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Ein Gesicht des deutschen Frauenfußballs

Eine deutsche Pionierin

Pionierin Monika Staab ist eines der Gesichter des deutschen Frauenfußballs. Im SPORT1-Podcast Leadertalk spricht sie von ihrer Kindheit, Widerständen und ihrem Erfolg als Trainerin.
Monika Staab ist eine der prägendsten Persönlichkeiten im deutschen Frauenfußball
Monika Staab ist eine der prägendsten Persönlichkeiten im deutschen Frauenfußball
© IMAGO/Just Pictures
Pionierin Monika Staab ist eines der Gesichter des deutschen Frauenfußballs. Im SPORT1-Podcast Leadertalk spricht sie von ihrer Kindheit, Widerständen und ihrem Erfolg als Trainerin.

Monika Staab ist eine der prägendsten Persönlichkeiten im deutschen Frauenfußball – und eine echte Pionierin auf der internationalen Bühne. Als Trainerin hat sie mit dem 1. FFC Frankfurt Geschichte geschrieben, Titel gewonnen und den Frauenfußball in Deutschland entscheidend mit aufgebaut – zu einer Zeit, in der vieles noch ganz am Anfang stand. Doch ihr Weg geht weit darüber hinaus.

In über 90 Ländern war sie unterwegs, hat Frauenfußball entwickelt, Strukturen geschaffen und dort angesetzt, wo es oft noch nichts gab. Zuletzt hat sie in Saudi-Arabien den Frauenfußball maßgeblich mit aufgebaut – von den ersten Strukturen bis hin zu Ligen, Akademien und Nationalmannschaften. Nach dieser intensiven Aufbauarbeit ist sie nun im Ruhestand.

Im LEADERTALK mit Host und Business-Coach Mounir Zitouni erzählt Monika Staab von ihrem außergewöhnlichen Weg: von einer Kindheit, in der Mädchen noch nicht Fußball spielen durften, von den ersten Schritten im Frauenfußball und den Widerständen, die es zu überwinden galt, und von ihrer Zeit als Trainerin, in der sie mit Frankfurt zur erfolgreichsten Mannschaft Europas wurde. Sie gibt Einblicke in ihre Arbeit in Ländern wie Gambia, Myanmar oder Saudi-Arabien – und beschreibt, was es wirklich bedeutet, bei Null anzufangen, Strukturen aufzubauen und Menschen für eine Idee zu gewinnen. Es geht um Führung unter völlig anderen Bedingungen, um die Kraft von Zuhören und Vertrauen – und um die Frage, wie man Menschen entwickelt, die sich selbst noch gar nicht als Teil eines Systems sehen. Und es geht um den Impact dieser Arbeit: Was passiert, wenn Mädchen plötzlich spielen dürfen, wenn sie Selbstvertrauen entwickeln, und wenn aus einem einfachen Zugang zu Sport echte gesellschaftliche Veränderung entsteht. Ein Gespräch über Haltung, über Wirkung – und über eine Frau, die den Frauenfußball nicht nur geprägt, sondern weltweit vorangetrieben hat.

Vorbild des Frauenfußballs

„Lebensqualität“ – so beschreibt Monika Staab auf die Frage nach ihrem Ruhestand das, was für sie heute zählt. Und sie ergänzt: „Solange man es genießen kann, solange man gesund ist, ist ja nun mal das Wichtigste“. Wenn man ihr zuhört, wird schnell klar: Dieser Blick kommt nicht von ungefähr. Er ist das Ergebnis eines Lebens, das früh begonnen hat, gegen Widerstände anzugehen. Staab wächst in einer Zeit auf, in der Mädchenfußball kaum existiert. Sie steht als Kind mit den Jungs auf der Straße, spielt, wo sie kann – obwohl es eigentlich nicht vorgesehen ist. Sie selbst sagt: „Von vier Jahren bis elf Jahren durfte ich in keinem Verein Fußball spielen“. Erst 1970 wird Frauenfußball offiziell erlaubt.

Diese Jahre prägen sie. Früh muss sie sich behaupten, früh ihren Platz finden. Und genau daraus entsteht eine Haltung, die sie bis heute trägt: „Aufgeben ist keine Alternative“. Als Spielerin geht sie ihren Weg ins Ausland, spielt in Frankreich und England – zu einer Zeit, in der Frauenfußball kaum Strukturen kennt. Und als Trainerin beginnt sie später genau diese Strukturen selbst zu schaffen.

Mit dem 1. FFC Frankfurt prägt sie eine der erfolgreichsten Mannschaften im europäischen Frauenfußball. Mehrere deutsche Meisterschaften, Pokalsiege und der Gewinn des UEFA-Cups stehen für eine Phase, in der Frauenfußball in Deutschland beginnt, sichtbar und ernst genommen zu werden. Doch für Staab ist Erfolg nie ein Zustand. Sondern immer wieder ein neuer Anfang: „Jedes Jahr nach dem Erfolg … war für mich klar, wir müssen wieder von vorne anfangen.“

Staab erkundet die ganze Welt

Was sie dabei antreibt, ist nicht nur Leistung. Es ist die Entwicklung von Menschen. „Dass jeder sich selbst ist und jeder sich selbst entfalten kann.“ Und: „Ich finde eine positive Atmosphäre eine ganz, ganz wichtige Erfolgsgarantie.“ Führung bedeutet für sie, Menschen Sicherheit zu geben, ihnen Vertrauen zu schenken und Räume zu öffnen, in denen sie wachsen können.

