Der Fußball gleicht oft einer emotionalen Achterbahnfahrt – so erging es am Donnerstagabend auch Noah Atubolu. Der Torhüter des SC Freiburg avancierte im Europa-League-Halbfinale beim SC Braga (1:2) zunächst zum Helden, bevor er genau eine Halbzeit später beim entscheidenden Gegentor eine unglückliche Figur machte.
Europa League: Erst Held, dann Pechvogel
Erst Held, dann Unglücksrabe
„So ein unnötiges Gegentor ist unfassbar“, erklärte der aufgewühlte Atubolu unmittelbar nach der Partie am RTL-Mikrofon.
Der 23-Jährige hatte in der zweiten Minute der Nachspielzeit einen zentralen Schuss von Bragas Vitor Carvalho nach vorn abprallen lassen, Mario Dorgeles stand goldrichtig und verwandelte eiskalt ins rechte untere Eck – zum ekstatischen Jubel der Heimfans.
„Ich glaube, das wäre uns am Anfang nicht passiert“, ordnete Atubolu die bittere Szene ein und wies dabei auf nachlassende Kräfte am Spielende hin: „So machen wir es uns selbst schwer.“
Europa League: Atubolu patzt folgenschwer
Für seinen folgenschweren Fauxpas hatte er auch eine genaue Begründung parat: „Das Problem war, dass ich den Ball nicht sehe. Ich glaube, Philipp Lienhart war es, der fast vor mir oder neben mir steht. Ich sehe ihn (den Ball; Anm. d. Red.) gerade noch so und kriege die Hände hoch und dann prallt er irgendwo auf.“
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus musste ebenfalls zugeben, dass Atubolu beim zweiten Gegentor eine Mitschuld trug. „Er sieht schlecht aus“, stellte der TV-Experte fest, merkte aber auch an: „Aber wenn er den Ball erst so spät gesehen hat, konnte er vielleicht nicht anders reagieren.“
Ex-Nationalspieler Max Kruse analysierte: „Atubolu muss den Ball festhalten oder zur Seite wegfausten. Das war ein Mix aus beidem, das hat nicht so gut geklappt.“ Der langjährige Bundesliga-Profi stellte fest: „Freud und Leid liegen manchmal nah beieinander. Am Ende bleibt aber das, was als Letztes passiert ist, in den Köpfen.“
Matthäus lobt Atubolus Elfmeter-Qualitäten
Klar sei laut Kruse aber auch: „Atubolu hat den SC in der ersten Halbzeit im Spiel gehalten.“ Damit spielte der 38-Jährige auf den Elfmeter von Ex-Schalker Rodrigo Zalazar an, den Atubolu kurz vor dem Halbzeitpfiff glänzend pariert hatte.
„Den Elfmeter hat er gut gerochen. Der war nicht so unplatziert geschlossen“, lobte Matthäus. Schon in der Halbzeitpause schwärmte der Weltmeister von 1990 von Atubolu: „Er hält und hält. Das sieht man häufig, eigentlich in jedem Spiel.“
Der SC-Schlussmann, der zuletzt auch mit einem möglichen Abgang im Sommer in Verbindung gebracht wurde, erwies sich einmal mehr als echter Elfmeter-Killer: Sechs der letzten sieben Schüsse vom Punkt konnte er nun parieren.
Atubolus Bilanz kann sich sehen lassen
Im vergangenen Jahr hatte Atubolu mit fünf gehaltenen Strafstößen in Folge sogar einen Bundesligarekord aufgestellt – und sich mit seinen Leistungen auch für die deutsche Nationalmannschaft empfohlen.
Zuletzt war er aber nicht von Bundestrainer Julian Nagelsmann nominiert worden. Der Fokus von Atubolu liegt aber nun ohnehin erst einmal auf dem SC Freiburg: Denn nach dem 1:2 im Hinspiel bei Braga benötigen die Breisgauer für die erste Teilnahme an einem Europacup-Endspiel eine erfolgreiche Aufholjagd beim Wiedersehen am kommenden Donnerstag.
Was den Freiburgern Mut machen kann: In der aktuellen Europa-League-Saison setzte es im eigenen Stadion noch keine Niederlage – der SC gewann sogar alle sechs Partien im Europa-Park-Stadion.
Atubolu: „Es ist nicht vorbei“
Und Atubolu? Der ließ in diesen Spielen nur zwei Gegentore zu. Kein Wunder also, dass sich der 23-Jährige optimistisch gibt: „Es ist nicht vorbei. Im Rückspiel bei uns zu Hause ist alles möglich. Wir glauben an uns, die Fans glauben an uns.“
Und wer weiß: Vielleicht wird ausgerechnet Atubolu bei einer möglichen Wende im Halbfinal-Rückspiel zum Helden.