Vielleicht war es der graue Lounge-Sessel, der Julian Nagelsmann die nötige Gelassenheit gab. Vielleicht waren es aber auch die bunten Socken mit Zuckerstangen-Print, die ihm einst Oliver Baumann schenkte.
Kommentar zum WM-Kader: Endlich ist Julian Nagelsmann wieder der Alte
Das war der alte Nagelsmann
Fakt ist: Der Bundestrainer hat seine Lockerheit und seine gute Kommunikation wiedergefunden – gerade rechtzeitig, um zumindest ein bisschen WM-Stimmung aufkommen zu lassen. Dass er vor sich kein klassisches Pressekonferenz-Mikrofon stehen hatte, an dem er rumfummeln konnte, tat dem Auftritt obendrein gut.
Nagelsmann trat ehrlich auf
Wichtig war, dass Nagelsmann ehrlich auftrat – sich selbst, aber auch den deutschen Fans gegenüber. Ihm ist es gelungen, die Kader-Nominierung nachvollziehbar zu erläutern und glaubwürdig zu vermitteln, dass er es sich dabei nicht leichtgemacht hat. Nagelsmann ist wieder der Alte – endlich.
Denn der Eiertanz rund um die Personalie Manuel Neuer tat seinem Image nicht gut und wirkte sich negativ auf den Ruf des Bundestrainers aus. Auch die Rolle des dauer-genervten Fußballlehrers, die er im März eingenommen hatte, hat er abgelegt. Gut, dass er hier gegensteuern konnte.
Mit Blick auf den Kader muss man derweil feststellen, dass Nagelsmann nicht so mutig ist, wie es vielleicht nötig gewesen wäre. Ein Tom Bischof oder ein Said El Mala hätten die DFB-Reisegruppe sicherlich aufgewertet und für frischen Wind gesorgt – gerade weil sich viele Fans junge Spieler wünschen, mit denen man mitfiebert und denen man Fehler verzeiht. Die Nominierung von Lennart Karl ist vermutlich zu wenig, um in diesem Punkt echte Begeisterung auszulösen.
Trotzdem: Nagelsmann ist wieder Nagelsmann. Er hat wieder etwas mehr Vertrauen in seine Arbeit verdient – auch wenn der Auftritt am Donnerstagmittag erst der Anfang gewesen sein kann und der sportliche Erfolg der wahre Maßstab ist.