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Die unverdienteste WM-Qualifikation jemals?

WM-Ticket trotz Horror-Quali?

Schweden enttäuscht in der WM-Qualifikation und bleibt ohne Sieg. Trotzdem winkt den Skandinaviern im Playoff-Finale ein Ticket für das Turnier im Sommer. Im Fokus steht vor allem das Duell zwischen Viktor Gyökeres und Robert Lewandowski.
Schwedens WM-Hoffnungen ruhen auf seinen Schultern: Viktor Gyökeres
Schwedens WM-Hoffnungen ruhen auf seinen Schultern: Viktor Gyökeres
© IMAGO/Bildbyran
Schweden enttäuscht in der WM-Qualifikation und bleibt ohne Sieg. Trotzdem winkt den Skandinaviern im Playoff-Finale ein Ticket für das Turnier im Sommer. Im Fokus steht vor allem das Duell zwischen Viktor Gyökeres und Robert Lewandowski.

Nur noch knapp zweieinhalb Monate müssen sich die Fans gedulden, dann startet die Weltmeisterschaft 2026. Sechs Startplätze sind allerdings noch offen. Einer davon wird am Dienstagabend in einem besonders brisanten Playoff-Finale vergeben.

Um 20.45 Uhr spielen Schweden und Polen (LIVETICKER) um eines der letzten WM-Tickets. Allein die Tatsache, dass die Skandinavier überhaupt noch eine Chance besitzen, sorgt für Stirnrunzeln. Böse Zungen würden bei einem schwedischen Sieg womöglich sogar von der unverdientesten WM-Qualifikation aller Zeiten sprechen. 

Die Ausgangslage klingt absurd: Schweden beendete die eigentliche WM-Qualifikation als Gruppenletzter hinter der Schweiz (direkt qualifiziert), dem Kosovo (Playoffs) und Slowenien (keine Qualifikation), ohne dabei einen einzigen Sieg einzufahren. Lediglich gegen Slowenien spielte das Team zweimal unentschieden (2:2, 1:1). 

Nations League rettet Schwedens WM-Hoffnungen

Um zu verstehen, warum die Skandinavier trotzdem noch hoffen dürfen, bedarf es eines genaueren Blicks in das Regelbuch der FIFA. Durch die Aufstockung der WM zum Mammutturnier mit 48 statt 32 Teams wurden auch die Playoffs erweitert.

So erhielten neben den zwölf Gruppenzweiten der WM-Qualifikation auch die vier besten Nations-League-Gruppensieger ein Ticket für die Playoffs. In der C-Liga der Nations League hatten die Schweden gegen vergleichsweise schwache Gegner (Slowakei, Estland, Aserbaidschan) 16 Punkte und damit den Gruppensieg geholt – und das Playoffticket.

Nun überzeugten die Schweden am Donnerstag im Halbfinale der Playoffs mit einem 3:1-Sieg gegen die Ukraine und sind nur noch einen Sieg von der ersten WM-Teilnahme seit 2018 entfernt. 

„Sie wurden ausgebuht, verspottet und infrage gestellt. Doch innerhalb von nur 90 Minuten plus Nachspielzeit gewannen sie die Liebe des Volkes zurück“, schrieb die schwedische Boulevardzeitung Aftonbladet nach der Partie. 

Und auch Innenverteidiger Carl Starfelt blickte auf die emotionale Achterbahnfahrt der vergangenen Monate zurück: „Es gab viel Negatives und große Enttäuschung, vor allem über die WM-Qualifikation. Deshalb ist es unglaublich schön, in so einem wichtigen Spiel wieder ein positives Gefühl zu bekommen.“

Dreierpacker Gyökeres wird zum Helden

Zum Helden wurde in Abwesenheit des verletzten Liverpool-Stars Alexander Isak Arsenals Viktor Gyökeres. Der Torjäger traf gegen die Ukraine unter gehörigem Druck dreimal und schlug damit auch nach seiner persönlichen Flaute in der Gruppenphase zurück. Dort hatte Gyökeres kein einziges Mal getroffen und nicht an seine furiosen neun Tore in der Nations League angeknüpft.

„Viktors Leistung war unglaublich“, lobte Trainer Graham Potter die jüngste Leistung des Stürmers und führte aus: „Viktors Leistung ist das Highlight des Abends und dominiert zu Recht die Schlagzeilen. Er war phänomenal. Aber er würde selbst sagen, dass die Mannschaft hinter ihm ebenfalls erstklassig war.“ 

„Ich freue mich sehr für ihn, weil ich weiß, wie hart er arbeitet“, sagte darüber hinaus Mitspieler Anthony Elanga. „Er ist ein fantastischer Spieler, es ist großartig, an seiner Seite zu spielen. Wir haben ein gutes Verständnis. Er ist einer der besten Stürmer der Welt.“ 

Duell der Super-Stürmer: Gyökeres vs. Lewandowski

Am Dienstagabend wartet auf Gyökeres und Schweden jedoch eine Aufgabe, die noch einmal deutlich anspruchsvoller werden dürfte. Auch weil mit Robert Lewandowski beim Gegner einer der besten Stürmer des vergangenen Jahrzehnts spielt. Die dominante Schlagzeile vor dem Duell lautet deshalb: „Viktor Gyökeres vs. Robert Lewandowski“. 

Starfelt zeigte sich zuletzt zuversichtlich, dass Gyökeres seine Form beibehalten könne. „Wenn er auch nur annähernd auf dem Niveau spielt, das er gegen die Ukraine gezeigt hat, denke ich, dass er das Duell gegen Lewandowski gewinnen wird“, sagte der Verteidiger. 

Für die Schweden gilt es, auch ein persönliches Trauma zu bewältigen. Schon vor vier Jahren kam es zwischen Polen und Schweden zum Finale um die WM-Qualifikation. Der entscheidende Mann? Robert Lewandowski, der mit einem Treffer den Weg zum 2:0-Sieg der Polen einleitete. 

Lewandowskis letzter WM-Auftritt oder wird Gyökeres zum Partycrasher?

Auch in diesem Jahr hat der Stürmer des FC Barcelona ein klares Ziel vor Augen. Das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada könnte die letzte WM für den 37-Jährigen werden, der mit Polen letztmals 2014 die Teilnahme an einer Welt- oder Europameisterschaft verpasste. 

Gyökeres brachte sich im Vorfeld jedoch bereits in Position, um zum polnischen Partycrasher zu werden und Schwedens kuriose Qualifikationsgeschichte zu Ende zu schreiben.

„Das wäre doch nichts Schlechtes, oder?“, antwortete der Stürmer mit einem Lächeln auf die Frage, ob er seine Leistung aus dem Ukraine-Spiel im Playoff-Finale wiederholen könne.

Fest steht bereits jetzt: Der Sieger des Duells Schweden gegen Polen – und damit wohl auch des direkten Schlagabtausches zwischen Gyökeres und Lewandowski – wird bei der WM in der Gruppe F landen und dort auf die Niederlande, Japan und Tunesien treffen.