„Du bist nicht nur als Trainer gegenüber deinen Spielern verantwortlich, sondern auch als Mensch.“ Diese Haltung nimmt sie mit in die Welt – und dort bekommt ihre Arbeit eine ganz andere Dimension.

Ob in Gambia, Myanmar, Bahrain, Japan, Nigeria, Tansania, Kuwait oder Katar – Staab arbeitet in völlig unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten am Aufbau von Frauenfußball. Und überall trifft sie auf andere Voraussetzungen: fehlende Strukturen, kaum Ressourcen, oft wenig gesellschaftliche Akzeptanz.

Und genau hier zeigt sich der eigentliche Kern ihrer Arbeit. „Jedes Mädchen das Fußball spielen möchte, sollte diese Gelegenheit bekommen.“ Dieser Satz steht für weit mehr als Sport. Er steht für Gleichberechtigung. Für Teilhabe. Für Entwicklung. Staab beschreibt sehr klar, was Fußball in diesen Kontexten bewirken kann: „Die Mädchen bekommen dadurch Selbstwertgefühl… Sie sind ein Teil der Gesellschaft.“ Das ist der entscheidende Impact.

Fußball wird zu einem Hebel für Entwicklung

Wenn Mädchen plötzlich spielen dürfen, wenn sie gesehen werden, wenn sie Teil eines Teams sind, verändert sich ihr Selbstbild. Sie werden mutiger, selbstbewusster, beginnen, ihre Rolle in der Familie und in der Gesellschaft anders zu sehen. Die 67-Jährige erzählt, wie Mädchen durch den Sport wieder in die Schule zurückgehen, sich gegen Ungleichbehandlung wehren oder überhaupt erst anfangen, für sich einzustehen. Fußball wird damit zu einem Hebel für Entwicklung – nicht nur individuell, sondern gesellschaftlich.

Und genau deshalb sucht sie immer wieder die Orte, an denen diese Entwicklung noch ganz am Anfang steht. „Das ist richtig Drecksarbeit.“ So beschreibt sie den Aufbau. Es geht um Grundlagen. Um Schulen, um Trainerinnen, um erste Teams. Um Strukturen, die überhaupt erst ermöglichen, dass Mädchen spielen können.

Am Beispiel Saudi-Arabien wird besonders greifbar, was diese Arbeit wirklich bedeutet. Als Monika Staab dort beginnt, gibt es praktisch keine Struktur im Frauenfußball. Keine Liga, keine Nationalmannschaft, keine systematische Ausbildung, keine verlässlichen Trainingsbedingungen. Frauen durften lange Zeit nicht einmal Sport in der Schule machen. Was folgt, ist genau das, was sie selbst „Drecksarbeit“ nennt: Aufbau von Grund auf. Es entstehen erste Ligen, ein geregelter Spielbetrieb, Nachwuchsstrukturen. Trainerinnen werden ausgebildet, Schulen werden eingebunden, Mädchen bekommen überhaupt erst Zugang zu Fußball. Akademien werden aufgebaut, in denen junge Spielerinnen regelmäßig trainieren können. Parallel dazu entstehen Nationalmannschaften in verschiedenen Altersklassen – ein kompletter Unterbau, der vorher nicht existiert hat.

„Ein entscheidender Schlüssel dafür ist für sie das Zuhören“

Doch für Staab liegt der eigentliche Wert nicht in diesen Strukturen oder Zahlen. Sondern in dem, was bei den einzelnen Mädchen passiert. „Du darfst Fußball spielen, du kriegst die Möglichkeit und die Gelegenheit dazu“, sagt sie. Denn das ist der Moment, der alles verändert. Wenn Mädchen, die vorher keinen Platz hatten, plötzlich dazugehören. Wenn sie auf einem Platz stehen, der für sie gedacht ist. Wenn sie merken: Ich bin nicht außen vor – ich bin mittendrin. Aus dieser Erfahrung entsteht etwas, das man nicht verordnen kann: Selbstvertrauen, Mut, eine neue Haltung zu sich selbst. Ein entscheidender Schlüssel dafür ist für sie das Zuhören. „Ich habe zwei Dinge in meinen Missionen: Einmal das Zuhören, weil das ist ganz wichtig – und das andere ist, dass es immer Lösungen gibt. Immer Lösungen, die du suchen musst.“

Nicht von außen Lösungen bringen. Sondern verstehen, was Menschen brauchen. Vertrauen aufbauen. Und genau darin liegt die Kraft ihres Weges: Vom Mädchen, das nicht spielen durfte – zur erfolgreichsten Trainerin ihrer Zeit – hin zu einer, die weltweit Räume schafft, in denen Entwicklung und Gleichberechtigung überhaupt erst möglich werden.

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Mounir Zitouni (55) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seitdem als Businesscoach, betreut Führungskräfte und Unternehmen in puncto Leadership, Kommunikation und Teamentwicklung. Der ehemalige Profifußballer hat die Autobiographie von Dieter Müller geschrieben und im Buch „Teams erfolgreich führen“ (Metropolitan-Verlag, 2024) die Erkenntnisse aus den Gesprächen im Podcast LEADERTALK zum Thema Leadership zusammengefasst.