WM 2026>

Nagelsmann? "Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen"

Adler warnt in Neuer-Debatte

Manuel Neuer soll zur WM ins deutsche Aufgebot zurückkehren und statt Oliver Baumann als Nummer eins im deutschen Tor stehen. Ex-DFB-Torhüter René Adler warnt im Gespräch mit SPORT1 vor den Auswirkungen der Debatte.
Im SPORT1 Doppelpass spricht Torhüterlegende Oliver Kahn über das mögliche DFB-Comeback von Manuel Neuer. Der "Titan" versteht den Zeitpunkt der wohl bevorstehenden Entscheidung um die Rückkehr Neuers nicht.
Manuel Neuer soll zur WM ins deutsche Aufgebot zurückkehren und statt Oliver Baumann als Nummer eins im deutschen Tor stehen. Ex-DFB-Torhüter René Adler warnt im Gespräch mit SPORT1 vor den Auswirkungen der Debatte.

Die geplante Rückkehr von Manuel Neuer in die Nationalmannschaft sorgt weiter für Diskussionen. SPORT1 kann einen entsprechenden Bericht der Bild bestätigen, laut dem Oliver Baumann nun vom Bundestrainer Julian Nagelsmann in einem Telefonat darüber informiert wurde, dass Neuer ihn als Nummer eins ersetzen soll.

Zuletzt hatte sich Nagelsmann bei der Frage nach der Nummer eins im Tor allerdings öffentlich nicht festgelegt und sich bei seinem Auftritt im Aktuellen Sportstudio im ZDF nichts Handfestes entlocken lassen. Die offizielle Bekanntgabe des WM-Kaders erfolgt am Donnerstag.

Unter anderem ist die Situation um Neuer neben der sportlichen Bewertung auch deshalb so brisant, weil sie in der öffentlichen Wahrnehmung sowie in der Bewertung durch deutliche Aussagen von Experten und Medien eine besondere Eigendynamik entwickelt hat.

Neuer zur WM? Kahn hat eine eindeutige Meinung

Im SPORT1 Doppelpass am vergangenen Sonntagvormittag brachte der ehemalige Torwart des FC Bayern und langjährige Nationalkeeper Oliver Kahn die Debatte auf den Punkt: „Hier ist gerade ein Wort gefallen, das finde ich wirklich fantastisch: Und das ist Klarheit. Klarheit. Darum geht’s.“

Das Stichwort hatte zuvor Ex-Profi Neven Subotić genannt, der unter anderem für Borussia Dortmund spielte. Zudem bezeichnete Kahn Nagelsmanns mögliche Neuer-Volte als „abenteuerlich“.

Der frühere Torwart und heutige TV-Experte René Adler sieht genau darin das zentrale Problem der aktuellen Diskussion. „Das Ganze ist extrem komplex, aber am Ende brauchst du einfach Klarheit“, stellt der 41-Jährige im Gespräch mit SPORT1 klar.

Er habe Verständnis dafür, dass solche Entscheidungen im Nationalteam nicht leicht seien. Trotzdem gebe es einen Punkt, an dem eine klare Linie zwingend notwendig werde. „Genau das brauchst du in so einer Situation auch“, sagt Adler. 

Adler nennt das eigentliche Problem 

Für den gebürtigen Leipziger ist nicht die sportliche Bewertung zwischen Baumann, der mit der TSG 1899 Hoffenheim eine starke Saison spielte, die Qualifikation für die Europa League schaffte und zuletzt zudem als Nummer eins der Nationalmannschaft galt, und Neuer entscheidend – sondern der Umgang mit der Entscheidung selbst.

„Der Bundestrainer muss seine Entscheidung aus absoluter Überzeugung treffen – egal, wie sie am Ende ausfällt“, erklärt Adler.

Wichtig sei dabei nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem der Zeitpunkt der Festlegung. Genau hier liege der entscheidende Kritikpunkt. „Dieses Offenlassen über Wochen ist das eigentliche Problem“, betont Adler.

Adler: „Raum für neue Interpretationen“

Er beschrieb zudem die Dynamik, die aus dieser fehlenden Klarheit entsteht, als nahezu zwangsläufig. „Dann entsteht automatisch ein Raum, in dem ständig neue Interpretationen entstehen“, sagt Adler. Diese Dynamik sei kaum noch zu stoppen, sobald keine klare Entscheidung getroffen und diese auch dahingehend öffentlich kommuniziert wird. 

Für Adler hat sich die Diskussion deshalb längst verschoben. Aus einer sportlichen Frage sei inzwischen auch eine Führungs- und Kommunikationsfrage geworden.

„Aufgrund der besonderen Personalie Manuel Neuer mit all seinen Verdiensten und seinem Legendenstatus hat sich das zwangsläufig auf eine andere Ebene verlagert. Dadurch entstehen unterschiedliche Bewertungskriterien, denn sowohl Neuer als auch Baumann haben in der abgelaufenen Saison durch Leistung überzeugt“, meint Adler.

Adler erklärt, worauf es ankommt

„Umso wichtiger ist es, dass früh klar und aus voller Überzeugung heraus kommuniziert wird. Es geht um die öffentliche Wahrnehmung, die Rollenverteilung innerhalb der Mannschaft und die Kommunikation der Entscheidung“, erklärt er weiter. „Deshalb wäre es so wichtig gewesen, frühzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen, damit möglichst wenig Raum für Irritationen bleibt.“

Genau deshalb sei die Situation so brisant: weil sie nicht auf dem Platz entschieden werde, sondern in der öffentlichen Kommunikation darüber.

Adlers Fazit zur Causa Neuer

„Da wurde intern längst eine Entscheidung getroffen“, glaubt Adler. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Nagelsmann nicht mit Neuer und Baumann gesprochen hat und jetzt alle so tun, als wüssten sie von nichts. Vielleicht ist das auch ein Test, wie sehr man so etwas geheim halten kann. Das wäre zumindest meine These.“