Die lange Zeit der Reha ist endlich vorbei. Seit einigen Tagen trainiert Lena Oberdorf wieder ohne Einschränkungen mit den Frauen des FC Bayern München. Die Mittelfeldspielerin läuft, sie passt, sie bestreitet Zweikämpfe – und hat sichtlich Spaß dabei.
FC Bayern: Lena Oberdorf ist geduldig geworden
Die Abräumerin ist geduldig geworden
Schon gegen Ende der vergangenen Saison stieg die 24-Jährige wieder ins Mannschaftstraining ein, allerdings war Oberdorf lange als „neutrale Spielerin“ unterwegs. Das bedeutete, dass sie in keine Zweikämpfe mit ihren Mitspielerinnen verwickelt werden durfte.
Nach zwei Kreuzbandrissen im rechten Knie innerhalb von 15 Monaten ist Vorsicht das oberste Gebot. Und auch jetzt, wo das Comeback näher rückt, wollen die 24-Jährige und die Verantwortlichen beim FC Bayern nichts überstürzen.
Wenn die Doublesiegerinnen aus München am Samstag im Supercup auf den VfL Wolfsburg treffen (19.30 Uhr im Liveticker), wird Oberdorf noch nicht zum Kader gehören. Während ihrer langen Leidenszeit ist die Nationalspielerin geduldiger geworden, den richtigen Zeitpunkt für die Rückkehr auf den Rasen werden die behandelnden Ärzte festlegen.
Der Transfer von Lena Oberdorf war ein Zeichen an die Konkurrenz
„Das ist auch gut so, dann mache ich mir keinen Stress und die Entscheidung wird zusammen mit Menschen getroffen, die sich sehr gut damit auskennen“, sagte sie kürzlich nach einer Trainingseinheit am Bayern-Campus.
Oberdorf, deren Markenzeichen krachende Tacklings und eine intensive, körperbetonte Spielweise sind, ist geduldig geworden. Dabei waren die Erwartungen enorm, als der FC Bayern die damals beste deutsche Fußballerin im Februar 2024 vom Dauerrivalen Wolfsburg verpflichtete. Der Transfer war ein Zeichen an die nationale Konkurrenz und unterstrich gleichzeitig die ehrgeizigen Ziele, die die Münchnerinnen in der Champions League verfolgen.
Doch das Verletzungspech schlug zu, bevor die Mittelfeld-Abräumerin überhaupt das erste Mal im roten Trikot auflaufen konnte. Im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich im Juli 2024 zog sie sich bei einem Zweikampf mit ihrer jetzigen Mitspielerin Barbara Dunst einen Kreuz- und Innenbandriss zu.
Oberdorf fiel über ein Jahr aus, sie verpasste die Olympischen Spiele und die Europameisterschaft mit dem DFB-Team. Beim 4:2-Sieg im Supercup gegen Wolfsburg im vergangenen Jahr konnte „Obi“ dann endlich ihr Pflichtspieldebüt für den FC Bayern geben.
Oberdorf: „Ich glaube, ich bin als Mensch gereift“
Gerade als sie auf dem Weg war, an die alte Form anzuknüpfen, verletzte sie sich am 15. Oktober des vergangenen Jahres erneut schwer. Nach nur fünf Einsätzen und insgesamt 314 Minuten im Bayern-Trikot prallte sie im Bundesliga-Spiel gegen den 1. FC Köln unglücklich mit Gegenspielerin Adriana Achcinska zusammen und zog sich wieder einen Kreuzbandriss zu. „Es war einfach Pech, dass sie mir da ‚perfekt‘ ins Knie fällt“, beschrieb Oberdorf kürzlich die verhängnisvolle Szene.
Die nächste OP stand an, die lange Reha-Phase begann von vorne. Rein sportlich könnte man von zwei verlorenen Jahren sprechen – persönlich wuchs die Bayern-Spielerin aber an den Herausforderungen.
„Ich bin deutlich erwachsener geworden. Ich bin nicht mehr so naiv, nicht zuletzt mit Blick auf meine Entscheidungen auf dem Platz. Welchen Zweikampf muss ich jetzt wirklich bestreiten? Wo muss ich wirklich ran und wo kann ich ruhiger agieren? Auch privat hat mich diese Zeit weitergebracht. Ich habe jetzt ein gutes Gespür, was ich brauche, welche Menschen ich in meinem Leben haben will und welche Menschen extrem wichtig sind – gerade in so einer Reha-Phase. Ich glaube, ich bin als Mensch gereift“, erklärte sie.
José Barcala sieht Lena Oberdorf als Schlüsselspielerin beim FC Bayern
Im dritten Anlauf will Oberdorf nun endlich in München durchstarten. Nach dem Abgang von Georgia Stanway zum FC Arsenal ist ein Platz im zentralen Mittelfeld freigeworden, Trainer José Barcala ist sehr zuversichtlich, dass Oberdorf schon bald eine Schlüsselrolle einnehmen kann.
„Meiner Meinung nach ist Lena eine der besten Sechserinnen der Welt. Sie ist eine der besten defensiven Mittelfeldspielerinnen, aber auch sehr vielseitig. Sie kann zwischen den Linien spielen, sie ist technisch sehr stark und kann Pässe auf die Spielerinnen in den Zwischenräumen spielen“, sagte der Spanier.
Von Beginn an war es die Absicht des FC Bayern, Oberdorf etwas offensiver einzusetzen und ihre Torgefährlichkeit mehr zu Geltung zu bringen. „Ich denke, das ist immer noch der Plan. Unser Trainer traut mir da relativ viel zu, auch im Angriffsviertel. Unsere Spielweise ist sowieso sehr frei – es geht darum, immer die Räume zu besetzen, egal von wem. Von daher könnte sich auch für mich die eine oder andere Chance ergeben, Tore zu schießen“, erklärte sie.
An die WM in Brasilien denkt Lena Oberdorf noch nicht
Nicht nur beim FC Bayern, sondern auch bei der Nationalmannschaft wird man genau hinschauen, ob und wann Oberdorf wieder zu ihrer Topform findet. Die DFB-Frauen sind bereits für die Weltmeisterschaft in Brasilien im kommenden Sommer qualifiziert, auch unter Bundestrainer Christian Wück könnte „Obi“ eine Schlüsselrolle einnehmen.
Oberdorf selbst will aber gar nicht so weit vorausschauen. Endlich beim FC Bayern ankommen und wieder Spaß am Fußball haben, das sind die Ziele, die sie sich für die nächsten Wochen und Monate gesteckt hat – was ein weiteres Indiz dafür ist, wie geduldig die Abräumerin geworden ist.