Linda Dallmann sprach schmunzelnd von den „Kötteln“ in den Hosen der Münchner Fußballerinnen – und wurde plötzlich doch ganz ernst. Noch so eine Angsthasen-Halbzeit, mahnte die Matchwinnerin nach dem Wackel-Sieg des FC Bayern im Viertelfinale der Champions League, und der große Titeltraum wäre ganz schnell ausgeträumt.
Eine kleine Wiederauferstehung beim FC Bayern
Eine kleine Wiederauferstehung
„Das“, warnte auch Bianca Rech nach dem 2:1 (0:1) im Rückspiel gegen Manchester United, „darf uns im Halbfinale nicht passieren. Wir müssen lernen, dass wir von der ersten Sekunde an da sind.“ Dennoch sprach die Klubdirektorin nach dem ersten Vorstoß unter die Top 4 der Königsklasse seit fünf Jahren ganz offen vom großen Wurf.
„Träumen darf man“, sagte Rech mit leuchtenden Augen, „und man darf auch den Glauben daran haben, dass wir Barcelona ärgern können.“ Der Topfavorit galt schon vor seinem Rückspiel gegen Real Madrid dank eines 6:2-Polsters als sicherer Gegner für die Vorschlussrunde (25./26. April und 2./3. Mai). Ein gutes halbes Jahr nach der 1:7-Demütigung in der Ligaphase bei den Katalaninnen fühlen sich die Bayern bereit für die Revanche.
FC Bayern: Dallmann ist wieder wichtig
Seit dieser „größten Lehrstunde“, sagte Dallmann, die gegen United spät zum Sieg getroffen hatte (84.), „haben wir uns extrem weiterentwickelt“. Das gilt auch für die 31-Jährige selbst. Unter Ex-Coach Alexander Straus fand sie sich oft auf der Ersatzbank wieder und spielte sogar mit dem Gedanken, im Mai 2025 zu Benfica Lissabon zu wechseln. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Dallmann gehört wieder zum Stammpersonal – Trainer José Barcala vertraut im Zentrum meist von Beginn an auf sie.
Die Folge: Vor Kurzem verlängerte der Verein ihren Vertrag bis 2027. Rech aber schwärmte nicht nur von Dallmann, die nach der Partie samt Megafon zu den Fans auf den Zaun durfte, sondern von vielen. Von der „Qualität“ und der „Überzeugung“ der Mannschaft, vom „Zug zum Tor“ und Anführerinnen wie Pernille Harder („Die will das!“) oder Momoko Tanikawa („Was die auf den Platz zaubert!“).
Für die Chefin ist klar: An jenem schwarzen Oktober-Abend bei Barca „waren wir sicherlich noch nicht auf dem Niveau unterwegs wie wir es jetzt sind“. Dass Säulen wie Klara Bühl, Katharina Naschenweng und Jovana Damjanovic bis zum Halbfinale zurückerwartet werden, verbessert die Chancen noch.
In München ist träumen jetzt erlaubt
Diese Bayern, betonte Kapitänin Glodis Viggosdottir, die den wichtigen Ausgleich besorgt hatte (81.), hätten „so viel Herz, so viel Talent“ – und den passenden Trainer. „Jose glaubt an uns“, bekräftigte Dallmann, und diesen Glauben habe er ihnen in der Pause eingeimpft. Danach, sagte der Spanier, „haben wir die beste Version meiner Mannschaft gesehen“.
Rech würdigte Barcalas „große Rolle“ auf dem Weg in Richtung europäische Spitze. Sichtlich stolz sprach sie von einem „kleinen Ausrufezeichen für den deutschen Fußball“ und einem „großartigen Schritt für uns als Verein“. Für den großen Coup braucht es aber eine weitere Steigerung – Barcala glaubt daran.
Seine Elf, sagte er, „kennt keine Grenze. Wie sie sich coachen, wie lernwillig sie sind – mit dieser Einstellung gibt es keine Decke. Die Entwicklung dieser Mannschaft ist unaufhaltsam.“ Und träumen erlaubt.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)