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Entsteht da mehr?

Entsteht da mehr?

Manuel Neuer ist rund um die Nationalmannschaft das beherrschende Thema. Mitspieler und Fans setzen große Hoffnungen auf ihn. Zu Recht?
Manuel Neuer ist zurück bei der deutschen Nationalmannschaft - und die Fans feiern. Rund 1000 Anhänger versammeln sich in Herzogenaurach zur Autogrammstunde des Rekordkeepers.
Manuel Neuer ist rund um die Nationalmannschaft das beherrschende Thema. Mitspieler und Fans setzen große Hoffnungen auf ihn. Zu Recht?

Die ersten Fans kamen um 7.30 Uhr – und das, obwohl der große Heilsbringer erst für 13.15 Uhr angekündigt war. Rund 1000 Menschen warteten trotz der Hitze geduldig in einer langen Schlange auf Manuel Neuer. Selfies, Autogramme, ein paar Worte wechseln – so das Ziel der meisten.

Zwar schafften es nur 600 in die Nähe ihres Helden, doch die waren hochzufrieden. Schließlich hatte der Weltmeister von 2014 seinen Auftritt im „Brand Store“ des DFB-Ausrüsters in Herzogenaurach spontan von 30 Minuten auf eine volle Stunde verlängert. Einen solchen Ansturm habe man schon lange nicht mehr erlebt, heißt es aus dem Verband.

Die Szene steht exemplarisch für die Bedeutung, die Neuer für den deutschen Fußball hat – oder ihm zumindest zugeschrieben wird. Vor allem mit seiner Aura soll er es richten und der DFB-Elf zum Erfolg verhelfen.

„Manu ist der beste Torhüter aller Zeiten“

„Natürlich freue ich mich, dass Manu jetzt dabei ist. Wir kennen uns jetzt seit elf Jahren und spielen seit elf Jahren zusammen“, sagte Joshua Kimmich am Freitag auf Nachfrage von SPORT1 und ließ durchblicken, dass er die Moral-Debatte rund um das Neuer-Comeback nicht versteht: „Generell darf es rein sportlich diese Diskussion nicht geben. Manu ist der beste Torhüter aller Zeiten und immer noch einer der besten Torhüter der Welt. Für mich ist die Diskussion ein bisschen zu negativ behaftet, weil wir eigentlich kein Problem haben auf der Torhüterposition.“

Während der DFB-Kapitän den Fokus auf das Sportliche richtet, ist spürbar, dass es vor allem Neuers Ausstrahlung ist, die die Youngster im Team begeistert.

„Ich freue mich. Manu ist der beste Torwart, den es jemals gab, und er macht uns stärker. Er hat einfach diese Aura“, sagt Maximilian Beier und vergaß dabei fast, dass auch nach dem konkreten Wert des Keepers auf dem Platz gefragt wurde. Nathaniel Brown zeigte sich regelrecht „geflasht“ von der Tatsache, Neuer beim Frühstück und beim Physiotherapeuten getroffen zu haben (SPORT1 berichtete).

Kimmich spricht Baumann das Vertrauen aus

Derweil ist Oliver Baumann, die Ex-Nummer 1 und neue Nummer 2, ein bisschen in den Hintergrund geraten – obwohl er wegen Neuers Blessur an der Wade am Sonntag gegen Finnland im Tor stehen wird. Für den 35-Jährigen muss sich jedes Lob für den neuen alten Stammkeeper wie ein kleines Misstrauensvotum gegen sich selbst anfühlen.

„Natürlich war Oli enttäuscht. Ich wäre enttäuscht, wenn er nicht enttäuscht gewesen wäre“, sagt Kimmich dazu und sprach dem Hoffenheimer explizit das Vertrauen aus. Das war es dann aber auch schon.

Ob allein die Tatsache, dass „Mister Aura“ wieder an Bord ist, reichen wird, die WM erfolgreich zu gestalten, bleibt trotz der Lobeshymnen fraglich. Immerhin schied die Nationalmannschaft 2018 und 2022 in der Vorrunde aus, obwohl Neuer im Tor stand.

Er selbst soll sich übrigens erst zu Wort melden, wenn er wieder fit ist und spielen kann. Das wird frühestens kommende Woche in der Partie gegen die USA in Chicago der Fall sein.