Im August 2023 saß Elliot Anderson in einem Hotelzimmer und traf eine folgenschwere Entscheidung. Wenig später verließ er das schottische Nationalteam vor der Partie in der EM-Qualifikation gegen Zypern und spielte sich damit nicht fest.
Tuchels neuer Liebling ist Bellinghams Albtraum
Überflieger ist Bellinghams Albtraum
Nun erweist sich diese Aktion ausgerechnet für den Rivalen England als riesiger Glücksfall. Der 23-Jährige ist bei den „Three Lions“ der Senkrechtstarter.
Nationaltrainer Thomas Tuchel setzt voll auf den Mittelfeldspieler. Erst im September 2025 debütierte Anderson für England, seitdem ist er nicht mehr wegzudenken aus der Startelf.
Bellingham hat das Nachsehen: Anderson begeistert Tuchel
„Anderson ist im Moment ein Schlüsselspieler für uns“, sagte Tuchel bereits Ende November. „Er ist einer der besten Mittelfeldspieler der Premier League – deshalb ist er bei uns und steht für uns in der Startelf.“
Tuchel fügte an: „Er ist ein Spitzenspieler mit der richtigen Einstellung und viel Talent. Er erfüllt seine Rolle auf die bestmögliche Weise.“
Auch wegen Anderson hat Jude Bellingham derzeit einen schweren Stand im Nationalteam und verlor seinen Stammplatz im Zentrum. Stattdessen darf dort Arsenal-Star Declan Rice neben Anderson ran. So ist es aktuell kaum vorstellbar, dass Bellingham bei der WM im Sommer wieder stets in der Startelf stehen wird.
Zweikampfmonster und Passmaschine
Doch was macht den neuen Mann in Tuchels Mittelfeld so gut? Immerhin steckt Anderson mit seinem Verein Nottingham in der Premier League im Abstiegskampf. Doch an dem Anführer liegt das nicht. Anderson ist ein echtes Zweikampfmonster und reißt das gesamte Spiel seines Teams an sich.
In dieser Spielzeit hat er 259 Mal den Ball zurückerobert – so oft wie kein anderer in der Liga. Mit 195 gewonnenen Duellen ist Anderson auch der beste Zweikämpfer. Zudem hat er in dieser Saison mit 2.002 Pässen die fünftmeisten Zuspiele in der Premier League an den Mann gebracht. Und das bei einem Team, das nicht ständig dominiert.
Vielleicht wäre er heute nicht so gefragt, wenn er sich damals im August 2023 anders entschieden hätte. Anderson war aufgrund seiner in Glasgow geborenen Großmutter spielberechtigt für Schottland und wurde von Coach Steve Clarke nominiert.
Anderson reiste vom schottischen Team ab
Offiziell reiste der Mittelfeldspieler dann verletzungsbedingt ab. Dem Guardian beichtete der Spieler aber später: „Ich habe das Trainingslager nach ein paar Tagen verlassen und beschlossen, dass ich einfach mehr Zeit brauchte, um meine Entscheidung wirklich zu treffen. Ich wollte mich nicht in etwas hineinstürzen.“
Anderson liebäugelte damals noch mit einer Karriere in der englischen Nationalmannschaft und unterstrich damit sein großes Selbstvertrauen. Denn zu jenem Zeitpunkt schaffte er gerade einmal den Durchbruch bei Newcastle United und war noch alles andere als ein großer Name.
Vor vier Jahren verlieh ihn sein Jugendklub sogar in die vierte Liga zu den Bristol Rovers. Den Verein führte Anderson zum Aufstieg. Doch sein späterer, persönlicher Aufstieg war nicht zu erahnen.
Nach der Rückkehr zu Newcastle wurde er auf einmal Stammspieler und wechselte im Juli 2024 für 40 Millionen Euro zu Nottingham.
Und dort erwies sich der 1,79 Meter große Rechtsfuß als wahrer Glücksfall. In seinen ersten beiden Spielzeiten ist er direkt zum großen Aushängeschild des Vereins geworden. Nottingham kehrte mit ihm sogar in die Europa League zurück.
Anderson erlebt großen Aufstieg
„Es waren zwei ereignisreiche Jahre. Ich denke, ich habe mich auf und neben dem Platz ziemlich gut geschlagen. Ich bin auch als Mensch gereift und danke dem Verein dafür, dass er mir diese Plattform geboten hat“, erklärte der gefragte Star gegenüber der BBC.
Im vergangenen Sommer führte Anderson bereits die U21 zum EM-Titel. Nun soll mit dem A-Team der WM-Triumph folgen. Für den Mann, der in der Küstenstadt Whitley Bay geboren wurde, ist das Turnier ohnehin eine große Bühne.
Laut Sun steht nämlich ein Wettbieten zwischen Manchester United und Manchester City an. Die Stadtrivalen wollen den Senkrechtstarter demnach unbedingt verpflichten.
Senkrechtstarter weckt besondere Erinnerungen
Kein Wunder: Viele Fans fühlen sich durch Anderson an ihren geliebten Ex-Nationalspieler und Enfant terrible Paul Gascoigne erinnert.
„Er ist ein bisschen wie aus einer anderen Zeit, so wie er mit dem Ball umgeht. Wo er herkommt, spricht man viel über ‚Gazza‘ – er hat etwas von ihm“, meinte der ehemalige irische Nationalspieler Glenn Whelan bei BBC Sport.
Er war 2021 bei Bristol Co-Trainer und hätte wohl auch nicht gedacht, dass Elliot Anderson mal Englands große WM-Hoffnung werden würde.