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Wie die einst beste Torhüterin der Welt tief fiel

Wie Hope Solo tief fiel

Hope Solo, die heute 45 Jahre alt wird, war zu aktiven Zeiten die beste Torhüterin der Welt - aber immer auch eine streitbare Figur. Nach der Karriere schrieb sie unrühmliche Schlagzeilen.
US-Torhüterin Hope Solo im Jahr 2012
US-Torhüterin Hope Solo im Jahr 2012
© IMAGO / Action Plus
Hope Solo, die heute 45 Jahre alt wird, war zu aktiven Zeiten die beste Torhüterin der Welt - aber immer auch eine streitbare Figur. Nach der Karriere schrieb sie unrühmliche Schlagzeilen.

Ihren Tiefpunkt erreichte die schillernde Torhüter-Legende Hope Solo am 21. März 2022. Es war der Tag, an dem Polizisten die ehemalige US-Nationalkeeperin ohnmächtig in einem Auto auf dem Parkplatz eines Supermarkts in North Carolina fanden.

Der Motor lief noch, hinten auf den Rücksitzen ihre damals zweijährigen Zwillinge. Das Fußball-Idol musste sich später schuldig bekennen, das Auto in alkoholisiertem Zustand gesteuert zu haben.

Es war nicht das erste Mal, dass Solo – die heute 45 Jahre alt wird -, aus den falschen Gründen in den Schlagzeilen war. Aber es war ein Moment, der zur Folge hatte, dass sie in sich ging.

Hope Solo kämpfte mit „zerstörerischen“ Alkoholproblemen

„Ich habe einen großen Fehler gemacht. Einfach der schlimmste Fehler meines Lebens. Ich habe unterschätzt, welchen zerstörerischen Teil der Alkohol in meinem Leben eingenommen hat“, schrieb Solo in einem später veröffentlichten Statement.

Mit der nicht nur für sie lebensgefährlichen Verfehlung handelte sich Solo viel Ärger ein: Um eine drohende Zwei-Jahres-Haftstrafe abzuwenden, bekannte sie sich schuldig, zahlte eine Geldstrafe und stimmte einem 30-tägigen Therapieaufenthalt zu.

Es war nicht das erste Mal, dass die einst weltbeste Torhüterin auf Abwege geraten war: Immer wieder spielte der Alkohol eine zentrale Rolle bei ihren sich wiederholenden Eskapaden.

Nicht der erste Vorfall

Berühmt-berüchtigt war auch auch ein Vorfall im Jahr 2014 – nicht nur das Jahr, in dem sie zum dritten Mal hintereinander zur Welttorhüterin gekürt wurde.

Solo wurde häusliche Gewalt unter Alkoholeinfluss gegen ihre Halbschwester und ihren damals 17 Jahre alten Neffen vorgeworfen. Sie entschuldigte sich zwar öffentlich für den Vorfall, sei bei der Auseinandersetzung aber selbst angegriffen worden, teilte später ihr Anwalt mit. Das Verfahren wurde eingestellt.

Zwei Jahre zuvor schon – sie war mit dem US-Team gerade zum dritten Mal Olympiasiegerin geworden – sorgte ihre Beziehung zum ehemaligen Football-Profi Jerramy Stevens für Schlagzeilen.

Am Morgen vor ihrer geplanten Hochzeit war sie mit ihrem Verlobten heftig aneinandergeraten. Der angetrunkene Stevens wurde daraufhin von der Polizei verhaftet, sie als Zeugin vernommen. Die beiden heirateten dennoch und sind bis heute ein Paar. Auch Stevens ist schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen – einmal ebenfalls wegen Alkohol am Steuer.

Eine unruhige Kindheit

Ein ruhiges Leben hatte die am 30. Juli 1981 in Richland im US-Bundesstaat Washington geborene Hope Solo (bürgerlich inzwischen: Hope Stevens) schon früher nicht: Solos Eltern hatten sich scheiden lassen, als sie sechs Jahre alt war. Nach der Trennung holte der Vater seine Kinder eigenmächtig zu sich und wurde vor den Augen seiner Tochter wegen Kindesentführung verhaftet.

Diese einschneidenden Erlebnisse schilderte Solo in ihrer Biografie „Solo: A Memoir of Hope“, die im Jahr ihrer Hochzeit erschien – und in den USA das meistverkaufte Fußballbuch der Geschichte wurde.

Darin schrieb sie auch, dass sie dennoch Zeit seines Lebens zu ihrem 2007 verstorbenen Vater hielt, einem Vietnamkriegsveteranen, der zeitweise auf der Straße lebte. „Von ihm habe ich so viel gelernt. Vor allem, sich trotz aller Rückschläge durchzubeißen“, schrieb sie.

Sportlich erfolgreich, aber auch streitbar

In dem schwierigen familiären Umfeld gedieh tatsächlich eine enorm kämpferische Ausnahmesportlerin – und eine streitbare Persönlichkeit, die sich immer wieder an Trainern und Mitspielerinnen rieb.

Nachdem sie im Halbfinale der WM 2007 in China gegen Brasilien nicht aufgestellt wurde und die USA mit 0:4 verloren hatten, kritisierte sie die Entscheidung ihres Trainers öffentlich. Sie selbst hätte die Gegentreffer verhindern können.

Es kam zum Bruch mit dem Team – und Solo flog alleine zurück in die Heimat.

Dennoch war dieses Turnier für Solo der Start in eine beeindruckende Karriere. Zweimal wurde sie noch Olympiasiegerin, einmal Weltmeisterin. Das renommierte Magazin „Sports Illustrated“ kürte die Torhüterin 2008 sogar zur Sportler-Persönlichkeit des Jahres.

Karriere endete bei Olympia 2016 unrühmlich

Acht Jahre später dann das unrühmliche Ende ihrer Nationalmannschaftskarriere nach 202 Länderspielen. Nach der Viertelfinal-Niederlage bei Olympia 2016 gegen Schweden bezeichnete sie ihre Gegnerinnen als einen „Haufen von Feiglingen“ und wurde anschließend vom US-Verband für sechs Monate gesperrt.

Zu einer Rückkehr in die US-Auswahl kam es nicht mehr.

Nach der Karriere blieb Solo als öffentliche Person präsent – als TV-Expertin, in vielen Medienauftritten und mit Engagements für diverse wohltätige Zwecke.

Um ihr Privatleben ist es seit dem Tiefpunkt vor vier Jahren ruhiger geworden – es scheint, als ob sie ihr damaliges Versprechen eingelöst hat: „Meine ganze Energie und Konzentration sind jetzt auf meine Gesundheit, meine Heilung und die Fürsorge für meine Familie gerichtet.“