alle Planstellen besetzt.